20.01.2010

CEE-Analyse der UniCredit Group:
CEE-Haushalte stehen vor Herausforderungen

  • Höhere Arbeitslosigkeit und langsamerer Lohnzuwachs belasten die Haushalte
  • Rückläufiger Konsum, dafür höhere Sparneigung

Nach Jahren mit solidem Lohnzuwachs und rasch steigendem Lebensstandard hat sich die Situation der Haushalte in Zentral- und Osteuropa (CEE) in jüngster Zeit merklich verschlechtert. "Die Haushalte haben auf die Krise mit rückläufigem Konsum und höherer Sparneigung reagiert, trotz geringerem Sparpotential", erklärt Federico Ghizzoni, Leiter der CEE Banking Division, UniCredit Group.

"Die Krise hat zu Höchstständen bei der Arbeitslosigkeit und verlangsamten Lohn- und Gehaltszuwächsen geführt, was eine temporäre Umkehrung des Verlaufs der Einkommenskonvergenz mit sich brachte", fügt Debora Revoltella, Leiterin CEE Strategic Analysis der UniCredit Group, hinzu. Revoltella bezieht sich auf die von der Bank erstellte Studie "CEE Households' Wealth and Debt Monitor", die heute in Wien vorgestellt wurde.

Die gestiegenen finanziellen Belastungen der CEE-Haushalte haben das Konsumentenvertrauen gedämpft und das Ausgabenverhalten beeinflusst. Nach der Pleite von Lehman Brothers sahen sich die Haushalte gezwungen, ihre Ausgaben an nun wesentlich trübere Wirtschaftsaussichten und steigende Schuldendienstquoten anzupassen. "Die ungewisse Gehalts- und Beschäftigungsentwicklung bildet zusammen mit der restriktiveren Kreditvergabe die Hauptfaktoren für die Anpassung des Konsumverhaltens der CEE-Haushalte", so Revoltella.

Finanzvermögen der CEE-Haushalte haben sich erholt
Geringerer Konsum und niedrige Schulden führen zu einer höheren Sparneigung. Trotz einer enttäuschenden Einkommensentwicklung haben sich die Nettofinanzersparnisse nach dem Tiefpunkt im Jahr 2008 im Jahr 2009 wieder erholt, unter anderem auch dank einiger positiver Impulse von den Kapitalmärkten und höherer Einlagenzinsen.

Vollständige Wiederherstellung des Vertrauens der Haushalte
könnte noch eine Weile dauern

 

Es wird erwartet, dass sich auf regionaler Ebene die Finanzvermögen der Haushalte im letzten Jahr mit einem Anstieg von über 12% (nach -5,5 % in 2008) erholt haben und 44% des BIP erreichen (2008: 33%). Unterstützt wurde diese Entwicklung durch attraktive Renditen auf Bankeinlagen und die gute Performance der lokalen Anleihenmärkte. Auch die Rallye an den Aktienmärkten hat zum Wertanstieg der CEE-Haushalts-Vermögen beigetragen. Angeführt wurde die Wende von der Türkei und Ungarn, gemeinsam mit Rumänien und der Tschechischen Republik, aber auch die anderen CEE-Finanzmärkte erzielten ein starkes Ergebnis.

Finanzsparquote der Haushalte (in % des BIP)

Maßgeschneiderte Lösungen um gestiegene Arbeitslosigkeit und langsamere Lohnsteigerungen zu bewältigen
Unter den herrschenden Umständen ist eine nur moderate Erholung des Kreditwachstums bei den Haushalten zu erwarten, wobei sowohl Nachfrage- wie auch Angebotsfaktoren eine Rolle spielen. "Die Kreditqualität wird eine Herausforderung für die Banken bleiben", sagt Revoltella. "Wir erwarten gegen Ende 2010 einen Höhepunkt bei den notleidenden Aktiva in diesem Segment."

Dennoch hat der Markt nach wie vor langfristiges Potenzial, vor allem was Hypotheken betrifft. Kurzfristig werden jedoch die gestiegene Arbeitslosigkeit, langsamere Gehaltszuwächse und höhere Verschuldungsraten die Nachfrage nach Wohnungsimmobilien dämpfen. "Gerade in dieser kritischen Phase haben wir weiterhin Kredite vergeben und unsere Kunden unterstützt, indem wir ihnen halfen, ihre finanziellen Probleme mit maßgeschneiderten Lösungen in den Griff zu bekommen", erläutert Federico Ghizzoni. Die UniCredit Group hat Kunden, die ihren Job verloren oder mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, Speziallösungen angeboten, um ihre Kredite umzustrukturieren und damit das monatliche Kostenmanagement zu erleichtern. Die Lösungen umfassten eine Verlängerung der Kreditlaufzeiten, die Gewährung zahlungsfreier Perioden sowie die Reduzierung von Ratenzahlungen auf ein erträgliches Maß.

Außerdem hatten viele CEE-Tochterunternehmen der UniCredit noch vor dem Kollaps von Lehman Brothers eine Kreditversicherung für Hypothekarschuldner abgeschlossen, so dass die Kunden die Gewissheit hatten, auch nach einem Verlust des Arbeitsplatzes ihr Eigentum nicht zu verlieren. Dieses Angebot einer Kreditversicherung wurde inzwischen in vielen Tochterunternehmen noch ausgebaut und erweitert. Mit Blick in die Zukunft ist die Lage der CEE-Haushalte zwar angespannter als in den vergangenen Jahren, doch durch eine Kombination verschiedener Faktoren – Maßnahmen der Banken zur Unterstützung ihrer Kunden sowie steigende Sparquoten – konnte der Schaden für Einzelpersonen und Familien begrenzt werden. Es wird wohl auch 2010 noch stürmisch bleiben, bevor sich die Wogen endgültig glätten. 

Erwartung eines etwas nachlassenden Drucks auf die Arbeitsmärkte, ausgenommen in SEE


 

 Tabelle (PDF; 78 KB)
 Präsentation, englische Version (PDF; 281 KB)

Über UniCredit Group
Die Bank Austria ist innerhalb der UniCredit Group für Zentral- und Osteuropa verantwortlich. Die UniCredit Group ist ein großes internationales Finanzinstitut mit starken Wurzeln in 22 Ländern Europas sowie Repräsentanzen in 27 weiteren Märkten, mit rund 10.000 Filialen und mehr als 166.000 Mitarbeitern per 30 September 2009.

In der Region Zentral- und Osteuropa betreibt UniCredit das größte internationale Bankennetzwerk mit rund 4.000 Geschäftsstellen.

Derzeit ist die Gruppe in folgenden CEE Ländern vertreten: Aserbaidschan, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Estland, Kasachstan, Kroatien, Kirgisistan, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Türkei, Ungarn und Ukraine.

Rückfragen: Bank Austria International Media Relations
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