15.01.2010

Bank Austria Konjunkturindikator:
Gemischte Erholungsgefühle zum Jahresbeginn

  • Bank Austria Konjunkturindikator nach 14 Monaten wieder im Plus
  • Konjunkturmotor verliert im Frühjahr an Drehzahl, Erholung geht aber weiter
  • Moderates BIP-Wachstum 2010 mit 1,3 Prozent und 2011 mit 1,4 Prozent erwartet
  • Teuerung bleibt moderat, Inflationsrisiken überschaubar

Die österreichische Wirtschaft startet unter weiter verbesserten Rahmenbedingungen ins neue Jahr. "Durch die anhaltende Klimakorrektur in der Industrie und unter den Konsumenten stieg der Bank Austria Konjunkturindikator zum Jahresausklang 2009 auf einen Wert von 0,2 an. Nach einer stetigen Aufwärtsbewegung seit dem April vorigen Jahres liegt der Indikator damit erstmals seit vierzehn Monaten wieder im Plusbereich", erklärt der Chefökonom der Bank Austria Stefan Bruckbauer, ”Der Konjunkturmotor läuft sich warm, die österreichische Wirtschaft hat bereits etwas Fahrt aufgenommen."

Im Detail hat sich die Zuversicht unter den heimischen Konsumenten kräftig aufgehellt. Nach dem dramatischen Einbruch in der Krise wird nun bereits fast wieder der langjährige Stimmungsdurchschnitt erreicht. Die in den vergangenen Wochen erkennbaren Stabilisierungssignale am Arbeitsmarkt haben die günstigere Beurteilung des wirtschaftlichen Umfelds durch die Konsumenten bewirkt.  Dem langsamen Anziehen der Inflation und den auch dadurch zurückhaltenden Lohnaussichten für 2010 messen die Verbraucher vorerst noch eine geringere Bedeutung bei. Die Stimmungsverbesserung in der heimischen Industrie nach dem Tiefpunkt im Frühjahr hat sich mittlerweile zwar etwas abgeflacht, doch der Trend zeigt weiterhin stetig nach oben. Dies wird durch den anhaltenden Aufwind in der internationalen Industrie unterstützt. In fast allen Ländern der Eurozone steigt das Stimmungsbarometer.

Die Belebung der internationalen Nachfrage, insbesondere aus dem asiatischen Raum, wirkt. "Neben der bereits seit längerem beobachtbaren Stimmungsverbesserung bei unseren Haupthandelspartnern Deutschland und Italien macht sich zunehmend nun auch die Stimmungsverbesserung in Ost- und Mitteleuropa positiv für Österreich bemerkbar", meint Helmut Bernkopf, Bank Austria Vorstand Corporates & Investment Banking. "Auf breiter Linie zeigt sich derzeit ein freundlicheres wirtschaftliches Umfeld. Sowohl unter den Konsumenten als auch in der nationalen und internationalen Industrie schwindet die lange Zeit vorherrschende pessimistische Grundhaltung. Das stärkt unsere Einschätzung, dass der Konjunkturmotor in den kommenden Monaten auch nicht wieder absterben wird", ergänzt Bruckbauer.

Zaghafte Konjunktur
Auf Basis der bisher vorliegenden Daten gelang es nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria, im Schlussquartal 2009 das relativ hohe Tempo zu halten, mit dem die wirtschaftliche Erholung im Herbst eingesetzt hatte. "Wir schätzen das Wirtschaftswachstum im 4. Quartal 2009 auf 0,5 Prozent zum Vorquartal. Bald fehlt es jedoch an den notwendigen Treibstoffen, um die aktuelle Drehzahl auch über das Frühjahr 2010 hinaus beibehalten zu können", so Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Das Comeback des Exports als Antriebskraft wird sich nach Auslaufen der weltweiten staatlichen Konjunkturprogramme zurückhaltender fortsetzen. Der jüngste Rückgang der Auftragseingänge sowohl in der europäischen als auch der österreichischen Industrie ist dafür ein erstes Anzeichen. Neue Wachstumsträger sind zudem vorerst nicht auszumachen.

Die niedrige Kapazitätsauslastung der Unternehmen sowie eine vorsichtigere Risikoeinschätzung der Wirtschaftsakteure werden das Investitionsverhalten in den kommenden Monaten negativ beeinflussen.  "Die Überkapazitäten und die noch immer vorhandene Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung macht sich auch bei der Kreditnachfrage bemerkbar, seit Monaten stagniert das Firmenkreditvolumen während die Einlagen von Firmen weiterhin leicht steigen", sagt Helmut Bernkopf, Bank Austria Vorstand Corporates & Investment Banking. Die Investitionszurückhaltung wird sich daher im Jahresverlauf 2010 nur wenig mildern. Hinzu kommt die anhaltend schwierige Lage am Arbeitsmarkt, die sich im laufenden Jahr in einem weiteren Anstieg der Arbeitslosenquote und einem Rückgang der Beschäftigung zeigen wird. Dies wird die Dynamik des privaten Konsums längerfristig dämpfen. Die private Konsumnachfrage wird daher 2010 nur wenig Treibstoff für den österreichischen Konjunkturmotor liefern. "Nach dem Rückgang des BIP um 3,8 Prozent im vorigen Jahr, gehen wir für 2010 von einem moderaten Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent aus, das sich im kommenden Jahr nur wenig auf 1,4 Prozent erhöhen wird", erwartet Pudschedl einen zähen, aber soliden Erholungsverlauf.

Inflation steigt noch etwas an
Der Anstieg der Teuerung im Dezember 2009 auf 1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist abermals eine Folge des Auslaufens bzw. mittlerweile der Umkehr des inflationsdämpfenden Effekts der Energiepreise im vergangenen Jahr. Die jüngste Aufwärtsbewegung des Preisniveaus wird sich zu Jahresbeginn 2010 noch fortsetzen, wobei der bestimmende Faktor weiterhin die Erdölpreisentwicklung sein wird. Auch in den kommenden Monaten ist mit einem Erdölpreis zu rechnen, der über dem Vorjahresniveau liegen wird, daher ist eine weitere leichte und tendenziell abnehmende Beschleunigung der Inflation auf Werte zwischen 1,1 bis zu 1,5 Prozent im Jahresvergleich zu erwarten.

Auch für das Gesamtjahr 2010 ist unter der Annahme eines insgesamt nur relativ leichten Ölpreisanstiegs von moderaten Inflationserwartungen auszugehen. "Wir erwarten für 2010 eine Teuerung von durchschnittlich nur 1,2 Prozent, wobei das Risiko dabei jedoch eher nach oben gerichtet ist", meint Bruckbauer, "Das Risiko von beunruhigend hohen Inflationsraten oder gar einer Hyperinflation ist gering, da nachfrageseitig aufgrund der begrenzten Konjunkturaussichten, dem weiterhin stark belasteten Arbeitsmarkt sowie eher zurückhaltender Lohnsteigerungen nur wenig Preisdruck zu erwarten ist." 2011 werden, angesichts eines erwarteten Anstiegs des durchschnittlichen Ölpreises auf über 100 USD pro Barrel gegenüber 85 USD 2010, die Energiepreise die Inflation wieder etwas kräftiger nach oben heben. Zudem sollten die günstigeren Wachstumsaussichten und die gegen Ende 2010 einsetzende Trendwende am Arbeitsmarkt einen etwas stärkeren Druck auf die Preise ausüben. Mit durchschnittlich 2 Prozent wird die Teuerung 2011 in Österreich dennoch keinen Anlass zur Beunruhigung geben.

 charts (PDF; 72 KB)

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel. 05 05 05 DW 41957
E-Mail: Walter.Pudschedl@unicreditgroup.at

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