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15.05.2020

UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator:
Nach Tiefpunkt im April leichte konjunkturelle Verbesserung im Mai und Juni zu erwarten

  • Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator fällt im April auf ein Tief von minus 3,1 Punkten
  • Die Lockerung des Lockdowns ermöglicht eine schrittweise Erholung aus dem Konjunkturtal im April, dennoch ist ein zweistelliger Einbruch der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal zu erwarten
  • Eine konjunkturelle Gegenbewegung im zweiten Halbjahr wird den Wirtschaftsrückgang 2020 auf 9 Prozent in Österreich begrenzen 
  • Trotz eines BIP-Anstiegs um 8 Prozent 2021 wird die österreichische Wirtschaft voraussichtlich erst Mitte 2022 die Einbußen durch die Corona-Krise aufgeholt haben
  •  Konsum- und Investitionszurückhaltung und fehlende Nachfrageimpulse aus dem Ausland sowie die Gefahr eines Wiederauflebens der Pandemie stehen einer sehr raschen Erholung entgegen 
  • Am Arbeitsmarkt wurde der Belastungshöhepunkt im April voraussichtlich erreicht, aber keine rasche Verbesserung zu erwarten
  • Inflation fällt im Jahresdurchschnitt 2020 unter 1 Prozent im Jahresvergleich, übersteigt aber weiter deutlich jene im Euroraum 

Nach dem deutlichen Rückgang im März hat sich die Konjunkturstimmung in Österreich im April infolge des Lockdowns noch stärker eingetrübt. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator verringerte sich von 0,6 Punkten im April auf minus 3,1 Punkte. Das ist der mit großem Abstand stärkste Rückgang in der knapp dreißigjährigen Geschichte der Indikatorberechnung innerhalb eines Monats auf den niedrigsten jemals gemessenen Wert. Damit ist die Konjunkturstimmung in Österreich infolge des Lockdowns auch spürbar schlechter als während der Finanzkrise 2009“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. 

Im März war die Verschlechterung der Konjunkturstimmung noch auf vom Export abhängigen Wirtschaftsbereiche konzentriert, da diese unter der Unterbrechung der globalen Wertschöpfungsketten durch Quarantänemaßnahmen in China litten. Im April zeigten durch die Maßnahmen zur Vermeidung der Ausbreitung des Coronavirus in Österreich selbst alle Wirtschaftssektoren eine starke Betroffenheit. „Alle Komponenten haben sich im April verschlechtert und den UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator weiter nach unten gezogen. Den stärksten Einfluss hatte der drastische Einbruch der Stimmung im Dienstleistungssektor. Fast 50 Prozent des Rückgangs war diesem Bereich geschuldet“, so Bruckbauer. 

Besonders starke Betroffenheit im Dienstleistungssektor 
Die Stimmung im Dienstleistungssektor sackte aufgrund der notwendigen Geschäftsschließungen auf den niedrigsten Wert seit der Berechnung des Indikators ab. Im Gegensatz zu üblichen Konjunkturschwankungen war somit nicht die Entwicklung der Nachfrage für den raschen Stimmungsumschwung der Dienstleister ausschlaggebend. Daher läuft auch die Stimmung der Verbraucher dem Trend im Dienstleistungssektor nicht wie im Normalfall voraus, sondern aktuell etwas hinterher. Noch im März waren die österreichischen Konsumenten optimistisch. Erst mit den spürbaren Auswirkungen des Lockdown auf den Arbeitsmarkt schlug die Stimmung um. Das Verbrauchervertrauen liegt jedoch noch klar über den Rekordtiefstständen während der Finanzkrise. 

Auch am Bau hat die gute Stimmung erst im April durch die verordnete Schließung von Baustellen abrupt gedreht. Angesichts voller Auftragsbücher und der bereits begonnenen Lockerung der Beschränkungen unterschreitet die Stimmung am Bau nur geringfügig den langjährigen Durchschnitt. 

Weniger stark als während der Finanzkrise ist auch die Stimmung in der heimischen Industrie gesunken. Die schwachen optimistischen Signale zu Jahresbeginn sind mittlerweile einer starken Verunsicherung gewichen, da neben den Schwierigkeiten am Heimmarkt auch die massive Verschlechterung des Exportumfelds die Geschäftsaussichten belastet. Der mit den österreichischen Handelsanteilen gewichtete Indikator für die internationale Industriestimmung ist auf den bisher niedrigsten errechneten Wert gesunken, was auf die schwerwiegenden Folgen der Wirtschaftsbeschränkungen infolge der Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus in Europa und den USA zurückzuführen ist. 

„Gemessen an den Stimmungsindikatoren spürt der Dienstleistungsbereich die Folgen der Corona-Krise am stärksten. Die stark exportorientierte Industrie leidet, wenn auch etwas weniger stark als die Dienstleister, unter der Doppelbelastung des heimischem und der internationalen Lockdowns. Die Bauwirtschaft ist dank der bereits im April erfolgten ersten Lockerungen und der weiter gut gefüllten Auftragsbücher relativ am geringsten belastet“, meint Bruckbauer. 

Erstes Halbjahr 2020 mit BIP-Rückgang über 10 Prozent im Jahresvergleich erwartet
Nach einem guten Start ins Jahr 2020 kam es durch den Lockdown ab Mitte März zu einem abrupten und massiven Einbruch der österreichischen Wirtschaft. In diesen beiden Märzwochen sank die Wirtschaftsleistung auf rund 75 Prozent des Normalniveaus und löste damit einen Rückgang des BIP im ersten Quartal 2020 um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal aus. Durch den Lockdown, der im Verlauf des Aprils nicht nennenswert gelockert wurde, ist die Wirtschaftsleistung in diesem Monat ebenfalls auf dem tiefen Niveau der letzten beiden März-Wochen gelegen. „Die allmähliche Lockerung der Maßnahmen mit der schrittweisen Öffnung einiger Bereiche der Wirtschaft lässt nach dem Tiefpunkt im April für Mai und Juni eine leichte konjunkturelle Verbesserung erwarten. Im zweiten Quartal wird allerdings insgesamt die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Jahresbeginn zweistellig sinken. Im ersten Halbjahr 2020 wird sich daher voraussichtlich ein Rückgang des BIP um etwas mehr als 10 Prozent im Jahresvergleich ergeben“, erwartet UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. 

Für das zweite Halbjahr 2020 ist eine Erholung in Sicht. Die hohen Wachstumszahlen von über 7 Prozent gegenüber den jeweiligen Vorquartalen sind jedoch unter dem Eindruck des scharfen Einbruchs davor zu sehen. Weiterhin werden wirtschaftliche Beschränkungen und Abstandregelungen in Österreich bestehen und auch der Außenhandel wird durch unterschiedliche Sicherheitsmaßnahmen auf den Exportmärkten noch nicht voll auf Touren kommen. „Die Wirtschaftsleistung wird zum Jahresende 2020 angesichts eines Rückgangs des BIP im Jahresdurchschnitt von rund 9 Prozent daher nur rund 95 Prozent des realen Niveaus vor Ausbruch der Corona-Krise Ende des Vorjahres erreichen. Pro Einwohner wird damit das BIP um rund 4.000 Euro geringer sein als 2019“, so Pudschedl. 

Die Ökonomen der UniCredit Bank Austria erwarten für das kommende Jahr ein Wirtschaftswachstum von knapp 8 Prozent unter der Annahme, dass es zu keiner zweiten Infektionswelle kommt. Damit wird die österreichische Wirtschaftsleistung Ende 2021 noch unter dem Vorkrisenniveau liegen, da die Erholung auch ohne Wiederaufleben der Pandemie nicht mit Höchstgeschwindigkeit erfolgen dürfte. 

Trotz der Lockerung der Sicherungsmaßnahmen und der Öffnung der Geschäfte mit der Möglichkeit, alle Dienstleistungen wieder anbieten zu können, wird die hohe Verunsicherung sowie die durch Abstandhaltung und Maskenpflicht gekennzeichneten Rahmenbedingungen die Nachfragedynamik anhaltend bremsen. Nach kurzfristigen positiven Nachholeffekten wird vor allem der private Konsum bedingt durch die angespannte Lage am Arbeitsmarkt nur langsam zum Vorkrisenniveau aufschließen können. 

Ähnliches, wenn auch etwas weniger stark, gilt auch für die Investitionsbereitschaft der heimischen Unternehmen. Zwar werden unausweichliche Ersatzinvestitionen getätigt werden, aber Erweiterungsinvestitionen werden in diesem unsicheren und verhaltenen Nachfrageumfeld, dem voraussichtlich auch die starken Impulse aus dem Ausland fehlen werden, vorerst nur auf Sicht erfolgen. Damit nimmt das Risiko zu, dass statt eines optimistischen V-förmigen Erholungsszenarios – sowieso nur mit einem deutlich flacher verlaufenden zweiten (Aufwärts-)Teil – eine U-förmige Konjunkturentwicklung der österreichischen Wirtschaft wahrscheinlicher wird, selbst bei gutem Verlauf der Infektionszahlen. 

„Neben der Fortsetzung der expansiven Geldpolitik durch die EZB ist nun die Zeit gekommen, volle Konzentration auf ein umfangreiches und kluges staatliches Konjunkturprogramm zu legen, idealerweise koordiniert im europäischen Verbund. Der direkten Ankurbelung der Nachfrage muss in dieser Phase Priorität vor liquiditäts- und ertragssichernden Maßnahmen für Unternehmen eingeräumt werden“, meint Bruckbauer zum erwarteten Nachfragestau beim Hochfahren der österreichischen Wirtschaft und ergänzt: „Diskussionen über Defizithöhen müssen aktuell in den Hintergrund treten, zumal die kluge Kanalisierung von öffentlichen Investitionen in innovative und klimafreundliche Bereiche durch eine nachhaltige Steigerung des Potenzialwachstums der österreichischen Wirtschaft einen zwischenzeitlichen Anstieg der Verschuldung von alleine lösen würde.“ 

Arbeitslosenquote 2020 mit durchschnittlich fast 11 Prozent erwartet
Nach einem guten Start ins Jahr ist mit dem wirtschaftlichen Stillstand schlagartig ab März die Arbeitslosigkeit in Österreich massiv gestiegen. Im April hat die Arbeitslosenquote mit 12,8 Prozent ein Allzeithoch erreicht. Mit der schrittweisen Lockerung der Maßnahmen sowie der Wiederaufnahme der Tätigkeit auf den Baustellen und der Öffnung von Geschäften dürfte der Höhepunkt mittlerweile bereits überschritten worden sein. 

„Wir erwarten nach dem Höhepunkt der Belastung durch die Corona-Krise am Arbeitsmarkt im April infolge der schrittweisen Lockerung des Lockdowns eine allmähliche Verringerung der Arbeitslosigkeit in Österreich in den kommenden Monaten. Allerdings ist angesichts des nachfragebedingten unvollkommenen Erholungstempos keine rasche Rückkehr auf das Vorkrisenniveau zu erwarten. Nach durchschnittlich fast 11 Prozent im Jahr 2020 gehen wir für 2021 von einer Arbeitslosenquote von rund 8 Prozent aus“, so Pudschedl. Um einen ununterbrochenen Rückgang der Arbeitslosenquote in Österreich zu gewährleisten, könnte sich angesichts von über 1,2 Millionen Menschen in Kurzarbeit nach Einschätzung der Ökonomen der UniCredit Bank Austria eine Verlängerung der Kurzarbeitsregelung über die derzeitige Anspruchsdauer von zwei mal drei Monaten hinaus als sinnvoll und bei Auftreten einer zweiten Infektionswelle ab Herbst 2020 als unumgänglich erweisen. 

Inflation im Sinkflug
Im ersten Quartal 2020 hat die durchschnittliche Teuerung in Österreich 1,9 Prozent betragen, wobei insbesondere der Preisverfall von Rohöl für eine sinkende Tendenz sorgte. Der Abwärtstrend sollte sich in den kommenden Monaten weiter fortsetzen. Neben dem niedrigen Ölpreis, der sich unter anderem auf die Treibstoffpreise niederschlägt, wird die zurückhaltende Entwicklung der Nachfrage für eine mäßige Preisdynamik in Österreich unter der 1 Prozent-Marke voraussichtlich im gesamten Jahresverlauf 2020 sorgen. „Wir erwarten nach der Teuerung von 1,5 Prozent im Vorjahr bedingt durch die Auswirkungen der Corona-Krise auf Rohstoffpreise und Nachfrage einen Rückgang der Teuerung auf 0,9 Prozent im Jahresvergleich im Jahresdurchschnitt 2020. Mit der wieder etwas stärkeren Nachfragedynamik dürfte sich die Inflation 2021 auf 1,9 Prozent beschleunigen“, meint Pudschedl. Damit wird die Inflation in Österreich erneut spürbar höher als im europäischen Durchschnitt sein. Die Ökonomen der UniCredit Bank Austria prognostizieren eine Teuerung von 0,3 bzw. 1,2 Prozent für den Euroraum.

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Rückfragen
UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria 
Walter Pudschedl, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at