15.05.2018

UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator:
Rückgang des Wachstumstempos in Österreich aufgrund zunehmender globaler Unsicherheiten

  • UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator setzt seine leichte Abwärtstendenz im April mit einem Rückgang auf 4,2 Punkte fort
  • Verunsicherung in exportorientierter Industrie schlägt sich belastend nieder
  • Binnenkonjunktur stabilisiert 2018 Wachstumstrend, doch Unterstützung durch Auslandsnachfrage verliert wegen Protektionismus und steigender Unsicherheiten an Tempo
  • Trotz Konjunkturverlangsamung: BIP-Anstieg 2018 unverändert mit 2,8 Prozent erwartet
  • Rückgang der Arbeitslosenquote verlangsamt sich, im Jahresdurchschnitt 2018 mit 7,7 Prozent jedoch um 0,8 Prozentpunkte tiefer als 2017
  • Ölpreis sorgt ab Mitte 2018 für Inflation von über 2 Prozent im Jahresvergleich

Die nach dem Jahreswechsel 2017/18 eingesetzte Konjunkturverlangsamung in Österreich setzt sich im Frühling weiter fort. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator ist im April auf 4,2 Punkte gesunken. Der moderate, aber kontinuierliche Rückgang des Konjunkturklimas der vergangenen Monate hält zu Beginn des zweiten Quartals an. Das Wachstumstempo der österreichischen Wirtschaft ist derzeit aber immer noch sehr ansprechend. Unser Konjunkturindikator befindet sich abgesehen vom aktuellen Zyklus auf dem höchsten Stand seit Mitte 2007“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Der sehr lange Aufschwung der österreichischen Wirtschaft, der sich nach einem eher trägen Beginn im Jahr 2015 unterstützt durch die Steuerreform ab Mitte 2016 deutlich beschleunigte, gipfelte dank der globalen Erholung 2017 in der höchsten Wachstumsdynamik seit zehn Jahren. „In den vergangenen vier Monaten hat das ausgezeichnete Konjunkturklima in Österreich kontinuierlich an Glanz verloren. Der aktuelle UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator signalisiert eine Fortsetzung des leichten Abwärtstrends und eine weitere Verlangsamung des Wachstumstempos, da vor allem das Exportumfeld zunehmend schwieriger wird“, so Bruckbauer.

Der erneute Rückgang des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators im April ist wie schon in den Monaten davor hauptsächlich der Verschlechterung der Geschäftseinschätzung in den exportorientierten Bereichen der österreichischen Wirtschaft geschuldet. Die heimischen Industriebetriebe sind zwar weiterhin überdurchschnittlich optimistisch, die Stimmung hat sich, belastet durch sinkende Auftragszuwächse aus dem Ausland, mittlerweile jedoch klar vom Höhepunkt rund um den Jahreswechsel 2017/18 entfernt.

Schwierigeres Exportumfeld
Auch die mit den österreichischen Außenhandelsanteilen gewichtete internationale Industriestimmung als Indikator für die Entwicklung des Exportumfelds der heimischen Wirtschaft erreicht nach zum Teil deutlichen Rückgängen in den Vormonaten derzeit nur noch das Niveau von Mitte 2017, das jedoch auch mit einer durchaus hohen Exportdynamik zusammengefallen ist. Die Verunsicherungen durch zunehmende protektionistische Tendenzen im globalen Handel und steigende geopolitische Risiken, jüngst verschärft durch den Ausstieg der USA aus den Atom-Abkommen mit dem Iran, dämpfen die Aussichten der Exportbetriebe.

„Der Konjunkturtrend zeigt seit Jahresbeginn 2018 eindeutig nach unten. Dem schwieriger werdenden Exportumfeld stemmt sich jedoch eine weitgehend stabile Binnenkonjunktur entgegen. Die Stimmung am heimischen Bau hat sich knapp vor Sommerbeginn auf hohem Niveau stabilisiert und auch die österreichischen Konsumenten sind unverändert optimistisch“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Während die Zuversicht am Bau von der sehr guten Auftragslage getragen wird, unterstützt die Entspannung am Arbeitsmarkt die anhaltend Hochstimmung der Konsumenten.

Nach dem Rückgang der Wachstumsdynamik im ersten Quartal 2018 gegenüber dem starken Jahresende 2017 erwarten die Ökonomen der UniCredit Bank Austria für die kommenden Monate eine weitere Mäßigung des Aufschwungs der österreichischen Wirtschaft.

Auslandsnachfrage bremst sich ein
Die Auslandsnachfrage wird bis zum Jahresende weiter an Schwung verlieren, da sich die Erholung des globalen Handels einzubremsen droht. Die starke Investitionsnachfrage vieler Emerging Markets, die eine wesentliche Triebfeder der hohen Dynamik ist, dürfte bei begrenzterem Kapitalzufluss aufgrund der zunehmenden Verunsicherungen in Kombination mit dem Aufwärtstrend der US-Zinsen gedämpfter ausfallen. Aufgrund der nachlassenden Exportnachfrage werden die österreichischen Unternehmen bis zum Jahresende auch die Investitionspläne etwas zurückschrauben, wenn auch die Ausrüstungsinvestitionen aufgrund der überdurchschnittlichen Kapazitätsauslastung und der weiterhin günstigen Finanzierungsbedingungen eine wichtige Stütze des Wirtschaftswachstums in Österreich bleiben.

Bau und Konsum weiterhin stark
Auch die Bauinvestitionen werden dank der sehr guten Auftragslage einen soliden Aufwärtstrend fortsetzen. Zudem bietet der private Konsum im laufenden Jahr weiterhin eine weitgehend stabile Unterstützung für das Wachstum der heimischen Wirtschaft. Dahinter steht das starke Beschäftigungswachstum, das dem Konjunkturtrend zeitlich nachläuft, und in Kombination mit etwas höheren Lohnzuwächsen als 2017 mit einem spürbaren Anstieg des verfügbaren Einkommens verbunden ist. „Nach einem Wirtschaftswachstum von 3 Prozent im Vorjahr erwarten wir für 2018 weiterhin ein kräftiges Plus von 2,8 Prozent. Während die Binnenkonjunktur anhaltende Stärke zeigt, sehen wir den Grund für die Mäßigung des Wachstumstempos sowie das zunehmende Prognoserisiko nach unten eindeutig bei der Auslandsnachfrage“, meint Pudschedl.

Geopolitische Dissonanzen
Der eingesetzte Abwärtstrend der Konjunktur könnte sich in den kommenden Monaten noch spürbar verschärfen. Zu den protektionistischen Maßnahmen im internationalen Handel ausgehend von den USA, die zu weiteren neuen Handelsbarrieren in nächster Zeit führen könnten, gesellt sich als Verstärkung der Unsicherheiten für die globale Wirtschaft die Gefahr zunehmender geopolitischer Dissonanzen. „Der Ausstieg der USA aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran und die Ankündigung verschärfter Sanktionen wird nicht ohne Folgen für die globale Wirtschaft bleiben. Die weitere Erhöhung der geopolitischen Spannungen, aufgesetzt auf die Verunsicherung durch die Einführung der US-Importzölle, könnte nach dem globalen Handel auch der Investitionsbereitschaft weltweit deutlicher zusetzen. Die stark exportorientierte österreichische Wirtschaft ist von solchen Rahmenveränderungen überdurchschnittlich stark betroffen“, meint Bruckbauer. Die eingesetzte Konjunkturabflachung wird sich 2019 weiter fortsetzen und selbst in einem maßvollen Risikoszenario nur noch ein Wirtschaftswachstum von 2,0 Prozent ermöglichen. Damit wird der BIP-Anstieg in Österreich jedoch weiterhin über dem langjährigen Durchschnitt liegen.

Verbesserung am Arbeitsmarkt läuft aus
Die Arbeitslosenquote (saisonbereinigt) hat im April 7,8 Prozent betragen. Das entspricht einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr um beachtliche 0,8 Prozentpunkte. Damit sinkt die Arbeitslosenquote das zweite Jahr in Folge deutlich, sogar mit etwas steigender Tendenz im Jahresvergleich. „Die bereits eingesetzte Konjunkturabflachung wird in den kommenden Monaten die Verbesserung der Lage am heimischen Arbeitsmarkt langsam auslaufen lassen. Ab Sommer 2018 ist kaum mehr ein weiterer Rückgang der Arbeitslosenquote zu erwarten, da das tendenziell sinkende Beschäftigungswachstum weiterhin einem robusten Anstieg des Arbeitskräfteangebots gegenübersteht“, meint Pudschedl. Für das Gesamtjahr 2018 ist von einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 7,7 Prozent auszugehen. Angesichts des moderateren Wachstumstempos der österreichischen Wirtschaft im Jahre 2019 wird sich das Beschäftigungswachstum weiter verlangsamen. 2019 wird die Arbeitslosenquote daher nur noch auf 7,6 Prozent sinken.

Ölpreis sorgt für zumindest temporär steigende Inflation
Nach durchschnittlich 1,8 Prozent im Jahresvergleich im ersten Quartal 2018 zeichnet sich bei der Teuerung in Österreich ein leichter Aufwärtstrend ab. Der Ölpreis ist in den vergangenen Wochen spürbar gestiegen und kletterte jüngst angesichts der Verunsicherung in Zusammenhang mit der Aufkündigung des Atom-Abkommens mit dem Iran durch die USA in Richtung 75 US-Dollar pro Barrel, ein Plus von über 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Da sich der Aufwärtstrend des Euros gegenüber dem US-Dollar in den vergangenen Wochen nicht fortgesetzt hat, hat sich auch die bislang deutlich dämpfende Wirkung der Wechselkursentwicklung reduziert. „Spätestens ab Sommer wird aufgrund des gegenüber dem Vorjahr jedenfalls spürbar höheren Ölpreises die Inflation in Österreich wieder über die Marke von 2 Prozent steigen. Im Jahresdurchschnitt 2018 ist aufgrund der niedrigeren Werte zu Jahresbeginn eine durchschnittliche Inflation von 2 Prozent zu erwarten, nach 2,1 Prozent im Vorjahr“, meint Bruckbauer.

Der Ölpreis bleibt ein wichtiger Einflussfaktor der heimischen Inflation. Unter der Annahme, dass der Ölpreis auf dem aktuell hohen Niveau verharrt und der Wechselkurs des Euros gegenüber dem US-Dollar stabil bleibt, würde die Teuerung in Österreich im Jahr 2018 um rund 0,3 Prozentpunkte höher ausfallen als aktuell erwartet.

Tabellen

Rückfragen: UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at