23.04.2010

Branchenbericht der Bank Austria Volkswirtschaft:
Reiselust erholt sich 2010 nur wenig

  • Österreichs Fremdenverkehr verliert 2009 3 Prozent vom Umsatz, gewinnt aber Marktanteile zurück
  • 2010 bleibt die Tourismusnachfrage schwach und die Einnahmen werden nochmals um etwa 2 Prozent sinken
  • Der Fremdenverkehr bleibt auch in Zukunft konkurrenzfähig und wird relativ hohe Wachstumsraten erzielen, weitere Marktanteilsverluste sind dennoch unvermeidlich

Nach vier wachstumsstarken Tourismusjahren fand die Erfolgsgeschichte des heimischen Fremdenverkehrs 2009 ein Ende. Im Rezessionsjahr belastete die schwache, zum Teil rückläufige Konsumnachfrage die Reisebereitschaft in allen wichtigen Herkunftsmärkten. Das ist ein zentrales Ergebnis des jüngsten Branchenberichts der Bank Austria Volkswirtschaft. Trotzdem verbuchte der Fremdenverkehr mit einem Nachfragerückgang von knapp 1 Prozent und Umsatzeinbußen von etwa 3 Prozent auf 22 Milliarden Euro im internationalen Vergleich ein zufriedenstellendes Ergebnis. Unter dem Strich konnte das Urlaubsland Österreich damit sogar Marktanteile am globalen Touristenstrom zurückgewinnen.

"Insgesamt ist die Zahl der Reisen deutlich gesunken. Allerdings wurden viele Fernreisen durch kürzere Aufenthalte in nahen Destinationen ersetzt", sagt Bank Austria Ökonom Günter Wolf, "In diesem Umfeld erwies sich die Konzentration des heimischen Fremdenverkehrs auf nahe gelegene Zielmärkte beziehungsweise auf inländische Urlauber als ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil." In Summe wurden 2009 nur um 2,6 Prozent weniger Gästeankünfte aus dem Ausland verbucht, ein im internationalen Vergleich moderates Minus. Weltweit ist die Zahl der internationalen Gästeankünfte um 4 Prozent gesunken, in Europa um sogar um rund 6 Prozent. Die Bilanz 2009 blieb dennoch negativ, mit einem Rückgang der Zahl in- und ausländischer Gäste von knapp 1 Prozent, der Gästeübernachtungen von 2 Prozent und der Tourismuseinnahmen von 3 Prozent.

Für 2010 kann nur mit einer schwachen Erholung des Fremdenverkehrs gerechnet werden. Die ersten Ergebnisse für die im April zu Ende gehende Wintersaison bestätigen die Erwartungen für das laufende Jahr, dass Österreichs Reiseverkehrseinnahmen nochmals leicht, um etwa 2 Prozent nominell, schrumpfen werden. Die Branche leidet unter dem wahrscheinlichen Nachfragerückgang von Seiten ausländischer Gäste als Folge der schwachen Konjunkturerholung in Westeuropa. Vor allem fehlt die Nachfrage aus Deutschland. "Erst 2011 sollten in den wichtigsten Zielmärkten die Einkommen, die Konsumnachfrage und in weiterer Folge auch die Lust aufs Reisen wieder steigen und dem österreichischen Fremdenverkehr wieder zu leichten Einnahmenzuwächsen verhelfen", meint Branchenexperte Wolf.

Während der internationale Tourismus rasch auf sein Wachstumsniveau von 3 bis 4 Prozent mehr Gästeankünften im Jahr zurückkehrt, fällt die Erholung in Europa und in Österreich etwas schwächer aus. Auch wenn Österreich in Zukunft weitere Anteile am internationalen Gästestrom verliert, bleibt das Land eines der beliebtesten Reiseziele Europas. "Der Fremdenverkehr zählt in Österreich zu den überdurchschnittlich dynamischen Branchen", so Studienautor Günter Wolf, "Im langfristigen Vergleich ist nicht nur die Zahl der Beschäftigten sondern auch die Wertschöpfung rascher als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt gestiegen." Die Branche ist konkurrenzfähig. Sie verfügt über eine weitgehend einzigartige Angebotspalette und konnte darüber hinaus das Angebot höchst erfolgreich an die sich verändernde Nachfrage anpassen. So hat sich mit der sukzessiven Verbesserung der Qualität das Preis-Leistungsverhältnis verbessert und es sind die Nachfrage nach höheren Qualitäten und die Einnahmen pro Übernachtung gestiegen. Letztendlich wurden die Beherbergungskapazitäten besser ausgelastet ohne diese nennenswert verringern zu müssen. Die Zahl gewerblicher Beherbergungsbetriebe ist in den letzten 25 Jahren immerhin um knapp 40 Prozent auf 17.000 Betriebe gesunken, die Zahl der Betten nur um 9 Prozent. Damit ist die Bettenauslastung von 29 Prozent am Tiefpunkt Mitte der 80er Jahre bis auf 37 Prozent 2009 gestiegen.

Rückfragen: Bank Austria Pressestelle Österreich
Tiemon Kiesenhofer, Tel. +43 (0) 50505 - 52819
E-Mail: tiemon.kiesenhofer@unicreditgroup.at

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