28.05.2009

tresor im Bank Austria Kunstforum präsentiert:
Georg Eisler Preis-Gewinner Bertram Hasenauer

  • Bank Austria präsentiert Eisler Preisträger  im tresor
  • Ab 2010: Höchst dotierter Kunstpreis in Österreich

Von 28. Mai bis 14. Juni 2009 werden im tresor des Bank Austria Kunstforums aktuelle Werke von Bertram Hasenauer, dem Gewinner des Eisler Preises 2008, präsentiert. Hasenauer, 1970 in Saalfelden geboren, studierte von 1992 bis 1998 auf der Akademie der bildenden Künste in Wien, der Hochschule der Künste in Berlin und am Central Saint Martins College of Art and Design in London. Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin.

Betram Hasenauer zählt zu einer Künstlergeneration, die sich dem Abbild der Wirklichkeit verschrieben hat. Im Unterschied zu den Protagonisten der Neuen Malerei, die die 1980er Jahre mit ihren expressiv malerischen Bildwürfen bestimmt hat, kommt es im Laufe der 1990er Jahre zu einer merklichen Wende in der gegenständlichen Malerei. Anstelle des individuellen Ausdrucks und der intuitiven Geste mit der Farbmaterie tritt eine sachlich kühle Deskription der gesehenen Welt. Der distanzierte Blick löst das emotionale Bauchgefühl ab. Selbst die ehemaligen Neuen Wilden, wie vor allem Alois Mosbacher, tendieren dazu, die Figuren und Dinge deskriptiv und analytisch auf den Bildträger zu übertragen, ohne jedoch das Malerische auszusparen. Die folgenden Positionen der aktuellen figurativen Malerei gehen selbstverständlich mit den Neuen Medien um, sehen Video, Internet, Fernsehen oder die Fotografie als formalästhetisch-inhaltlichen Filter zwischen Alltag und autonomer Bildrealität. Zu dieser Ausrichtung zählen unter anderen Muntean und Rosenblum, Maja Vukoje oder Martin Schnur.

Auf den ersten Blick scheinen Bertram Hasenauers Figurendarstellungen ebenfalls dem deskriptiven, analytischen Prinzip zu folgen. Bei genauerer Betrachtung entstehen jedoch merkliche Distanzen zur reinen Abbildung mit scharf gestellter Linse. Meist bilden weiße, monochrome Flächen den Hintergrund, der Momente des Szenischen und Illusionären ausblendet. Die abstrakte Sphäre vermittelt Zeitlosigkeit und Stille, in die der Maler seine Protagonisten integriert. Es sind Figurentypen aus der Mode- und Jugendkultur, ohne jegliche persönliche Physiognomie und Regung. Ihre Uniformität wird vor allem in den Gemälden mit Rückenansichten unterstrichen – etwa bei sich abwendenden, mit Kapuze getarnten Teenies, die Kommunikation und sozialen Austausch vermeiden. Diese Posen und Gesten analysiert und destilliert der Künstler zu einer Typologie, die sich dann in seinen Gemälden und Zeichnungen wieder findet. Das ist aber nur die eine, anonyme, uniforme Seite. Zum anderen entstehen Porträts mit entschiedener Eindringlichkeit. Der Blick, der von den meist androgynen Jugendlichen ausgeht, ist dominant, irisierend und zugleich in sich versunken, lyrisch, meditativ. Ein psychisches Changieren zwischen Anwesenheit als Gegenüber und Entrücktheit. 
 
Hasenauer hält nicht an der Einzigartigkeit des Aussehens einer bestimmten Person fest, sondern verwandelt die menschliche Figur in eine Erscheinung. Seine sensible Handschrift unterstreicht diese ephemere Immaterialität. Besonders in den Buntstiftzeichnungen ist die feinsinnige Ausführung des Körpers erkennbar: ein atmosphärischer Hauch von Farbe, Fläche und Linie anstatt Plastizität, Körperlichkeit und Stofflichkeit. Sein Duktus ist diszipliniert, einheitlich, dem Sachlichen verpflichtet. Vor allem die Linie spielt in Hasenauers formalem Reservoir eine zentrale Rolle; sie bewirkt eine klare Abgrenzung zwischen Figur und Grund, dem abgebildeten Wesen und der Stille des Weiß. Dieser isolierende Charakter lässt an neusachliche Positionen der Zwischenkriegszeit denken, an Meisterzeichnungen von Ingres oder an die Florentiner Schule von Botticelli bis Bronzino. Hasenauer nimmt Anleihe am klassischen Typus des Büstenporträts, meist in Frontalansicht. Man denke hierbei etwa auch an Frida Kahlos eindrückliche Selbstporträts im Dschungel mit Affen und Haustieren - mit hypnotischer Autorität gegenüber dem Betrachter. Hiermit orientiert sich Bertram Hasenauer entschieden an piktorialen Traditionen der Kunstgeschichte, distanziert von der alleinigen Wiedergabe des Alltags.

Neben den Werk dominierenden Porträts sind in der letzten Zeit einige Landschaften entstanden: Lichtungen im kontrastreichen Hell-Dunkel, tiefgrüne Nadelwälder, oft mit weißen Streifen an der unteren Bildzone verbunden. Auch hier übernehmen Zeitlosigkeit und Isolation die Bildregie. Ob ein Gemälde von Mensch oder Baum, es ist mehr bildliche Erinnerungen mit seelischer Aufladung, denn faktische Beschreibungen mit distanziertem Gemüt von Wirklichkeiten.
 
Der Georg Eisler Preis ist einer der profiliertesten Preise für junge Künstlerinnen und Künstler in Österreich. Er setzt sich aus einem Ankaufspreis der Bank Austria und einer Ausstellung im tresor des Bank Austria Kunstforums zusammen. Seit 1988 wird der Eisler Preis von der Bank Austria vergeben, er kommt als Förderpreis vor allem jungen Malern und Malerinnen zugute. Neu: Ab 2010 wird der Eisler Preis jedes zweite Jahr vergeben und auf 24.000 Euro erhöht! Damit ist er der höchst dotierte Kunstpreis in Österreich.
 

Bertram Hasenauer: Porträts zwischen Entrücktheit und Hypnose
28. Mai bis 14. Juni 2009
tresor im Bank Austria Kunstforum,
1010 Wien, Freyung 8,
täglich 10.00 bis 19.00 Uhr, Freitag 10.00 bis 21.00 Uhr
Freier Eintritt


 
Weiteres Bild- und Informationsmaterial findet sich unter  leisure communications. Das Bildmaterial steht zum honorarfreien Abdruck bei redaktioneller Verwendung zur Verfügung.

Rückfragehinweis:

Bank Austria Kultursponsoring
Katja Erlach, Tel.: +43 (0) 50505 - 56839
E-Mail: katja.erlach@unicreditgroup.at 

leisure communications
Wolfgang Lamprecht, Tel.: +43 (0)664 8563002
E-Mail: lamprecht@leisuregroup.at
 

 zurück zur Übersicht