24.03.2005

Im Eilzug nach Südosteuropa

  • Rekordzufluss an ausländischen Direktinvestitionen in die Region im Jahr 2004
  • Gesamtes Investitionsvolumen auf über 40 Milliarden Euro gestiegen
  • Bulgarien und Rumänien profitieren besonders von EU-Vision

Durch die Reformbemühungen der vergangenen Jahre haben sich die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen in Südosteuropa1  deutlich verbessert. Die Länder der Region haben sich in den letzten fünf Jahren als Zielort für ausländische Direktinvestitionen (FDI) in den Vordergrund gespielt. „Der Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen nach SEE überstieg 2004 die Grenze von 8 Milliarden Euro. Das ist ein neuer Rekordwert und entspricht fast 5 Prozent des BIP der Region“, meint Marianne Kager, Chefvolkswirtin der BA-CA. Nach den Berechnungen der Ökonomen der BA-CA betrug der kumulierte FDI-Zustrom nach Südosteuropa Ende 2004 schon fast 41 Milliarden Euro. Damit hat sich dieses Volumen innerhalb von nur fünf Jahren beinahe vervierfacht.

Die EU-Beitrittskandidaten Rumänien und Bulgarien waren 2004 innerhalb der Region die bevorzugten Länder für Investoren. „Absoluter Spitzenreiter war im Vorjahr Rumänien, das 50 Prozent der FDI‘s nach SEE absorbierte“, so Kager. Grund waren u.a. die Privatisierung der Ölgesellschaft Petrom und der Energieversorger Electrica Dobrogea und Electrica Banat. Nach Bulgarien floss 2004 mit dem Verkauf der sieben regionalen Stromversorger und Anteilen an der Telekom fast ein Viertel der gesamten Direktinvestitionen der Region.

Trotz des dynamischen Aufwärtstrends ist die Durchdringung der südosteuropäischen Wirtschaft mit ausländischem Kapital noch relativ schwach. Die ausländischen Direktinvestitionen pro Kopf erreichten Ende 2004 rund 800 Euro. In den neuen EU-Mitgliedsländern beträgt der Vergleichswert 2.200 Euro. Kroatien hebt sich von den anderen Ländern der Region deutlich ab: Die FDI pro Kopf liegen mit fast 2.300 Euro sogar über dem Durchschnitt der acht neuen EU-Mitglieder aus Zentral- und Osteuropa (NMS-8). Bulgarien folgt mit 1.100 Euro vor Rumänien mit knapp 700 Euro. Durch die Verschiebung der EU-Beitrittsverhandlungen könnte Kroatien an Attraktivität einbüßen, der Vorsprung könnte schwinden.

Verbesserte Rahmenbedingungen
Um den derzeitigen Kapitalschub aus dem Ausland unabhängig von attraktiven Privatisierungsprojekten aufrecht zu erhalten und den Abstand zu zentraleuropäischen Ländern zu verringern, müssen die Rahmenbedingungen weiter verbessert werden. Viele potenzielle ausländische Investoren zögern noch, die Chancen am südosteuropäischen Markt wahrzunehmen. Gründe sind bestehende Schwachstellen im Bereich öffentliche Verwaltung, Durchsetzbarkeit rechtlicher Ansprüche, von EU-Recht abweichende rechtliche Bestimmungen, Korruption oder das teils noch instabile politische Umfeld. „Die Aussicht auf einen Beitritt zur Europäischen Union stellt für die Länder Südosteuropas einen starken Anreiz zur Fortsetzung der begonnen Wirtschaftsreformen dar. Daher ist mit einer kontinuierlichen Verbesserung der Rahmenbedingungen für ausländische Investoren zu rechnen, die sich in einem anhaltend hohen FDI-Zufluss niederschlagen werden“, so Kager. 2005/2006 erwarten die Volkswirte der BA-CA einen Kapitalzufluss von mehr als 8 Milliarden Euro pro Jahr in die Region.

Insgesamt präsentiert sich der Südosten Europas derzeit als wirtschaftlich besonders attraktive Region. Die Länder am Balkan haben sich zu den wachstumsstärksten Märkten am Kontinent entwickelt. 2004 betrug das Wirtschaftswachstum im Durchschnitt 6,5 Prozent. Damit konnten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Rumänien sowie Serbien und Montenegro deutlich stärker wachsen als die NMS-8, die einen Anstieg des BIP um durchschnittlich 5 Prozent verzeichneten.

1) Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Rumänien, Serbien und Montenegro


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