08.07.2005

Wiener Börse: Wenig Spielraum offen

  • Jahresendziel bei maximal 3.150 Punkten
  • ATX noch immer günstig bewertet, wenngleich teurer als Euro STOXX 50 und DAX
  • Anschläge in London lösen Nervosität aus

Aus dem ATX scheint vorläufig die Luft draußen zu sein. Das zuletzt genannte Jahresendziel von 3.000 Punkten wurde bereits im ersten Halbjahr erreicht, für das zweite Halbjahr sehen die Analysten der Bank Austria Creditanstalt nur mehr wenig Impulse. Durch die Terror-Anschläge in London ändert sich an den Bewertungen aus fundamentaler Sicht nichts, jedoch sind die Märkte hochgradig nervös. "Die Marktteilnehmer haben die lauernden Gefahren schon beinahe verdrängt. Jetzt wurde aber wieder deutlich, dass jederzeit ein Anschlag möglich ist", kommentiert Alfred Reisenberger, Chefanalyst Aktien Österreich der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) die Situation.

An ihrer Einschätzung des Wiener Marktes ändern die Analysten der Bank Austria Creditanstalt auf Grund der Vorkommnisse in London vorläufig nichts. Reisenberger glaubt nicht, dass der ATX bis Jahresende über 3.150 Punkte hinaus steigen wird. Kurzfristig wird der Markt belastet bleiben.

Die börsenotierten Unternehmen verdienen weiterhin gut, aber mit positiven Überraschungen ist momentan nicht zu rechnen: die Daten sind alle bekannt. Einzig für die OMV sehen die BA-CA-Analysten die Möglichkeit eines weiteren Wertzuwachses auf Grund des steigenden Ölpreises. Die Entwicklung des Gesamtmarktes im zweiten Halbjahr prognostizieren die Analysten aber keineswegs negativ, da der bisher starke US-Dollar den Markt unterstützt. Laut Reisenberger profitieren davon speziell OMV, Semperit, Wienerberger und RHI. Es bleibt nun abzuwarten, wie sich die Währungen nach den Terror-Anschlägen mittelfristig entwickeln werden.

ATX trotz Prämie günstig, Gewinndynamik nimmt ab
Der ATX weist nach wie vor eine bessere Kursentwicklung als die westeuropäischen Leitindizes auf. Auch wenn das Kurs-Gewinn-Verhältnis höher ist, bleibt die Bewertung des ATX günstig. „Fairer Weise müssten wir den ATX aber auch mit den osteuropäischen Börsen vergleichen, zu denen sich Wien parallel entwickelt hat“, erinnert Reisenberger.

Das erwartete Gewinnwachstum der österreichischen Unternehmen liegt bis Ende 2005 bei 25,5% und somit im europäischen Schnitt. Die Gewinndynamik wird im Jahr 2006 deutlich abnehmen, aber im zweistelligen Bereich bleiben.

Empfehlungen:
Sowohl der Markt als auch die Empfehlungen sind bei einem absoluten Rekordniveau angekommen. Die Kaufliste der BA-CA-Analysten ist daher kürzer geworden. Einige Titel haben mittlerweile ihr Kursziel erreicht und wurden auf Hold herabgestuft, wie Andritz, EVN und Palfinger.

Als besonders attraktiv werden Semperit, Böhler-Uddeholm, voestalpine und Agrana bewertet. AT&S, austriamicrosystems, OMV, Telekom Austria, Verbund, Wienerberger und Wiener Städtische bleiben weiterhin eine Kaufempfehlung.
Bet & Win wurde in der Erstanalyse auf Sell gesetzt.


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