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14.02.2020

UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator:
Positive Signale für die österreichische Konjunktur zu Jahresbeginn 2020

  • Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im Jänner 2020 auf 1,7 Punkte, den höchsten Wert seit acht Monaten 
  • Der Optimismus in den binnenwirtschaftlichen Bereichen nahm zu Jahresbeginn 2020 zu und das Exportumfeld profitierte vom Abschluss des US-China-Handelsabkommens 
  • Die wirtschaftlichen Folgen des Corona Virus für Österreich sind derzeit nicht abschätzbar, aber es ist eine nur niedrige Betroffenheit zu erwarten, da der Wertschöpfungsanteil aus China bei nur 2,5 Prozent des BIP liegt
  • Wir rechnen für 2020 mit einem Wirtschaftswachstum von 1 Prozent. Eine moderate globale Erholung sollte die Wachstumsaussichten für 2021 auf 1,3 Prozent erhöhen 
  • Das gute Wetter sorgt zu Jahresbeginn noch für eine Verbesserung am Arbeitsmarkt, doch die Arbeitslosenquote wird im Jahresdurchschnitt 2020 konjunkturbedingt auf 7,5 Prozent ansteigen 
  • Wir erwarten für 2020 unverändert eine durchschnittliche Teuerung von 1,5 Prozent 

Zu Beginn des Jahres 2020 hat sich die Konjunkturstimmung in Österreich aufgehellt. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im Jänner auf 1,7 Punkte. Damit erreicht der Indikator den höchsten Wert seit acht Monaten und signalisiert für die kommenden Monate zumindest eine Unterbrechung des seit zwei Jahren andauernden Abwärtstrends der heimischen Konjunktur“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. 

Erstmals seit Monaten sind klar positive Signale für die österreichische Wirtschaft vorhanden. „Während sich die heimische Industrie noch in einer milden Rezession befindet, haben sich die Rahmenbedingungen für die heimische Exportwirtschaft zu Jahresbeginn 2020 verbessert. Zudem stieg erneut die gute Stimmung in den binnenwirtschaftlichen Bereichen. Die Bauwirtschaft und der Dienstleistungssektor profitierten vom erneut gestiegenen Optimismus der Konsumenten“, so Bruckbauer. 

Verbesserte Konjunkturstimmung zu Jahresbeginn
Die Verunsicherung in der Weltwirtschaft hat dank des Handelsabkommens zwischen den USA und China abgenommen. Die Schwäche des globalen Handels ist abgeflaut und hat zu einer Verbesserung der Industriestimmung weltweit beigetragen. Vor allem in Asien, aber auch in den Kernländern des Euroraums haben sich die Konjunktursorgen in der Industrie etwas verringert. Damit stellt sich das Exportumfeld der österreichischen Wirtschaft zu Jahresbeginn 2020 etwas günstiger dar. Dennoch ist die Stimmung in der heimischen (Zuliefer-)Industrie unter dem Eindruck der anhaltenden Schwierigkeiten der deutschen Autoindustrie, drohender Zollerhöhungen auf US-Autoimporte und der Ausweitung der Zölle auf Stahl und Aluminium durch die USA etwas zurückgegangen. In den nicht exportorientierten Sparten hat sich dagegen der Optimismus zu Jahresbeginn noch etwas erhöht. Die Konsumlaune der Verbraucher hat sich angesichts der anhaltend positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt nochmals verbessert. Der Dienstleistungssektor zeigt sich davon sehr positiv beeinflusst und am Bau hat, unterstützt durch das gute Wetter, das für eine hohe Auslastung sorgte, die Zuversicht zu Jahresbeginn zugelegt. 

Konjunkturrisiko Corona Virus 
Angesichts der positiven Konjunkturvorzeichen ist für den Jahresbeginn eine Stabilisierung der Konjunktur zu erwarten. Im ersten Halbjahr dürfte das Wirtschaftswachstum die Dynamik vom Jahresende 2019 zumindest halten. Allerdings erfolgte der aktuelle Stimmungstest noch vor Ausbruch des Corona Virus in China. Die chinesische Wirtschaft wird zumindest im ersten Quartal ebenso wie beim Ausbruch von SARS im Jahr 2003 negative wirtschaftliche Konsequenzen spüren, was auch die Weltwirtschaft belasten dürfte. Zur Beurteilung möglicher Folgen ist zu berücksichtigen, dass im Vergleich zum Jahr 2003 die chinesische Wirtschaft heute eine deutlich höhere globale Bedeutung hat. Während 2003 China für rund 4 Prozent des Welt-BIP verantwortlich war, steht die chinesische Wirtschaft heute für fast 17 Prozent. 

„Das Ausmaß der wirtschaftlichen Auswirkungen des Corona Virus sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzbar. Gemäß unserer Modellrechnung würde eine Verringerung des Wachstums in China um einen Prozentpunkt die globale Wirtschaft um 0,4 und die europäische Wirtschaft um rund 0,25 Prozentpunkte belasten“, so Bruckbauer und ergänzt: „Aufgrund der engen Handelsverflechtung wären vor allem asiatische Länder wie Vietnam, Kambodscha und Malaysia stark von negativen Effekten betroffen. Österreich weist mit einem Anteil an der Wertschöpfung aus China von rund 2,5 Prozent eine vergleichsweise geringe Abhängigkeit von der chinesischen Wirtschaft auf und hätte demnach mit geringeren negativen Konsequenzen als die USA, das Vereinigte Königreich oder viele osteuropäische Länder wie z.B. die Slowakei oder Tschechien zu rechnen.“ 

US-Abschwung wird bremsen
Die aktuellen Früh- und Stimmungsindikatoren zeigen eine Stabilisierung der Wirtschaft auf einem moderaten Wachstumsniveau. In den kommenden Monaten könnte diese Entwicklung durch negative Einflüsse des Corona Virus gefährdet werden, während sich im späteren Jahresverlauf 2020 der Konjunkturabschwung in den USA in der österreichischen Wirtschaftsdynamik mit hoher Wahrscheinlichkeit dämpfend niederschlagen wird. Anhaltende Handelshemmnisse, eine rückläufige Unternehmensrentabilität und auslaufende fiskalische Impulse lassen sogar eine milde Rezession der US-Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte möglich erscheinen. Die neuerlichen internationalen Belastungen werden das Wirtschaftswachstum in Österreich beeinträchtigen. 

„Wir erwarten für das Gesamtjahr 2020 eine weitere Verringerung des BIP-Anstiegs auf 1,0 Prozent nach noch 1,6 Prozent 2019“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl und ergänzt: „Die schwächelnde Exportnachfrage und die in diesem Umfeld nur verhaltene Investitionsneigung können vom starken Konsum trotz neuer fiskalischer Impulse nicht gänzlich kompensiert werden, zumal die bestehenden Konjunkturunsicherheiten einen Anstieg der Sparquote auslösen dürften.“ Für 2021 kann mit etwas mehr internationaler Unterstützung von einer moderaten Erholung der österreichischen Wirtschaft ausgegangen werden, die sich in einem leichten Anstieg des Wirtschaftswachstums auf 1,3 Prozent niederschlagen sollte. 

Bauwirtschaft maßgeblicher Treiber für noch anhaltende Verbesserung am Arbeitsmarkt 
Der Arbeitsmarkt spiegelt die unterschiedliche sektorale Entwicklung der österreichischen Wirtschaft sehr deutlich wider. Trotz der Abschwächung der Konjunktur verbessert sich die Lage am österreichischen Arbeitsmarkt insgesamt vorerst weiter. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote ist im Jänner 2020 auf 7,1 Prozent gesunken. In der Sachgütererzeugung, die mit 3,7 Prozent die niedrigste Sektorarbeitslosenquote ausweist, sinkt mittlerweile die Beschäftigung und die Arbeitslosigkeit nimmt zu, sodass die Arbeitslosenquote eine leichte Aufwärtstendenz ausweist. 

Zum einen ist der gesamtwirtschaftliche Rückgang der Arbeitslosenquote den meisten Dienstleistungsbranchen geschuldet. Insbesondere der Tourismus sorgt für einen anhaltenden Beschäftigungsaufbau. Dadurch zeigt die Arbeitslosenquote im Dienstleistungssektor weiter eine schwach rückläufige Tendenz auf aktuell 7,5 Prozent. 

Zum anderen ist die gute Baukonjunktur verantwortlich, die durch das ungewöhnlich warme Winterwetter zusätzlich unterstützt wird. In der Bauwirtschaft ist die saisonbereinigte Arbeitslosenquote tendenziell stark sinkend und mit 8,2 Prozent im Jänner 2020 um einen ganzen Prozentpunkt tiefer als im Vorjahr. Die Bauwirtschaft, die einen Beschäftigtenanteil von rund 7 Prozent hat, sorgt derzeit für ein Viertel des Beschäftigtenanstiegs und ist für fast 50 Prozent des Rückgangs an Arbeitssuchenden in Österreich verantwortlich. 

„Da der Vorteil durch das günstige Wetter, das derzeit die Arbeitslosigkeit dämpft, bald schwindet, wird sich in den kommenden Monaten die schwächere Konjunktur auf den Arbeitsmarkt niederschlagen und zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote im weiteren Jahresverlauf führen. Nach 7,4 Prozent im Jahr 2019 erwarten wir für 2020 im Durchschnitt einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf maximal 7,5 Prozent“, so Pudschedl. 

Inflation bleibt niedrig
Die schwächere Konjunktur und der niedrige Ölpreis dämpfen die Inflation zu Jahresbeginn. „Die Teuerung in Österreich wird sich in den kommenden Monaten in einem engen Rahmen um rund 1,5 Prozent im Jahresvergleich bewegen. Im Jahresdurchschnitt 2020 erwarten wir – wie schon im Vorjahr – eine Inflation von 1,5 Prozent“, meint Pudschedl. Ein geringerer Preisauftrieb aufgrund der moderaten Konjunktur, für den auch der niedrige Ölpreis sprechen würde, wird durch die relativ hohe Dynamik der Dienstleistungspreise infolge des weiterhin starken Konsums verhindert werden, so dass die Inflation erneut höher als im Euroraum oder im Nachbarland Deutschland ausfallen wird. Die Ökonomen der UniCredit Bank Austria erwarten für den Euroraum eine Inflation im Jahresdurchschnitt 2020 von 1,0 Prozent und für Deutschland von 1,4 Prozent.   

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Rückfragen
UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria 
Walter Pudschedl, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at