29.11.2010

Bank Austria EinkaufsManagerIndex im November:
Industrie hält Wachstumskurs

  • Bank Austria EinkaufsManagerIndex im November leicht gesunken, doch kräftiges Wachstum setzt sich fort
  • Starker Auftragszuwachs lässt Auftragspolster anwachsen 
  • Beschäftigung steigt wieder, Arbeitsstunden und Produktion vorläufig noch stärker
  • Verteuerung bei Rohstoffen sorgt für beschleunigten Preisauftrieb
  • Industriewachstum 2010 mit 6 Prozent erwartet - schwächere Dynamik 2011

Die günstige Industriekonjunktur setzt sich fort. "Der Bank Austria Einkaufsmanagerindex ist zwar im November geringfügig auf 55,2 Punkte gegenüber 56 im Vormonat gesunken, doch damit ist weiterhin ein überdurchschnittlich kräftiges Wachstumstempo der österreichischen Industrie angezeigt", meint Bank Austria Chefökomom Stefan Bruckbauer. Der Index notiert nun bereits seit zwölf Monaten ununterbrochen über dem Schwellenwert von 50 Punkten, ab dem eine Expansion im Sektor im Vergleich zum Vormonat signalisiert wird. Der aktuelle Indikator ist zwar spürbar hinter die Rekordwerte des Sommers zurückgefallen, liegt aber weiterhin erheblich über dem langjährigen Durchschnitt. "Die aktuelle Umfrage unter Österreichs Industriebetrieben zeigt eine anhaltend kräftige Aufwärtstendenz, getrieben durch robuste Auftragszuwächse. Zunehmende Auftragspolster und steigende Lieferzeiten weisen auf Kapazitätsengpässe hin, neue Jobs werden daher geschaffen. Stark steigende Kosten im Einkauf belasten allerdings die günstigen Rahmenbedingungen", so Bruckbauer.  

"Das Tempo der Produktionsausweitung hat im November etwas nachgelassen, bleibt aber hoch. Dafür ist die robuste Aufwärtsentwicklung des Neugeschäfts verantwortlich, wobei das kräftige Nachfragewachstum nach österreichischen Erzeugnissen aus dem Ausland gegenüber dem Vormonat sogar noch leicht zugelegt hat", sagt Bruckbauer. Insbesondere der starke Erholungskurs der deutschen Wirtschaft verschafft der heimischen Industrie enormen Rückenwind, sodass sich die Auftragspolster seit mittlerweile einem Jahr ohne Unterbrechung erhöhen.

Der im November beschleunigte Anstieg der Auftragsbestände ist ein deutliches Indiz dafür, dass die heimische Industrie dank der anhaltenden Nachfrageerholung mehr und mehr an Kapazitätsgrenzen stösst. Auch die Verlängerung der Lieferzeiten bedingt durch Engpässe bei zahlreichen Rohstoffen und manchen Vorprodukten zeigt, dass die Anpassung der Produktionsbedingungen an die deutlich wachsende Nachfrage noch etwas vorsichtig erfolgt. In der österreichische Industrie vollzieht sich jedoch bereits ein kräftiger Beschäftigungsaufbau. "Seit mittlerweile acht Monaten werden neue Jobs in der Verarbeitenden Industrie geschaffen. Nach dem Rückgang im Krisenverlauf um über 7 Prozent ist die Beschäftigung im Sektor seit dem Tiefststand um den Jahreswechsel 2009/2010 um etwas mehr als 1 Prozent gestiegen", so Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Diesem Beschäftigungsanstieg steht eine Produktionszunahme seit dem Tiefpunkt von sogar rund 10 Prozent real gegenüber. Dieses Missverhältnis erklärt sich nicht nur durch die verhaltenere Anpassung der Beschäftigung an den Produktionseinbruch von rund 18 Prozent real in der Krise, sondern auch durch die Entwicklung des Arbeitsstundenvolumens. Die geleisteten Arbeitsstunden sind während der Krise als Folge der Kurzarbeitsregelungen rasant gesunken und zwar mit bis zu 12 Prozent erheblich stärker als die Beschäftigung. Seit dem Tiefpunkt haben die geleisteten Arbeitsstunden bereits wieder um über 6 Prozent zugenommen, denn nur noch wenige Beschäftigte befinden sich in Kurzarbeit. In den kommenden Monaten ist daher davon auszugehen, dass sich Beschäftigung und geleistete Arbeitsstunden in der Industrie wieder relativ paralell zueinander entwickeln und dabei dem Produktionstrend weitgehend folgen werden.

Der derzeit günstige Aktionsrahmen für die heimische Industrie wird immer stärker von der Aufwärtsentwicklung der Einkaufspreise belastet. "Wegen der Verteuerung zahlreicher Vormaterialien und Rohstoffe beschleunigte sich der Anstieg der Einkaufspreise gegenüber dem Vormonat deutlich. Aufgrund des starken Wettbewerbs war es jedoch nicht möglich die höheren Kosten vollständig auf die Verkaufspreise überzuwälzen, folglich haben sich die Preiskonditionen für die heimsichen Industriebetriebe abermals verschlechtert, das fünfzehnte Monat in Folge", hält Pudschedl fest.

Der hohe Novemberwert des Bank Austria EinkaufsManagerIndex zeigt, dass sich die Industriekonjunktur weiterhin sehr günstig entwickelt. Der Rückgang zum Vormonat weist darauf hin, dass der verläufige Höhepunkt der Dynamik jedoch bereits überschritten zu sein scheint. "Der Aufwärtstrend im Sektor wird in den kommenden Monaten etwas an Schwung verlieren. 2011 wird das Wachstum der Industrie aufgrund der nachlassenden globalen Erholung etwas hinter dem Anstieg um rund 6 Prozent im laufenden Jahr zurückbleiben", erwartet Bruckbauer.

"Nach der erheblichen Auflockerung 2010 wird sich die Stahlindustrie mit überdurchschnittlichem Wachstum bereits 2011 vom vergangenen Krisenjahr erholen können. Kaum langsamer, nur zeitlich etwas verzögert, wird im kommenden Jahr die Metallwarenerzeugung und der Maschinenbau abschneiden", so Bruckbauer. Der Ausblick für die Elektroindustrie ist nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria dagegen bedingt durch die hohe Abhängigkeit dieser Branche von der Baukonjunktur vergleichsweise verhalten.

Anmerkung: Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum gegenüber dem Vormonat hin, Notierungen unter 50,0 signalisieren einen Rückgang. Je weiter die Werte von 50,0 entfernt sind, desto größer sind die Wachstums- bzw. Schrumpfungstendenzen. Diese Aussendung enthält die Originaldaten aus der Monatsumfrage unter Einkaufsleitern der Industrie Österreichs, die von der Bank Austria gesponsert und unter der Schirmherrschaft des ÖPWZ seit Oktober 1998 von Markit Economics durchgeführt wird.

 

Grafiken und Tabellen

 

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel. 05 05 05 DW 41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at