23.03.2005

Ostbörsen im Höhenflug, aber Volatilität steigt

  • Schwächeres Weltwirtschaftswachstum und steigende US-Zinsen als Belastungsfaktoren
  • Anhaltender Wachstumsvorsprung vor Westeuropa und sinkende Inflation mildern Rückschlagsgefahr
  • Wachsendes Interesse für Kapitalmärkte in Süd-Ost-Europa

Portfolio-Investitionen in Zentral- und Osteuropa (CEE) zählten in den vergangenen Jahren weltweit zu den Anlagen mit der besten Performance. Aktien aus dieser Region legten in den letzten drei Jahren durchschnittlich um fast 30% jährlich zu, Eurobonds von Emittenten der Region um 11% und Anleihen in lokaler Währung um 7%. In der vergangenen Woche kam es allerdings zu einer Korrektur, und zwar quer durch alle Anlageformen und Währungen der Region. "Diese Korrektur war ein Weckruf für Investoren in Zentral- und Osteuropa, dass Wertpapier- und Wechselkurse sich nicht nur in eine Richtung bewegen", stellte Peter Szopo, Leiter des Markets Research der Bank Austria Creditanstalt, fest.

Trotz der positiven Wirtschaftsentwicklung in Zentral- und Osteuropa sehen sich Portfolioinvestoren vor allem aufgrund globaler Entwicklungen neuen Herausforderungen gegenüber. Eine Reihe von Faktoren, die im letzten Jahr das Investitionsklima positiv beeinflussten, sorgt heuer für Gegenwind:

  • Das Weltwirtschaftswachstum, 2004 auf einem 30-Jahreshoch, wird sich verlangsamen, das Wachstum in Euroland bleibt hinter den Erwartungen zurück;
  • die US-Zinsen, im Vorjahr noch im expansiven Bereich, werden weiter steigen, vermutlich gefolgt von einer Zinsanhebung der EZB; und
  • die Bereitschaft der Investoren, riskantere Anlagen wie Aktien und Rentenwerte in Emerging Markets zu halten, könnte einen Dämpfer bekommen.

Keine Trendwende, aber steigende Volatilität 
In der Region selbst überwiegen die positiven Entwicklungen: Der Wachstumsvorsprung gegenüber Euroland beträgt zwischen zwei und vier Prozentpunkten, die Inflation wird in den meisten Ländern im Jahresverlauf zurückgehen, und die fiskalischen sowie außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte entspannen sich tendenziell. Hinzu kommt, dass sich Zentral- und Osteuropa im europäischen Kontext als dynamische Wachstums- und Reformzone mit attraktiven Lohn- und Steuervorteilen präsentiert, die seit der EU-Erweiterung zunehmend als Standort für westeuropäische Konzerne an Bedeutung gewinnt.

Gleichzeitig hat sich in den letzten Monaten die Sektorkonsolidierung innerhalb der Region beschleunigt: Unternehmen aus Tschechien, Polen und Ungarn (wie CEZ, MOL, Matav, OTP, PKN) expandieren durch Akquisitionen in Zentral- und Osteuropa, vor allem aber im Süden und Osten.

Korrektur der Aktienmärkte sollte nur temporär sein
Die fundamentalen Rahmenbedingungen in Zentral- und Osteuropa stellen sich zwar konstruktiv dar, aber Investoren müssen mit politisch (Wahlen in Polen und Bulgarien, Turbulenzen in Tschechien) und wirtschaftspolitisch (Zinspolitik) verursachter Volatilität rechnen. Kurzfristig könnte der Druck auf die lokalen Währungen anhalten. Bei den Eurobonds besteht unmittelbar Spielraum für eine weitere Verringerung der Spreads, weitere US-Zinsanhebungen könnten jedoch im Laufe des Jahres zu einer Neubewertung von Kreditrisiken in Emerging Markets führen.

Auf den Aktienmärkten in Zentral- und Osteuropa gab es in der Vorwoche den ersten - allerdings geringen - Kapitalabfluss seitens internationaler Portfolio-Investoren in diesem Jahr. Der Gesamtzufluss im bisherigen Jahresverlauf bleibt dennoch über USD 2 Mrd. Nach den überraschend hohen Kursgewinnen seit Jahresbeginn kommt eine Phase der Konsolidierung nicht unerwartet, zumal sich der Bewertungsabstand zu Westeuropa in den vergangenen zwölf Monaten deutlich verringerte bzw. im Falle Tschechiens sogar umkehrte.

Angesichts der zufrieden stellenden gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Dynamik des Unternehmenssektors ist laut Szopo ein längerfristiger Rückgang der CEE-Aktienindizes wenig wahrscheinlich. Generell ist festzustellen, dass durch Börsengänge in Polen und Russland sowie durch das wachsende Interesse für Süd-Ost-Europa (Bulgarien, Rumänien, Ukraine) das Anlagespektrum der regionalen Fonds laufend wächst, wodurch mit weiterem Kapitalzustrom zu rechnen ist.

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt  International Markets
Veronika Fischer-Rief, Tel.: +43-50505 DW 82833;
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