29.07.2010

Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Juli:
Österreichs Industrieproduktion hält derzeit mit Nachfrage nicht Schritt

  • Bank Austria EinkaufsManagerIndex bereits seit fünf Monaten über 60 Punkte
  • Produktionsleistung steigt seit einem Jahr
  • Industrieerholung kommt am Arbeitsmarkt an: Beschleunigter Jobaufbau im Juli
  • Steigende Auftragspolster, längere Lieferzeiten und Lagertrends deuten auf zunehmende Kapazitätsengpässe hin
  • Aktuell hohe Dynamik hält zumindest bis in den Spätherbst, Industriekonjunktur verliert danach an Tempo, trägt aber weiter die gesamtwirtschaftliche Erholung

Die österreichische Industrie behält den im April aufgenommenen Schwung über den Sommer bei. "Mit einem Wert von 58,9 befindet sich der Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Juli auf Augenhöhe zum Vormonat und nur wenig unter dem Rekordniveau vom April dieses Jahres. Der zunehmende Strom an Neubestellungen lässt die Auftragspolster wachsen. Längere Lieferzeiten und Preisanstiege deuten auf Kapazitätsengpässe hin, die einer noch stärkeren Ankurbelung der Produktion entgegenstehen. Die laufende starke Geschäftsausweitung bringt der Industrie derzeit wieder viele der im Vorjahr verloren gegangenen Jobs zurück", umreisst Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer die aktuelle Lage im heimischen Produktionssektor.

Bereits seit fast einem Jahr verspürt die österreichische Industrie wieder Aufwind, der im Frühjahr merklich beschleunigt und diesen Sommer eine Rekordstärke erreicht hat. "Der Index für die Produktionsleistung ist im Juli zwar geringfügig gegenüber dem Vormonat zurückgegangen, erreicht mit 60,2 Punkten dennoch einen der höchsten jemals gemessenen Werte. In den vergangenen fünf Monaten lag der Produktionsindex stets über der 60er-Marke. Eine so lange anhaltende, dynamische Expansionsphase ist in der zwölfjährigen Geschichte des Bank Austria EinkaufsManagerIndex einzigartig", sagt Bruckbauer.

Die laufende Erholung der Industrie schlägt sich mittlerweile am Arbeitsmarkt überraschend deutlich nieder. "Die anfängliche Vorsicht ist einer steigenden Zuversicht über die weiteren Geschäftsaussichten gewichen. Die Betriebe stellen daher bereits seit vier Monaten wieder neue Beschäftigte ein. Im Juli hat sich der Jobaufbau gemäß der Umfrage unter den Einkaufsmanagern sogar nochmals beschleunigt", so Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl, "Leiharbeitern wird aus Gründen der Flexibilität oft der Vorzug gegeben, ein Hinweis auf noch bestehende Konjunktursorgen."

Kapazitätsdruck durch hohe Nachfragedynamik
Sorgen über die Nachhaltigkeit der laufenden Erholung bremsen noch den Aufwärtstrend der heimischen Industrie. Viele Lieferanten sind auf die seit mehr als einem Jahr und seit Februar 2010 noch dazu besonders rasch steigenden Volumina an Neuaufträgen nicht vorbereitet. Die Lieferzeiten für bestellte Rohstoffe und Vormaterialien verlängerten sich erneut deutlich. Die Einkaufsmengen nahmen wegen der beschränkten Verfügbarkeit vieler Vormaterialien, darunter Metalle, Chemikalien und elektronische Komponenten, nur verlangsamt zu. "Die von vielen Betrieben in der aktuellen Umfrage beklagten Lieferschwierigkeiten verhinderten einen stärkeren Aufbau der Vormateriallager und ließen den Rückstand an unerledigten Aufträgen im Juli rasant zunehmen. Auch die fortgesetzte Verringerung der Lagerbestände an Fertigwaren ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die österreichische Industrie bei der Anpassung ihrer Kapazitäten an das dynamische Konjunkturumfeld vorsichtig agiert und daher mit der kräftig wachsenden Nachfrage derzeit nicht ganz Schritt halten kann", meint Pudschedl.

Die meisten Teilergebnisse des Bank Austria EinkaufsManagerIndex zeigen im Juli einen Tick nach unten, wenn auch nahe den Allzeithöchstwerten. Der kräftige Rückenwind für die heimischen Produktionsbetriebe wird zwar noch einige Zeit anhalten, die ersten Vorboten, dass das derzeit eingeschlagene Tempo nicht bis zum Jahresende gehalten werden kann, sind jedoch damit angekommen. Zudem hat sich das Verhältnis zwischen Auftragseingänge und Lagerhaltung, ein bisher sehr verlässlicher Indikator für die weitere Industriekonjunktur, im Juli verschlechtert und liegt bereits deutlich hinter den Rekordwerten rund um den Jahreswechsel 2009/2010 zurück. Die Bremseffekte des Lagerzyklus und der weltweit auslaufenden Fiskalprogramme dämpfen mittelfristig die Wachstumsaussichten der Industrie. "Der produzierende Sektor, insbesondere der exportorientierte Bereich, wird seinen Aufwärtstrend im laufenden Jahr fortsetzen können, wenn auch bald mit merkbar reduziertem Tempo. Unsere aktuelle Prognose zeigt mit einem erwarteten Zuwachs um 4 Prozent real im Jahr 2010 angesichts der hohen Dynamik in den Sommermonaten das unterste Ende des Prognosespektrums an", ist Bruckbauer überzeugt. Die Industrie wird das mit Abstand kräftigste Wachstum aller Wirtschaftssektoren Österreichs aufweisen und ist damit 2010 der bestimmende Träger der Konjunkturerholung.

 Tabellen (PDF; 68 KB)

Anmerkung: Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum gegenüber dem Vormonat hin, Notierungen unter 50,0 signalisieren einen Rückgang. Je weiter die Werte von 50,0 entfernt sind, desto größer sind die Wachstums- bzw. Schrumpfungstendenzen. Diese Aussendung enthält die Originaldaten aus der Monatsumfrage unter Einkaufsleitern der Industrie Österreichs, die von der Bank Austria gesponsert und unter der Schirmherrschaft des ÖPWZ seit Oktober 1998 von Markit Economics durchgeführt wird.

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
 Walter Pudschedl, Tel. +43 (0) 50505 - 41957
 E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at

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