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29.10.2019

UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Oktober:
Abschwung der österreichischen Industrie hält an

  • Leichte Verbesserung des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Oktober, doch mit 45,5 Punkten wird eine Fortsetzung des Industrieabschwungs in Österreich signalisiert 
  • Geringere Auftragseinbußen bremsen das hohe Tempo der Produktionsrückgänge etwas ein 
  • Stärkster Beschäftigungsabbau in der österreichischen Industrie seit Ende 2009
  • Trotz sinkender Einkaufspreise sind Einkäufer zurückhaltender und die Bestände in den Vormateriallagern werden schneller abgebaut 
  • Die Unsicherheit verfestigt sich: Die Produktionserwartungen für die kommenden zwölf Monate steigen im Oktober nur minimal über das 7-Jahres-Tief vom Vormonat

Die Abschwächung der Industriekonjunktur in Österreich setzt sich zu Beginn des Schlussquartals 2019 fort. „Im Oktober hat sich der Konjunkturabschwung der heimischen Industrie verfestigt. Mit einer nur moderaten Verbesserung auf 45,5 Punkte signalisiert der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex weiterhin sehr starke Geschäftseinbußen der heimischen Industrie und liegt mittlerweile den siebten Monat in Folge unterhalb der Wachstumsschwelle“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Der Indikator erreicht aktuell den zweitschwächsten Wert seit sieben Jahren. Die Abschwächung des globalen Handels infolge der Verstärkung protektionistischer Tendenzen sowie die anhaltenden Unsicherheiten rund um den Brexit und bestehende politische Spannungen setzen der österreichischen Industrie unvermindert stark zu. Der Gegenwind aus dem Ausland belastet mittlerweile nicht mehr ausschließlich die Entwicklung in den exportorientierten Industriebereichen. 

„Infolge des schwachen Neugeschäfts aus dem In- und Ausland haben die Betriebe die Produktion im Oktober erneut stark zurückgenommen und die Beschäftigung deutlich verringert. Sinkende Auftragspolster und kürzere Lieferzeiten weisen auf bestehende Überschusskapazitäten hin mit folglich weiterhin fallenden Preisen“, so Bruckbauer mit den wichtigsten Details der monatlichen Umfrage. 

Produktion und Aufträge stark rückläufig
Die Entwicklung in der österreichischen Industrie war im Oktober den sechsten Monat in Folge von Produktionsrückgängen gekennzeichnet. Das ist die längste Kontraktionsphase seit dem Jahr 2011. Zwar hat sich der Produktionsrückgang gegenüber dem Vormonat etwas verlangsamt, war aber dennoch einer der stärksten in den vergangenen sieben Jahren. „Die erneut starke Zurücknahme der Produktion im Oktober war eine Folge der deutlichen Auftragseinbußen der heimischen Industrie. Insbesondere das Neugeschäft aus dem Ausland geht stark zurück. Fehlende Investitionen und vor allem der Abschwung im deutschen Automobilsektor nennen die heimischen Betriebe dabei als bestimmende Ursachen“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. 

Im Einklang mit dem rückläufigen Neugeschäft haben sich die Auftragsrückstände der österreichischen Hersteller im Oktober weiter reduziert. In Fortsetzung des seit März andauernden Trends haben sich zu Beginn des vierten Quartals die Lieferzeiten deutlich verringert. Dazu dürften mittlerweile unausgelastete Lieferkapazitäten und die verbesserte Verfügbarkeit von Rohstoffen beigetragen haben. 

Stärkster Beschäftigungsrückgang seit Ende 2009 
Die heimischen Betriebe haben im Oktober auf die anhaltende Verschlechterung der Auftragsentwicklung und der stark sinkenden Auftragspolster mit einer erneuten Anpassung der Personalkapazitäten reagiert. „Im Oktober ist der Beschäftigungsindex auf 45,0 Punkte gesunken. Damit weist der Indikator nunmehr den vierten Monat in Folge auf eine Personalreduktion in der heimischen Sachgütererzeugung hin. Zudem hat sich das Tempo des Beschäftigtenabbaus gegenüber dem Vormonat nochmals leicht erhöht, der Rückgang der Beschäftigung erreicht mittlerweile das stärkste Niveau seit der Finanzkrise im Herbst 2009“, so Pudschedl. Die heimische Industrie, die noch im ersten Halbjahr 2019 überdurchschnittlich stark zum Anstieg der Beschäftigung in der österreichischen Gesamtwirtschaft beigetragen hat, wird für den österreichischen Arbeitsmarkt damit zunehmend zu einer Belastung. 
Während im Dienstleistungssektor noch zusätzliche Jobs entstehen werden, wird aufgrund der schwachen Industriekonjunktur in den kommenden Monaten die Arbeitslosenquote in Österreich leicht nach oben tendieren. Die Ökonomen der UniCredit Bank Austria erwarten für 2019 im Durchschnitt zwar einen Rückgang der Arbeitslosenquote gegenüber dem Vorjahr auf 7,4 Prozent, für 2020 jedoch bereits einen leichten Anstieg auf 7,5 Prozent. 

Konjunktursorgen führen zu erhöhter Vorsicht im Lagermanagement und fallenden Preisen
Der anhaltende Rückgang der Produktionsleistung und des Neugeschäfts hat sich im Oktober auch in einer Verringerung der Einkaufsmenge der Hersteller niedergeschlagen. Die geringeren Einkaufsaktivitäten stehen im Einklang mit erhöhten Anstrengungen, die Lagerkosten zu reduzieren und das Betriebskapital zu optimieren. Während die Bestände in den Verkaufslagern bedingt durch die nachlassende Nachfrage nur geringfügig abnahmen, haben die Betriebe die Vormateriallager so stark wie zuletzt vor rund drei Jahren reduziert. Insbesondere die Hersteller von Zwischenprodukten und Investitionsgütern verringerten ihre Lagerbestände. „Der geringere Bedarf an Vormaterialien und Rohstoffen hat zu einem starken Preisverfall beigetragen. Den fünften Monat in Folge sanken die Einkaufspreise, im Oktober besonders stark für Stahl, Kunststoffe und einige Holzprodukte. Dagegen sanken die Verkaufspreise spürbar langsamer, sodass die Preistrends im Durchschnitt zu einer leichten Verbesserung der Ertragslage der heimischen Betriebe gesorgt haben“, so Pudschedl. 

Unsicherheiten verfestigen negative Erwartungen 
Trotz einer leichten Verbesserung zeigt der aktuelle UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex für die österreichische Industrie nunmehr den siebten Monat in Folge einen Wert unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten an. Nach einem schwachen dritten Quartal kündigt sich auch für die kommenden Monate keine Trendwende an. Aus dem europäischen Ausland ist angesichts einer Kombination belastender Faktoren, wie dem Handelskonflikt, der Unsicherheit in Zusammenhang mit dem Brexit sowie einer angeschlagenen Autoindustrie, keine Unterstützung für die heimische Industrie zu erwarten. 

Der vorläufige Einkaufsmanagerindex der Eurozone liegt unverändert bei 45,7 Punkten, wobei der Wert von 41,9 Punkten für Österreichs größten Absatzmarkt Deutschland das gesamteuropäische Ergebnis nach unten zieht. Zudem weisen die Komponenten des aktuellen Indikators für Österreich direkt auf eine anhaltende Eintrübung der Industriekonjunktur hin. Zwar verbesserte sich das Verhältnis von Auftragseingang zu Lagerbestand leicht, da sich der Index der Auftragseingänge leicht von 44,3 auf 45,5 Punkte erholt hat, während der Index für die Verkaufslager von 50,8 auf 49,5 Punkte zurückging. Allerdings sind die Verkaufslager immer noch stark genug befüllt, um das geringere Neugeschäft erfüllen zu können, sodass in den kommenden Monaten die Produktion und die Beschäftigung wohl weiter nach unten angepasst werden müssen. 
„Die Konjunktursorgen der heimischen Industriebetriebe scheinen sich mittlerweile zu verfestigen. Seit vier Monaten übersteigt die Anzahl der heimischen Betriebe, die auf Jahressicht einen Rückgang der Produktion erwarten, jene der Unternehmen mit steigenden Aussichten. Mit 46,0 Punkten übertraf der Erwartungsindex nur geringfügig das 7-Jahres-Tief des Vormonats“, meint Bruckbauer abschließend. 

Tabellen

Rückfragen:    
UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria 
Walter Pudschedl, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at