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05.05.2020

UniCredit Bank Austria Branchenentwicklung:
Corona-Krise verschont nur wenige Wirtschaftsbereiche

  • Die UniCredit Bank Austria Ökonomen erwarten aufgrund der Corona-Krise 2020 eine nominell um 10 Prozent geringere Wirtschaftsleistung als bei regulärem Verlauf, das entspricht einem Minus von 36 Milliarden Euro
  • Die Industrie muss mit einem Wertschöpfungsminus von 13 Prozent rechnen; überdurchschnittlich stark betroffen sind Konsumgüterhersteller mit Ausnahme versorgungsrelevanter Branchen 
  • Der Bau verbucht zwar in allen Sparten erhebliche Einbußen, sollte die Krise aber relativ gut bewältigen
  • Sehr hohe Verluste werden einige Einzelhandelssparten und tourismusnahe Branchen betreffen; in diesen Segmenten sinkt die Wertschöpfung 2020 um bis zu 40 Prozent 
  • Wirtschaftsnahe Dienstleistungsbranchen sind sehr unterschiedlich betroffen

Die positive Wirtschaftsentwicklung zu Jahresbeginn 2020 wurde mit dem Ausbruch der Corona-Krise spätestens im März abrupt beendet. Im Lauf des Aprils hat die Krise alle Wirtschaftssektoren und dabei fast alle Branchen erfasst. Eine aktuelle Analyse der UniCredit Bank Austria zu den Auswirkungen der Krise auf die einzelnen Branchen geht davon aus, dass Österreichs Wirtschaft trotz erster Lockerungen der Beschränkungen im zweiten Quartal nur rund 75 bis 80 Prozent des normalen Leistungsniveaus erreichen wird. Zudem wird die erwartete Gegenbewegung zum aktuellen Konjunktureinbruch in der zweiten Jahreshälfte, obwohl beeindruckend, in Summe nicht stark genug sein, damit die Konsumnachfrage und die Investitionen noch im laufenden Jahr auf ihren Wachstumspfad vor der Krise zurückkehren können. 

Szenario für 2020
Die Auswirkungen der Corona-Krise auf Sektor- und Branchenebene 2020 basieren im Grundszenario auf der Annahme eines zwei Monate dauernden „Einfrierens“ weiter Bereiche des öffentlichen und damit auch des Wirtschaftslebens, gefolgt von wenigstens zwei „Erholungsmonaten“ mit eingeschränkten Aktivitäten. Die Einschätzung der Auswirkungen von Nachholeffekten im zweiten Halbjahr basiert auf einem ausgewogenen Ansatz. 

Vielen Branchen, die unter dem Lockdown massiv leiden, ist gemeinsam, dass sie die Umsatzeinbußen auch nach der Aufhebung der Maßnahmen nicht wieder ausgleichen werden können. Unter anderem sind das die Anbieter persönlicher Dienste oder die Kultur- und Sportveranstalter. „Unter der Annahme einer stufenweisen Wiederbelebung der Wirtschaftstätigkeit ab Mai erwarten wir im Gesamtjahr 2020 eine um etwa 10 Prozent beziehungsweise 36 Milliarden Euro geringere nominelle Wirtschaftsleistung in Österreich im Vergleich zu einem Szenario ohne Auswirkungen der Pandemie“, sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Industrie erwartet zum Teil sehr hohe Rückschläge
Die Industrieproduktion ist schon 2019 abgekühlt und im Gesamtjahr um 0,2 Prozent gesunken. Die Anfang 2020 aufgrund der relativ optimistischen Konjunktureinschätzungen der Unternehmen noch zu erwartende Erholung endete aber schon im Februar. Laut den vorläufigen Zahlen ist die Produktionsleistung der Investitionsgüterhersteller im Februar im Vergleich zum Vorjahr um rund 10 Prozent gesunken. Das Ergebnis dürfte vor allem die Folge davon sein, dass in einigen Branchen die internationalen Zulieferketten schon frühzeitig zusammengebrochen sind. 

„Da die Einschränkungen in wichtigen Zuliefer- und Absatzmärkten zumindest noch bis in den Mai hinein andauern, wird die Industrie 2020 voraussichtlich einen stärkeren Rückschlag als die Gesamtwirtschaft erleiden. Im Vergleich zum Basisszenario rechnen wir mit einem Minus der Industriewertschöpfung von 13 Prozent nominell beziehungsweise einem Wertschöpfungsverlust von rund 8,5 Milliarden Euro“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Günter Wolf. In Summe ist das fast ein Viertel der gesamten Wertschöpfungseinbußen, die 2020 in Österreich zu erwarten sind. Im Vergleich dazu trägt die Industrie 19 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei.

Auf Branchenebene sind zwar die Lebensmittelhersteller auch vom Lockdown betroffen, wie die schon im März stark gestiegene Zahl an arbeitslos gemeldeten Beschäftigten vermuten lässt. Allerdings hat die Branche in ihrer Funktion als versorgungsrelevanter Bereich im Gesamtjahr ebenso wie die Pharmaindustrie kaum Nachfrageeinbußen zu befürchten. Im Gegensatz zu anderen Konsumgüterbranchen, wie der Herstellung von Bekleidung, Möbel oder Spiel- und Sportartikel, die nicht nur mit dem Lockdown des Einzelhandels einen wichtigen Absatzkanal verloren haben. Zudem muss damit gerechnet werden, dass die Nachfrage nach Gebrauchsgütern nur langsam in Schwung kommt, gebremst von den Unsicherheiten am Arbeitsmarkt und den Einkommensverlusten großer Teile der Bevölkerung. 

Bei den investitionsnahen Industrien, die direkt oder indirekt Produkte für die Bauwirtschaft erzeugen, wird der Abschwung wahrscheinlich weniger stark ausfallen. Allerdings sind Investitionsgüterhersteller, die eng in internationale Lieferketten eingebunden sind und den Großteil ihrer Produkte im Export absetzen, von höheren Rückschlägen bedroht. Derzeit sind die wirtschaftlichen Aussichten für 2020 in wichtigen Exportmärkten der heimischen Industrie im Vergleich zum Inland zum Teil noch erheblich trüber. Besonders betroffen sind die Kfz-Zulieferer, die Stahlindustrie und Teile der Metall- und Kunststoffwarenherstellung, sowie der Erzeugung von elektrotechnischen Produkten. 

Letztendlich wird sich die Krise auch bei den Investitionsgüterherstellern sehr unterschiedlich niederschlagen, wie die Ergebnisse einer aktuellen Unternehmensbefragung im Bereich der Metallerzeugung, der Metallverarbeitung und im Maschinenbau zeigen. Demnach berichten die meisten Unternehmen im April einen deutlichen Rückgang ihrer Kapazitätsauslastung. Gleichzeitig halten sich auch die Anteile der Unternehmen, die vollständig still stehen und jener ohne Beeinträchtigung ihrer Produktionstätigkeit mit jeweils 7 bis 8 Prozent in etwa die Waage. 

Bauwirtschaft wird erhebliche Einbußen verbuchen, die Krise aber relativ gut bewältigen 
Die Bauwirtschaft verbuchte 2019 noch ein Umsatzplus von 9 Prozent und profitierte auch 2020 bis zum Ausbruch der Krise von einer unverändert stabilen Auftragslage ebenso wie von günstigen Witterungsverhältnissen. Zuletzt beurteilten die Unternehmen im März ihre Geschäftslage ähnlich positiv wie im Durchschnitt der letzten drei wachstumsstarken Baujahre. Ähnlich positive Signale kamen auch von der Baustoffindustrie, die im ersten Quartal vom Auftragshoch der Bauwirtschaft und den überwiegend national geprägten und funktionierenden Lieferketten profitierten. 

Die Baustellenschließungen ab März und der vermutlich noch länger dauernde Ausfall von ausländischen Arbeitskräften betreffen zwar alle drei zentralen Bausparten. Voraussichtlich werden aber die Umsatzeinbußen in den arbeitsintensiveren Segmenten, im Hochbau und im Baunebengewerbe, stärker als im Tiefbau ausfallen (einige Straßen- und Tunnelbauarbeiten wurden schon Anfang April wieder weitergeführt). Beispielsweise wird der Wirtschaftsbau nicht nur im Einzelhandel oder im Tourismussektor 2020 deutliche Rückschläge sehen. Zudem muss mit einer erheblichen Einschränkung der Wohnbauleistung im Vergleich zu den dynamischen Vorjahren gerechnet werden. 

Da aber der Nachfrageüberhang, nicht nur im Wohnbau, bestehen bleibt, sind in Summe die Wachstumsaussichten der Bauwirtschaft, natürlich abhängig von der effektiven Dauer des Lockdowns, für 2020 weiterhin vorhanden. Dennoch wird der Sektor den stärksten Rückschlag seit Jahrzehnten erleiden. Die UniCredit Bank Austria Ökonomen rechnen im gesamten Jahr 2020 mit einem Wertschöpfungsverlust für den Bausektor von 11 Prozent beziehungsweise 2,9 Milliarden Euro gegenüber dem Basisszenario. 

Der Handel rutscht zum Teil sehr tief ins Minus
Infolge der Corona-Krise muss im Handel mit einem Rückgang der Wertschöpfung von 12 Prozent beziehungsweise 5 Milliarden Euro gegenüber dem Basisszenario gerechnet werden. Der Verlust verteilt sich allerdings sehr unterschiedlich auf die einzelnen Sparten. Im Autohandel hat sich schon vor Beginn des Lockdown im Krisenmodus befunden, wie der Rückgang der Kfz-Neuzulassungszahlen im ersten Quartal von mehr als 30 Prozent unterstreicht. Im März kündigte dann der stärkste Rückgang der Geschäftserwartungen seit Erhebungsbeginn die bevorstehenden Umsatzverluste an. Auch wenn der Kfz-Handel im zweiten Halbjahr Nachholeffekte und wieder steigende Absatzzahlen erwarten kann, droht der Sparte im Gesamtjahr 2020 ein Wertschöpfungsverlust von wenigstens 25 Prozent gegenüber dem Basisszenario. Etwas moderater sollte der Abschwung bei den Kfz-Werkstätten ausfallen. 

Die eingeschränkte Mobilität der Bevölkerung bremst auf jeden Fall die Treibstoffnachfrage. Zudem sind die Treibstoffpreise in den letzten Wochen auf ihr Vierjahrestief gefallen. Auch wenn die Tankstellen als versorgungsnotwendige Sparte ihre Standorte nicht schließen mussten und mit den Shops zusätzliche Umsätze generieren können, wird ein Umsatzminus 2020 nicht zu vermeiden sein. Andere Einzelhandelssparten, die von den Lockdown-Maßnahmen ausgenommen waren, vor allem der Lebensmittelhandel, die Apotheken und Drogerien, sind von der Krise kaum betroffen. Hingegen erwarten die Händler, die ihre Geschäfte schließen mussten und dauerhafte Konsumgüter anbieten, zum Teil massive Einbußen. Falls die Händler nicht verstärkt in den Onlinehandel ausweichen können, verlieren sie nicht nur die Nachfrage heimischer Kunden während der Lockdown-Phase sondern im weiteren Jahresverlauf auch einen erheblichen Teil der touristischen Nachfrage. 

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Großhandel, der rund die Hälfte zur Handelswertschöpfung beiträgt, sind vergleichsweise moderat, in Summe aber auch negativ. Ein Wertschöpfungsrückgang 2020 von etwa 10 Prozent im Vergleich zum Basisszenario ist zu erwarten. Die Sparte hat den Vorteil, dass viele Geschäfte ohne Kundenkontakt abgewickelt werden und die Lieferungen an die Industrie, die Bauwirtschaft und den Lebensmittelhandel vielfach nicht ausgesetzt haben. Allerdings werden auch die Großhändler, die massiven Einbußen im Gastronomiegeschäft kaum kompensieren können. 

Dienstleistungsbranchen sehr unterschiedlich betroffen  
Die einzelnen Dienstleistungsbereiche sind von der Corona-Krise sehr unterschiedlich betroffen. So sollten die Anbieter von IT-Dienstleistungen, die seit Jahren zu den wachstumsstärksten Dienstleistungsbranchen zählen, diese Position auch 2020 halten können. Dafür spricht der erhöhte Bedarf an Online- oder Teleworking-Infrastrukturen. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach den Leistungen der Telekomanbieter. 

Im Bereich Verkehr werden beispielsweise die Paketdienste die Krise relativ unbeschadet überstehen, auch wenn die Branche Umsatzeinbußen nicht vermeiden kann. Wahrscheinlich können die Unternehmen nicht den gesamten Auftragsrückgang im B2B-Segment mit zusätzlichen Aufträgen im B2C-Segment ausgleichen. Nicht zuletzt leiden die Paketdienste seit Jahren unter einem starken Konkurrenz- und Preisdruck. 

Hingegen werden 2020 der Gütertransport ebenso wie die Anbieter sonstiger Wirtschaftsdienste, das sind unter anderem die Arbeitskräftevermittler, Gebäudereiniger und Sicherheitsdienste, deutlich unter dem Rückgang der Industrie- und Exportkonjunktur leiden. Wie die Verkehrsdienste können diese Branchen auch keine nennenswerten Aufholeffekte erwarten. Hier muss mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 15 Prozent bis 25 Prozent gerechnet werden. Einige freiberufliche und technische Dienstleistungssparten können zumindest einen Teil der Nachfrageeinbußen im zweiten Halbjahr zurückholen, beispielsweise die Rechtsberatung oder die Wirtschaftstreuhänder. Die Wertschöpfungsverluste in dem Bereich bewegen sich 2020 bei moderaten 10 Prozent. 

Hohe Einbußen im Tourismus
„Besonders hohe Einbußen erwartet der Tourismussektor, der sowohl die angeordnete Schließung der Betriebe als auch den Ausfall der in- und ausländischen Nachfrage verkraften muss. Zudem wird sich die Tourismusnachfrage auch nach Aufhebung der Beschränkungen nur sehr langsam erholen, vor allem weil die Reisebudgets großer Teile der Bevölkerung aufgrund der Einkommenseinbußen deutlich geschrumpft sind“, sagt Wolf. 

Abhängig von der Dauer der Krise wird Österreichs Tourismus voraussichtlich zwar noch 2020 von der wirtschaftlichen Erholung profitieren. Dafür spricht einerseits, dass in Krisenzeiten Fernreisen zugunsten naher Ziele an Attraktivität verlieren und andererseits die Tatsache, dass große europäische Tourismusmärkte voraussichtlich länger als Österreich von den Pandemieeinschränkungen belastet sind. Dennoch müssen die Beherbergungsbetriebe und die Gastronomie 2020 mit einem Wertschöpfungsminus von etwa 30 Prozent rechnen. Das bedeutet im Vergleich zum Basisszenario einen Verlust von fast 6 Milliarden Euro beziehungsweise rund 17 Prozent der geschätzten gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfungseinbußen. 

Die eingeschränkten Ausgangsmöglichkeiten und Reisefreiheiten werden zudem im Personentransport, bei den Autoverleihern, den Reisebüros und den Kultur- und Sporteinrichtungen eine Umsatzerosion auslösen. Da in dem Bereich kaum Nachholeffekte zu erwarten sind, rechnen die UniCredit Bank Austria Ökonomen hier mit einem Rückgang der nominellen Wertschöpfung 2020 von wenigstens 25 Prozent bis zu 40 Prozent im Vergleich zum Basisszenario.

Tabelle

Rückfragen
UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria 
Günter Wolf, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41954;
E-Mail: guenter.wolf@unicreditgroup.at