23.06.2005

Branchenbericht der BA-CA Konzernvolkswirtschaft:
Fahrzeugerzeuger konsolidieren heuer nach Sensationsjahr 2004

  •  Erst 2006 wird sich die Fahrzeugerzeugung wieder stärker erholen
  • Konjunkturresistente Branche wird auch in Zukunft für Exportüberschüsse sorgen
  • Wachstumsmärkte der Autoindustrie verlagern sich nach Osteuropa und Asien

Nach einem sensationellen Jahr 2004 für die Autoindustrie mit einem Plus von 59 Prozent und 13 Milliarden Euro Gesamtumsatz wird Österreichs automotiver Sektor heuer nur moderat wachsen. Das ist der Sukkus eines aktuellen Branchenberichtes der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) Konzernvolkswirtschaft. Die rückläufige Produktionsleistung im Februar und März 2005 beruht zum einen auf der international schwachen Autokonjunktur. Zum anderen ist der Rückgang statistisch, nämlich aufgrund der boomenden Konjunktur 2004, überzeichnet. Auch die stagnierende Zahl der Beschäftigten in der Fahrzeugindustrie im ersten Halbjahr, zuletzt bei 28.200 Arbeitnehmern, und die vorsichtigeren Produktions-erwartungen der Unternehmen sind klare Indikatoren der Abkühlung. Nicht zuletzt bremst die lahme Konjunktur die Neuwagennachfrage in Europa: Bis zum Mai sind die Zulassungen um 2,4 Prozent gesunken. Die Fahrzeugerzeugung wird sich erst 2006 stärker erholen.

Exportbranche par exellence
Vor kurzfristigen konjunkturbedingten Rückschlägen ist die Fahrzeugindustrie in Österreich zwar nicht immun. Allerdings hat die Branche eine stabile und auch relativ konjunktur-resistente Struktur erlangt, wie die auf längere Sicht überdurchschnittlich positive Entwicklung des Fahrzeug-Außenhandels gut dokumentiert: Zwar sind PKW-Exporte im ersten Quartal 2005 um 10 Prozent und die Ausfuhren von KFZ-Motorteilen um 23 Prozent gesunken. Allerdings konnten diese Einbußen durch kräftige Exportzuwächse mit Motoren, sonstigen Teilen und mit Bussen zur Gänze ausgeglichen werden.

"Im Lauf der 1990er Jahre sind die Exporte von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen aus Österreich um durchschnittlich 13 Prozent jährlich gestiegen und damit deutlich rascher als die Gesamtausfuhren", so BA-CA Branchenanalyst Günter Wolf. Die Außenhandelsbilanz der Branche hat sich sukzessive verbessert. Nach zwei konjunkturbedingt schwächeren Jahren erreichte der Exportüberschuss mit KFZ und KFZ-Teilen im Ausnahmejahr 2004 1,1 Milliarden Euro, im gesamten Fahrzeughandel sogar 1,8 Milliarden Euro - noch ohne die Zulieferungen an die Autoindustrie von anderen Branchen wie den Herstellern von Textilien.

3,9 Billionen Auto-Kilometer jährlich
Das Auto gewinnt weiter an Bedeutung – allerdings in deutlich geringerem Tempo als in der Vergangenheit. Die EU-Bürger legen im Jahr ungefähr 3,9 Billionen Kilometer mit dem PKW zurück. Die mit dem Auto zurückgelegten Wegstrecken sind zwischen 1970 und 1990 um durchschnittlich 3,6 Prozent im Jahr gestiegen, in den 1990er Jahren noch um 1,8 Prozent jährlich und werden in den nächsten zwei Jahrzehnten laut EU-Prognose nur mehr um 1 bis 1,5 Prozent wachsen. "Da die gesamte Verkehrsleistung in Zukunft weiter zunimmt, nicht nur in der Luft und auf Schienen sondern auch auf der Straße, wird auch die Nachfrage nach PKW weiter zulegen", prognostiziert Wolf.

China kann langfristig auf die Überholspur wechseln
Ihre Wachstumsmärkte findet die europäische Autoindustrie in Zukunft in Zentral- und Osteuropa sowie in Asien und Südamerika, für den Export und mehr noch als Standorte für die Produktion. "Vor allem die Nachfrage vom Automarkt in China hat das Potenzial, langfristig auf die Überholspur zu wechseln", meint Wolf. Als Ursachen nennt er die rasch wachsenden Einkommen und die zunehmende Handelsliberalisierung. 2006 werden die Einfuhrquoten für Autos aufgehoben und die Einfuhrzölle von 70 bis 80 Prozent auf 25 Prozent gesenkt. Vielleicht nicht im Tempo Chinas, aber deutlich über dem westeuropäischen Schnitt soll die KFZ-Nachfrage in den neuen EU-Staaten steigen. Trotz des hervorragenden Aussichten sind die PKW-Neuzulassungen in der Region zuletzt kräftig gesunken: 2004 um 5 Prozent und in den ersten fünf Monaten 2005 um rund 20 Prozent. "Den Neuwagenmarkt in den Ländern belasten höhere Verbrauchssteuern und vor allem die Aufhebung der Einfuhrzölle für Gebrauchtwagen, was die Nachfrage nach Autos aus zweiter Hand angekurbelt hat", so Wolf.
 

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