15.03.2010

Bank Austria Konjunkturindikator:
Konjunkturerholung setzt sich im Frühling fort

  • Bank Austria Konjunkturindikator beschleunigt Aufwärtstrend im Februar
  • Österreichs Konsumenten optimistischer als der europäische Durchschnitt
  • Inflation steigt im Jahresverlauf 2010 nicht mehr an
  • Wachstumsaussichten mittelfristig begrenzt – BIP-Prognose unverändert bei 1,3 Prozent für 2010 und 1,4 Prozent für 2011

Die positiven Konjunktursignale haben sich in den vergangenen Wochen verstärkt. "Die aktuelle Datenlage weist darauf hin, dass die Erholung der österreichischen Wirtschaft zu Frühlingsbeginn an Beständigkeit gewinnt und das angeschlagene Tempo weiter halten kann", meint der Chefökonom der Bank Austria Stefan Bruckbauer. Die kontinuierliche Verbesserung des wirtschaftlichen Umfelds seit dem Konjunkturtiefpunkt knapp vor Jahresmitte 2009 hat sich sogar etwas zu beschleunigen begonnen. "Der aktuelle Bank Austria Konjunkturindikator ist deutlich von 0,6 im Vormonat auf einen Wert von 1,1 gestiegen und gibt damit ein klares Wachstumssignal für die österreichische Wirtschaft vor. Die Aufwärtsbewegung des Indikators hält bereits seit zehn Monaten an und in den vergangenen drei Monaten zeigten sogar alle Komponenten durchgehend nach oben", so Bruckbauer weiter. Noch nie in seiner mehr als 20jährigen Geschichte hat der Bank Austria Konjunkturindikator eine so lange, ununterbrochene Aufwärtsentwicklung vollzogen. Trotz des vorhergehend stärksten Wirtschaftseinbruchs seit dem 2. Weltkrieg ist ein solch robuster Verbesserungstrend nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria nicht selbstverständlich.

Besonders kräftig zum Auftrieb des Bank Austria Konjunkturindikators hat die überraschend günstige Entwicklung der Verbraucherstimmung beigetragen. Die heimischen Konsumenten gehen trotz der angespannten, wenn auch tendenziell wieder etwas günstigeren Lage am Arbeitsmarkt mit mehr Zuversicht ins Frühjahr. "Die österreichischen Konsumenten sind in deutlich besserer Kauflaune als der europäische Durchschnitt. Daran hat bisher auch die Diskussion um die eventuelle Erhöhung von Verbrauchssteuern nichts geändert", meint Bruckbauer. Auch die Stimmung in der österreichischen Industrie hat sich unterstützt durch die günstigere Auftragsentwicklung stark aufgehellt. Dies ist angesichts des verhaltenen, uneinheitlichen Trends auf europäischer Ebene auf den ersten Blick überraschend. Die Zuversicht im Durchschnitt der Industrie der Eurozone konnte aufgrund steigender wirtschaftlicher Risiken in einigen Ländern an der Peripherie nur wenig zulegen. Der von den Ökonomen der Bank Austria errechnete, mit dem heimischen Außenhandel gewichtete für Österreich maßgebliche Indikator zeigt dagegen dank der weiteren Verbesserung in den wichtigsten Exportmärkten Deutschland und Italien weit kräftiger nach oben. Die Stimmung in der heimischen Wirtschaft verbessert sich derzeit überdurchschnittlich stark und bewegt sich nun wieder auf dem Niveau vom Spätsommer des Jahres 2008 als sich angesichts der aufziehenden dunklen Wolken am österreichischen Konjunkturhimmel die Geschäftsaussichten rasant einzutrüben begannen.

Aufgrund der günstigen Entwicklung der Stimmungsindikatoren und der bislang vorliegenden soliden Daten gehen die Ökonomen der Bank Austria davon aus, dass sich die heimische Wirtschaft im ersten Quartal 2010 weiter auf Expansionskurs befunden hat. "Nach dem Anstieg des BIP um 0,4 Prozent mit Jahresende zum Vorquartal hat die österreichische Wirtschaft in den ersten Monaten des laufenden Jahres die Dynamik sogar weitgehend beibehalten können. Wir gehen von einem Wirtschaftswachstum um zumindest 0,3 Prozent aus", meint Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Der Außenhandel war dank der globalen Konjunkturklimaerwärmung der bestimmende Träger des Wachstums zu Jahresbeginn 2010. Die exportorientierte Industrie hat davon profitieren können, zumal die Schwächung des Euro gegenüber dem Vorquartal um durchschnittlich 6 Prozent zum US-Dollar die Auslandsnachfrage unterstützte. Auch der private Konsum ist weiterhin stabiler Baustein der anhaltenden Erholung. Die Stabilisierung der Lage am Arbeitsmarkt gibt den Rückhalt, um das niedrige Zinsniveau und den harten Preiswettbewerb zu nutzen. Während der öffentliche Sektor die Konjunktur noch stärkte, war die private Investitionstätigkeit zwar weiter zurückhaltend, dürfte zu Jahresbeginn jedoch eine merkliche Trendverbesserung erfahren haben.

Stabile Inflation
Angesichts der stabilen, aber eher verhaltenen Konjunkturerholung sind Sorgen über einen baldigen und starken Inflationsanstieg nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria unbegründet. Nach dem geringfügigen Anstieg der Jahresinflation zum Jahresbeginn auf 1,2 Prozent zum Vorjahr ist auch für Februar und den folgenden Monaten eine Teuerung in ähnlicher Höhe  zu erwarten. Der bestimmende Einfluss auf die Inflationsentwicklung geht weiterhin von der Entwicklung der Rohstoffpreise aus. "Unter der Annahme eines nur leicht steigenden Ölpreises von durchschnittlich 75 auf 85 USD pro Barrel und eines gegenüber 2009 im Jahresdurchschnitt kaum veränderten Wechselkursverhältnisses zwischen Euro und US-Dollar  wird die Inflation im Jahresmittel 2010 nur 1,2 Prozent betragen. Für 2011 ist ein moderater Aufwärtstrend aufgrund der etwas stärkeren Konjunktur auf 2 Prozent zu erwarten. Das Risiko eines deutlichen Anspringens der Inflation halten wir jedoch mittelfristig für sehr gering", meint Pudschedl. Nach Ansicht der Ökonomen der Bank Austria liegen die zwei wesentlichen Bedingungen für zukünftig stark steigende Preise nicht vor. Zum einen ist die Güternachfrage noch zu gering und trifft auf Anbieter, die auf ausreichend unausgelastete Kapazitäten zurückgreifen können. Zum anderen müsste sich zuviel Geld im Umlauf befinden. Die von den Notenbanken zur Verfügung gestellte Liquidität wird nun jedoch wieder eingesammelt. Die Zentralbanken beginnen mit einer Straffung der Geldpolitik und somit kommt kein zusätzliches Geld in Umlauf, das die Inflation antreiben könnte.

Wachstum bleibt mittelfristig verhalten
Der kontinuierliche Aufwärtstrend des Bank Austria Konjunkturindikators ist ein klares Indiz für die Fortsetzung der Konjunkturerholung in Österreich. Ein kräftiger Aufwärtstrend, der nach dem scharfen Einbruch des Vorjahres notwendig wäre, um das verlorene wirtschaftliche Terrain rasch wieder aufzuholen, ist jedoch auch durch die aktuelle Beschleunigung des Indikators nicht angezeigt. Das derzeit angeschlagene Tempo dürfte jedoch mit nur relativ geringen Abstrichen weiter anhalten. Damit sind für den weiteren Jahresverlauf Wachstumsraten von 0,3 bis 0,4 Prozent zum Vorquartal wahrscheinlich. "Für das Gesamtjahr 2010 bleibt unsere BIP-Prognose unverändert bei 1,3 Prozent. Angesichts der limitierenden Faktoren für alle Nachfragekomponenten ist auch mittelfristig von keiner maßgeblichen Beschleunigung der Dynamik auszugehen. Wir rechnen für 2011 mit einem Anstieg des BIP um 1,4 Prozent", fasst Bruckbauer die Wachstumseinschätzung der Ökonomen der Bank Austria zusammen. Die Auslandsnachfrage wird angesichts des erwarteten Abbaus der weltweiten außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte mittelfristig kein starker Wachstumsträger mehr sein können. Während der private Konsum durch die angespannte Lage am Arbeitsmarkt noch längere Zeit belastet sein wird und die Investitionstätigkeit u.a. wegen des noch unzureichenden Auslastungsgrads der Unternehmen zurückhaltend bleiben wird, sind vor allem von der öffentlichen Seite, die für die laufende Belebung der Konjunktur gesorgt hat, keine frischen Wachstumsimpuls zu erwarten. Die Bestrebungen zur Rückführung der gestiegenen Budgetdefizite und der Abbau der Verschuldung werden in den kommenden Jahren den konjunkturpolitischen Spielraum der öffentlichen Hand eng begrenzen. Insgesamt bedeutet dies, dass unter den gegebenen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen mittelfristig für Österreichs Wirtschaft keine maßgeblichen Faktoren für eine höhere Wachstumsdynamik auszumachen sind.

 Tabellen (PDF; 136 KB)

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel. +43(0) 50505 - 41957
E-Mail: Walter.Pudschedl@unicreditgroup.at

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