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08.06.2020

UniCredit Bank Austria Volkswirtschaft Bundesländeranalyse 2019 und Ausblick 2020:
Nach einer Wachstumsabschwächung 2019 führt die Corona-Krise in allen Bundesländern 2020 zu einem deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung

  • Die Steiermark war 2019 mit einem Wirtschaftswachstum von 2 Prozent Österreichs dynamischste Region 
  • Die Bundesländer mit stärkerer Dienstleistungsorientierung liegen im Wachstumsvorderfeld, da sie von der Eintrübung des globalen Handels weniger betroffen wurden als Industriehochburgen
  • Die Arbeitslosigkeit verringerte sich 2019 das dritte Jahr in Folge in allen Bundesländern 
  • Aussichten 2020: Die Corona-Krise verursacht einen Einbruch der österreichischen Wirtschaft um rund 9 Prozent, mit größeren Nachteilen für tourismusorientierte Bundesländer 
  • Deutlicher Anstieg der Arbeitslosenquote 2020 auf fast 11 Prozent in Österreich mit einer Spannbreite von knapp über 7,5 Prozent in Oberösterreich bis 15 Prozent in Wien 

2019 verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum in Österreich von 2,4 Prozent 2018 auf 1,6 Prozent. Die Schwäche des globalen Handels beeinträchtigte den heimischen Außenhandel. Für Unterstützung sorgten dagegen der kräftige private Konsum dank steigender Reallöhne und fiskalischer Impulse sowie die Investitionen, die von einer starken Bautätigkeit profitierten. 

„In allen Bundesländern hat sich 2019 das ungünstige Konjunkturumfeld in einer zum Teil beträchtlichen Verlangsamung des Wirtschaftswachstums gegenüber 2018 niedergeschlagen. Insbesondere die Industrie wurde in den einzelnen Regionen vom globalen Abschwung stark getroffen. Die anhaltende Stärke des Inlandskonsums und ein ausgezeichnetes Tourismusjahr sorgten dagegen für robuste Unterstützung der Dienstleistungsbranchen“, sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. 

Steiermark 2019 an der Wachstumsspitze
„Insgesamt bevorzugte das Wachstumsmuster des Jahres 2019 die stärker dienstleistungsorientierten Bundesländer, die sich auch im Vorderfeld des regionalen Wachstumsrankings finden. Dagegen haben die Bundesländer mit einem hohen Industrieanteil zumeist nur einen unterdurchschnittlichen Anstieg der Wirtschaftsleistung erreicht. Diesem allgemeinen Trend zum Trotz hat die traditionelle Industriehochburg Steiermark mit 2,0 Prozent 2019 das stärkste Wachstum aller österreichischen Bundesländer verzeichnen können“, so Bruckbauer. 
Die Steiermark profitierte dabei von einer Sonderkonjunktur im Fahrzeugbau, der guten Baukonjunktur und der hohen Nachfrage nach verkehrs- und unternehmensnahen Dienstleistungen. Die Bundesländer Salzburg und Wien, deren Stärke vor allem im Dienstleistungsbereich liegt, konnten ebenfalls ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum von jeweils 1,8 Prozent erzielen. Die Tiroler Wirtschaft wuchs 2019 im bundesweiten Durchschnitt von 1,6 Prozent, gestützt unter anderem auf eine hohe Dynamik im Tourismus. Die Industrieregionen Oberösterreich (+1,5 Prozent), Vorarlberg (+1,4 Prozent) sowie Kärnten und Niederösterreich mit jeweils 1,2 Prozent verzeichneten dagegen ein etwas schwächeres Wirtschaftswachstum als der Durchschnitt. In diesen Bundesländern haben international tätige Unternehmen ihren Sitz, die von der Eintrübung der globalen Konjunktur besonders betroffen waren. Das Schlusslicht bildete 2019 das Burgenland mit einem Anstieg der regionalen Wirtschaftsleistung um geschätzte 1,1 Prozent, gebremst durch die Schwäche der regionalen Industrie. 

Dienstleistungssektor stützte 2019 das Wachstum in allen Bundesländern
Die Stärke des Konsums unterstützt von realen Lohnsteigerungen, dem hohen Beschäftigungswachstum und fiskalischen Impulsen bescherte dem Dienstleistungssektor in Österreich mit einem Anstieg der realen Wertschöpfung von 1,8 Prozent eine höhere Dynamik als in den Vorjahren. Der Dienstleistungssektor, dessen Anteil an der Wertschöpfung österreichweit fast 70 Prozent beträgt, wuchs damit auch stärker als die Gesamtwirtschaft und lieferte in allen Bundesländern den mit Abstand wichtigsten Wachstumsbeitrag. Insgesamt sorgten die Dienstleistungen gestützt auf den starken privaten Konsum im Österreichdurchschnitt für fast drei Viertel des Wirtschaftswachstums. „In allen Bundesländern verzeichnete die Verkehrswirtschaft starke Zuwächse. Der Tourismus war vor allem im Osten Österreichs aufgrund hoher Zunahmen bei den Übernachtungen sehr dynamisch. Insgesamt sorgten die Dienstleistungen in Wien, Niederösterreich und in Salzburg für die stärksten Wachstumsimpulse. In Kärnten war der positive Einfluss am geringsten“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Robert Schwarz. 

Bauwirtschaft mit Schwung vor allem im Hochbau 
Die Konjunktur in der Bauwirtschaft war 2019 mit einem Anstieg der realen Wertschöpfung um 2,5 Prozent erneut von einer hohen Dynamik gekennzeichnet, obwohl sie verglichen mit den Jahren 2017 und 2018 an Schwung verloren hat. Dennoch sorgte der Bau, der österreichweit einen Anteil an der Wertschöpfung von 6,5 Prozent hält, für einen Beitrag am Wirtschaftswachstum von beinahe 10 Prozent. Der Wohnungsbau und in dessen Windschatten das Baugewerbe zeigten ein besonders hohes Wachstumstempo. In den Bundesländern war die Baukonjunktur vor allem in Niederösterreich, Kärnten und Tirol sehr schwungvoll. Nur in Vorarlberg gab es am Bau leichte Einbußen. 

Abschwung der globalen Konjunktur dämpfte Industriedynamik 
Die exportorientierten Industriebetriebe Österreichs haben die Abschwächung des globalen Handels im Jahr 2019 deutlich gespürt, zumal sich das Wachstum der österreichischen Warenexporte auf 2,5 Prozent halbierte. Auf Bundesländerebene konnten Wien, die Steiermark und Tirol einen klar überdurchschnittlich hohen Zuwachs erzielen. Am unteren Ende des Exportrankings liegt Kärnten. Das südlichste Bundesland musste als einzige Region einen Rückgang der Ausfuhren verzeichnen. 

Nach einem erfreulichen Anstieg der realen Wertschöpfung um 5,1 Prozent im Jahr 2018 verringerte sich das Wachstum der Industrie 2019 auf 1 Prozent. Von der Eintrübung der Industriekonjunktur waren alle Bundesländer betroffen. Besonders stark war die Verlangsamung in Kärnten und in Niederösterreich zu spüren. Relativ robust zeigte sich die Industrie in Salzburg und Vorarlberg. „Trotz der Abschwächung war die Sachgüterindustrie 2019 in fast allen Bundesländern eine wichtige Wachstumsstütze. Insbesondere in den traditionellen Industriehochburgen Steiermark, Oberösterreich und Vorarlberg sorgte der Sektor für positive Impulse. Nur im Burgenland und in Niederösterreich konnte die Industrie keinen positiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten“, so Schwarz. 

Ausblick 2020: Massiver Konjunktureinbruch in allen Bundesländern 
Infolge der Corona-Krise ist für das Jahr 2020 von einem deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung in Österreich von rund 9 Prozent auszugehen. Die Auswirkungen der Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus werden alle österreichischen Bundesländer stark spüren. Der Rückgang der Wertschöpfung wird voraussichtlich viel stärker ausfallen als während der Finanzkrise 2008/2009. Im Unterschied zur Finanzkrise, von der industrieorientierte Bundesländer überdurchschnittlich betroffen waren, sind in der Corona-Krise für die Tourismushochburgen stärkere Einbußen zu erwarten. 

„Tirol wird im Gesamtjahr 2020 von allen österreichischen Bundesländern mit rund 12 Prozent voraussichtlich den stärksten Rückgang der Wirtschaftsleistung erleiden. Der hohe Tourismusanteil und die starke Fokussierung auf ausländische Gäste werden auch in Salzburg und in Vorarlberg zu zweistelligen Wirtschaftseinbußen führen. Dagegen sollte in Wien und im Burgenland der Rückgang weniger stark ausfallen“, erwartet Schwarz. 

Die Vorarlberger Wirtschaft ist durch den hohen Industrieanteil von der Unterbrechung der globalen Wertschöpfungsketten besonders stark betroffen. Die Industriehochburgen Oberösterreich, Steiermark, aber auch Niederösterreich und Kärnten leiden ebenfalls unter der angebotsseitigen Störung der Wirtschaft. Der Konjunktureinbruch in diesen Bundesländern wird nach Einschätzung der Ökonomen der UniCredit Bank Austria etwas über oder rund um 9 Prozent liegen, zumal der Tourismus in Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark eine deutlich geringere Bedeutung für die Gesamtwirtschaft aufweist und darüber hinaus vorwiegend auf Inländer ausgerichtet ist. In der Bundeshauptstadt Wien und im Burgenland nimmt der öffentliche Dienst eine wichtige Stellung ein, dessen Wirtschaftsleistung weniger abhängig von der Konjunktur ist. Aufgrund der Internationalität der Wienbesucher und der großen Bedeutung des Kongresstourismus werden sich die Nächtigungszahlen in Wien jedoch voraussichtlich fast halbieren. In Wien und im Burgenland wird der Rückgang der Wirtschaftsleistung zwar unter dem Durchschnitt liegen, mit 8 bzw. 7,5 Prozent dennoch in historischen Dimensionen liegen.

Sinkende Arbeitslosenquote 2019, doch abrupte Trendumkehr durch Corona-Krise 
Das dritte Jahr in Folge nahm 2019 in allen Bundesländern die Arbeitslosenquote ab. Das Tempo des Rückgangs hat sich mit der schwächeren Konjunkturdynamik des Vorjahres jedoch verlangsamt. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote betrug im Vorjahr in Österreich 7,4 Prozent nach 7,7 Prozent 2018. Die unterschiedliche sektorale Entwicklung beeinflusste den regionalen Trend am Arbeitsmarkt. In der Bauwirtschaft und im Tourismus sank die Arbeitslosenzahl besonders stark, während der Rückgang in der Industrie deutlich geringer war als 2018. Davon profitierten der Arbeitsmarkt in Tirol und Salzburg besonders stark. Tirol wies mit 4,5 Prozent erneut die niedrigste Arbeitslosenquote Österreichs auf, während Wien trotz eines deutlichen Rückgangs mit 11,7 Prozent weiterhin die mit Abstand höchste Quote aller Bundesländer verzeichnete. 

„Die Corona-Krise schlägt sich in allen Bundesländern bereits in einer deutlichen Verschlechterung der Lage am Arbeitsmarkt nieder. Wir gehen von einem Anstieg der Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2020 in Österreich von 7,4 auf rund 11 Prozent aus. Während Wien mit 15 Prozent unverändert das Schlusslicht bilden wird, sollte Oberösterreich trotz eines Anstiegs auf über 7 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote aller Bundesländer aufweisen, da der bisherige Leader, die Tourismushochburg Tirol, die relativ stärkste Steigerung der Arbeitslosigkeit verkraften wird müssen“, sagt Schwarz. 

Tabellen

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UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Robert Schwarz, Tel. +43 (0) 50505 - 41974;
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