18.08.2005

Euro-Zug mit zwei Geschwindigkeiten

  • Estland, Litauen und Slowenien schon 2007 in der Eurozone
  • Polen, Tschechen und Ungarn zahlen frühestens ab 2010 mit Euro
  • Zurückhaltende Budgetkonsolidierung größtes Hindernis für eine raschere Erweiterung der Eurozone

Während die neuen EU-Länder Polen, Tschechien und Ungarn voraussichtlich nicht vor 2010 der Eurozone beitreten werden, sind einige der kleineren EU-Mitglieder in Zentral- und Osteuropa auf dem besten Weg, schon Anfang 2007 Mitglied der Währungsunion zu sein. "In weniger als eineinhalb Jahren wird der Euro offizielles Zahlungsmittel in Estland und Litauen sowie in Österreichs Nachbarland Slowenien sein", sagt Marianne Kager, Chefökonomin der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA).

Estland, Litauen und Slowenien erfüllen bereits heute nahezu alle erforderlichen Kriterien für die Aufnahme in die Eurozone (siehe Tabelle): Die Neuverschuldung liegt unter 3 Prozent, die erlaubte öffentliche Gesamtverschuldung von 60 Prozent des BIP wird deutlich unterschritten und die langfristigen Zinsen liegen unter 5,2 Prozent1. Auch der Wechselkurs ist stabil. So haben der slowenische Tolar, die estnische Krone und die litauische Litas, die im Rahmen eines Currency Boards an den Euro gekoppelt sind, die maximal erlaubte Schwankungsbreite von +/-15 Prozent zur Euro-Parität problemlos eingehalten. Lediglich die Inflationsrate derzeit noch die zulässige Grenze von 2,4 Prozent2. Das Kriterium einer mindestens zweijährigen Teilnahme am Wechselkursmechanismus WKM II, dem "Wartezimmer zur Eurozone", wird mit Mitte 2006 erfüllt sein.

Die BA-CA rechnet jedoch damit, dass alle Konvergenzkriterien rechtzeitig erfüllt sein werden, damit der Euro in diesen drei Ländern plangemäß 2007 eingeführt wird. Der Beitritt Lettlands zur Eurozone wird nach Einschätzung der BA-CA-Ökonomen mit 1. Jänner 2008 erfolgen.
 
Hindernis Budgetkonsolidierung
"Für die Gruppe der Nachzügler, also Polen, Tschechien und Ungarn, erwarten wir frühestens 2010 den Beitritt zur Eurozone", meint Chefökonomin Kager. Das Haupthindernis für eine raschere Euroeinführung ist der mangelnde Fortschritt bei der Sanierung der öffentlichen Haushalte. Trotz der Neufassung des Stabilitäts- und Wachstumspakts, wonach die Kosten der Pensionsreform aus dem Budget teilweise defizitmindernd herausgerechnet werden dürfen, werden diese drei Länder die erlaubte Neuverschuldungsgrenze von 3 Prozent des BIP 2005 deutlich überschreiten und sich auch weiterhin nur langsam diesem Ziel nähern. Ebenso wird die Handlungsfähigkeit der Regierungen durch bevorstehende Parlamentswahlen beeinträchtigt. Vor allem in Polen könnte der mögliche Sieg von EU- und Euro-kritischen Kräften auf eine weitere Verzögerung der Euroeinführung hinauslaufen.

Zwischen den Vorreitern und den Nachzüglern reiht sich die Slowakei ein. Im Juni hat die Regierung einen neuen Euro-Fahrplan verabschiedet, der ab Mitte 2006 die Teilnahme am WKM II vorsieht. "Die Slowakei wird die Maastricht-Kriterien mit ziemlicher Sicherheit rechtzeitig erfüllen können, um den Beitritt zur Eurozone 2009 zu schaffen", meint Kager.

Die südosteuropäischen Kandidatenländer liegen bereits gut im Rennen um den Euro. Bulgarien und Rumänien werden - sofern sie die erforderlichen Auflagen erfüllen und möglichst rasch eine Lösung für die derzeitigen innenpolitischen Turbulenzen finden -, noch 2007 der EU beitreten und dann ihre Anstrengungen auf eine baldige Aufnahme in die Währungsunion konzentrieren. Wenn sich die aktuell in der "alten" EU herrschende Krisenstimmung weiter verschärft, könnten allerdings die EU-Beitrittsverhandlungen Kroatiens schwieriger werden. Hinsichtlich der Erfüllung der Maastricht-Kriterien kann Kroatien jedenfalls schon jetzt auf teils gute Eckdaten verweisen.

 Chart zur Presseaussendung

1  per Juli 2005. Der langfristige Nominalzinssatz darf maximal zwei Prozentpunkte über jenem der drei preisstabilsten Länder in der EU (derzeit Finnland, Dänemark und Schweden) liegen.
2  per Juli 2005. Die Inflationsrate darf maximal 1,5 Prozentpunkte über jener der drei preisstabilsten Länder in der EU liegen.

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt, International Press Relations
Edith Holzer, Tel. +43 (0)50505 DW 57126,  E-Mail: edith.holzer@ba-ca.com