03.11.2005

Branchenbericht der BA-CA Konzernvolkswirtschaft:
Österreichs Straßengütertransport befördert weniger Güter

• Konjunkturschwäche und CEE-Konkurrenz dämpfen die Transportleistung
• Branchenumsatz wächst dennoch um etwa 5 Prozent
• Mehr Lkw-Neuzulassungen 2005 belegen ungebrochenen Kunjunkturoptimismus
• Langfristig wird das österreichische Transportgewerbe auch im Inland Marktanteile verlieren

Der Straßengütertransport verbuchte 2004 erstmals seit Jahren Einbußen. Von österreichischen Unternehmen wurden im Vorjahr um 4,7 Prozent weniger Güter als 2003 befördert. Das ist das Ergebnis des jüngsten Branchenberichtes der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) Konzernvolkswirtschaft. In den acht Jahren davor ist das Transportaufkommen auf der Straße um knapp 3 Prozent im Jahr gestiegen. Die Transportleistung, die im selben Zeitraum um durchschnittlich 5 Prozent im Jahr gewachsen ist, war ebenfalls rückläufig. 2004 ist die Transportleistung österreichischer Frächter auf in- und ausländischen Straßen um 1 Prozent auf 39,2 Milliarden Tonnen-Kilometer gesunken.

Maßgeblich für den Rückgang der Transportmenge war die schwache Hochbaukonjunktur und die damit verbundenen Einbußen bei den Baustofflieferungen von insgesamt 7 Prozent. Rund 85 Prozent der transportierten Gütermenge bleiben im Inland, davon sind weit mehr als die Hälfte Baumaterialien, Sand und Schotter. Das Minus des Transportaufkommens im Inland betrug 5,6 Prozent, das Minus der Transportleistung 5,1 Prozent.

Die Transportleistung im grenzüberschreitenden Verkehr, ohne Kabotage minus 0,8 Prozent, blieb ebenfalls unter ihrer langjährigen Entwicklung. „Hier dürfte die wachsende Bedeutung des Handels mit den benachbarten CEE-Ländern eine Rolle spielen“, erklärt Branchenanalyst Günter Wolf, „Einerseits werden die Transportwege kürzer. Andererseits verlieren die heimischen Transporteure Marktanteile vor allem im Verkehr mit den neuen Mitgliedsstaaten.“ Letztendlich hat auch die Bahn im grenzüberschreitenden Verkehr Anteile zurück gewonnen. Die Gütertransportleistung der Bahn ist 2004 um knapp 7 Prozent gestiegen, im grenzüberschreitenden Verkehr noch um rund 6 Prozent.

Für 2005 wird sich die Transportkonjunktur weiter abkühlen. Wesentliche Wachstumsimpulse kommen zwar wieder von der Sachgütererzeugung und vom Außenhandel. Beide Transportnachfrager verlieren aber im Vergleich zu 2004 an Wachstumstempo. Kaum eine Rolle spielen für die Transportkonjunktur, wie schon 2004, der Binnenhandel und die Bauwirtschaft.

Der Branchenumsatz ist trotz des leichten Rückgangs der Transportleistung 2004 um rund 5 Prozent gestiegen. Das Umsatzvolumen im Straßengütertransport und bei den Speditionen erreichte damit jeweils 7,1 Milliarden Euro. „Segmente, die wertschöpfungsintensivere Leistungen anbieten, wie zum Beispiel Kontraktlogistikdienste, haben wahrscheinlich kräftigere Zuwächse verbucht. Dort dürfte auch der Grund für die weiterhin optimistischen Konjunkturerwartungen im Transportgewerbe zu finden sein“, sagt Wolf. Die Wachstumsabkühlung hat die Investitionsneigung der Unternehmen bisher kaum gebremst. Der Investitionsüberhang aus dem Rekordjahr 2004 als die Unternehmen Lkw orderten und bezahlten, um die Investitionsprämie zu lukrieren, die Fahrzeuge aber erst 2005 anmeldeten, dürfte nach den ersten Monaten nicht mehr ins Gewicht gefallen sein. Die Lkw-Neuzulassungen sind dennoch bis zum September 2005 um mehr als 11 Prozent gestiegen. Ab 2006, spätestens 2007, wird der Investitionsboom in einen zyklischen Abschwung münden.

In Zukunft wird der Wettbewerbsdruck nicht nur im grenzüberschreitenden Transport sondern auch im Binnenverkehr zunehmen, besonders nach 2009, wenn die Kabotage-Regelungen für die Transportunternehmen aus den neuen Beitrittsländern auslaufen. Insgesamt ist mit einem Rückgang der Marktanteile am Transportaufkommen in Österreich von derzeit etwa 80 Prozent auf unter 70 Prozent zu rechnen, vor allem zugunsten osteuropäischer Frächter. Sie werden noch auf Jahre hinaus von einem Lohnkostenkostenniveau profitieren, das um rund zwei Drittel unter dem deutschen und österreichischen Niveau liegt. Voraussichtlich werden die Kosten der neuen Konkurrenten frühestens in zehn Jahren das westeuropäische Niveau erreichen.

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt Pressestelle Österreich
Tiemon Kiesenhofer, Tel. +43 (0)5 05 05 DW 52819;
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