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13.12.2017

UniCredit Bank Austria Konjunktureinschätzung 2018/19:
Wirtschaftswachstum im Jahr 2018 weiterhin sehr solide – zunehmender konjunktureller Gegenwind erst für 2019 erwartet

  • Globaler Aufschwung setzt sich 2018 fort
  • USA profitiert von Steuersenkungen: Wachstum steigt im Jahr 2018 noch einmal, aber bereits erste Warnsignale für Konjunkturabschwung im Jahr 2019
  • Euroraum weiter sehr dynamisch: BIP-Anstieg von 2,3 Prozent im Jahr 2018 und von 1,9 Prozent im Jahr 2019 mit nur leichtem Rückgang erwartet
  • EZB stoppt Wertpapierkaufprogramm Ende 2018 und folgt den US-Zinsanhebungen frühestens ab Mitte 2019
  • Österreich sieht Investitionsboom: Das Jahr 2017 bringt mit 3 Prozent das stärkste Wachstum seit 10 Jahren
  • Aufschwung hält 2018 und 2019 in Österreich mit einem BIP-Anstieg von 2,4 bzw. 2,0 Prozent an und ermöglicht weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote

Die Weltwirtschaft ist 2017 gut in Schwung gekommen. Das globale Wachstum hat sich auf geschätzte 3,6 Prozent beschleunigt, den höchsten Wert seit sieben Jahren. „Besser geht’s nicht“, beschreibt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer die globalen Konjunkturaussichten für 2018 und ergänzt: „Im kommenden Jahr wird sich das weltweite Wirtschaftswachstum auf rund 3,9 Prozent erhöhen. Ein zunehmend synchrones Wachstum, die Belebung des globalen Handels, die steigende Bedeutung der Investitionen für die Dynamik und eine weitgehend expansive Wirtschaftspolitik sind die vier wesentlichsten Gründe für die Nachhaltigkeit und Fortsetzung der globalen Erholung im Jahr 2018.“ Mit einem Plus von rund 3,5 Prozent bleibt das globale Wirtschaftswachstum 2019 kräftig.

Die guten weltweiten Konjunkturaussichten für 2018 und 2019 werden erstens dadurch unterstützt, dass sich das globale Wachstum regional verbreitert hat. Die Erholung läuft synchron in Industrie- und Schwellenländern, was über positive Übertragungseffekte zu einer Verstärkung und Festigung des Aufschwungs führt. Zweitens hat die simultane Erholung über viele Länder das Wachstum des globalen Handels auf rund 4 Prozent beschleunigt und wird weiter für Schwung sorgen. Die Handelselastizität, also das Verhältnis von globalem Handelswachstum zu globalem BIP-Wachstum, ist 2017 nach einigen schwachen Jahren wieder auf einen Wert von über 1 gestiegen. Drittens basiert das globale Wirtschaftswachstum zunehmend auf Investitionen und weniger auf dem Konsum. Damit steht der Aufschwung auf einem breiteren, ausgeglichenen Fundament und die Kombination aus stärkerer Exportnachfrage, verbesserter Stimmung und steigender Kapazitätsauslastung spricht für ein höheres Wachstumspotenzial. Schließlich sollte eine weitgehend expansive Wirtschaftspolitik weiterhin günstig auf das globale Wachstum wirken. Sowohl die Geldpolitik als auch die Fiskalpolitik bleiben im Wesentlichen expansiv.

Das letzte Aufbäumen der Konjunktur in den USA dank Steuerreform
Von fiskalpolitischen Maßnahmen dürfte 2018 insbesondere die US-Wirtschaft profitieren. „Nach einem Plus von 2,2 Prozent 2017 wird sich das Wirtschaftswachstum in den USA 2018 dank Steuersenkung auf 2,6 Prozent erhöhen. Allerdings dürfte mit nachlassenden fiskalischen Impulsen dem drittlängsten Konjunkturaufschwung der US-Wirtschaft seit den 1850er Jahren gegen Jahresende langsam die Luft ausgehen. 2019 ist noch ein BIP-Anstieg von 2 Prozent zu erwarten“, meint Bruckbauer. Ab 2019 ist eine Wachstumsabflachung in Sicht, zumal die Unterstützung durch Wohlstandseffekte, energiebezogene Investitionen und der globalen Wirtschaft nachlässt.

Aufschwung im Euroraum in vollem Gange
Die Mitte 2013 eingesetzte Erholung im Euroraum hat 2017 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. „Die Wirtschaft im Euroraum punktet 2017 mit dem stärksten Wirtschaftswachstum seit 10 Jahren in der Höhe von 2,3 Prozent. Zudem wachsen erstmals seit der Finanzkrise alle Länder des Euroraums und der Konjunkturaufschwung ist regional sehr ausgeglichen. Die Streuung der Wachstumsraten zwischen den Ländern des Euroraums war seit Einführung des Euros noch nie so gering wie 2017“, meint Bruckbauer. Die breit abgestützte Erholung wird sich 2018 mit einem Wirtschaftswachstum von abermals 2,3 Prozent fortsetzen. Die gefestigte Erholung der Investitionen und der vom Beschäftigungsaufbau profitierende Konsum tragen weiterhin das Wachstum, während die Impulse aus dem Außenhandel nachlassen, sodass 2019 der BIP-Anstieg geringfügig auf 1,9 Prozent zurückgehen sollte.

Langsame Rückkehr zur Normalität in der europäischen Geldpolitik – mit Abstand von 4 Jahren zur USA
Trotz der guten Konjunkturentwicklung wird die Inflation im Euroraum das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp 2 Prozent vorerst nicht erreichen, da die Produktionslücke als Folge der Finanzkrise noch nicht vollständig geschlossen ist und da trotz mittlerweile sinkender Arbeitslosigkeit die Lohndynamik noch verhalten ist. „Der anhaltende Rückgang der Produktionslücke sollte in den kommenden Jahren für einen zumindest flachen Aufwärtstrend der Kerninflation sorgen. Daher wird die EZB ihre quantitative Lockerung nach unserer Einschätzung Ende 2018 abschließen und Mitte 2019 mit einer Anhebung der Einlagenzinsen beginnen“, meint Bruckbauer.

Die Normalisierung der Geldpolitik in Europa folgt dem Weg in den USA mit einem zeitlichen Abstand von ungefähr 4 Jahren, bedingt durch die ebenso lange Verzögerung des Konjunkturaufschwungs im Euroraum infolge der „Eurokrise“. Während die US-Notenbank Fed ihr Wertpapieraufkaufprogramm im Oktober 2014 beendete, ist von der EZB erst Ende 2018 mit einem Stopp von Nettoneukäufen zu rechnen. Die Zinsnormalisierung mit einer Erhöhung des Einlagenzinssatzes um 20 Basispunkte dürfte frühestens Mitte 2019 einsetzen. Erst Ende 2019 sollte ein weiterer Schritt beim Einlagenzins die Phase der Negativzinsen nach fünf Jahren beenden. Dann ist auch eine Anhebung des Refinanzierungssatzes auf 0,25 Prozent wahrscheinlich.

Viel Schwung auch in Österreich
Im günstigen globalen Umfeld hat die österreichische Wirtschaft 2017 positiv überraschen können. „In Österreich hat sich 2017 das Wirtschaftswachstum auf 3 Prozent beschleunigt, angetrieben von einem außergewöhnlich starken Investitionsboom und der anhaltenden Stärke des Konsums. In Kombination mit der kräftigen Unterstützung durch die globale Nachfrage sorgte die starke Inlandsnachfrage für das höchste Wachstumstempo seit 10 Jahren“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Der Anstieg des aktuellen UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators auf 4,5 Punkte lässt erwarten, dass die österreichische Wirtschaft viel Dynamik aus 2017 auch ins Jahr 2018 mitnimmt und den Aufschwung fortsetzen kann. Die Inlandsnachfrage wird auch 2018 und 2019 die treibende Kraft der österreichischen Wirtschaft bleiben, wenn sich auch Konsumdynamik und vor allem das Investitionswachstum etwas verlangsamen dürften. Neben der guten Stimmung unter den Unternehmen, insbesondere in der Kapitalgütererzeugung und am Bau, wird die Investitionstätigkeit 2018 aber weiterhin durch eine Kombination aus steigender Profitabilität und solider Liquidität der Unternehmen gestützt sowie von den günstigen Finanzierungsbedingungen unterstützt. Zudem liegt die Kapazitätsauslastung mittlerweile deutlich über dem langjährigen Durchschnittswert, was auf bevorstehende Erweiterungsinvestitionen schließen lässt.

Verbesserung am Arbeitsmarkt stärkt Konsum
Dem privaten Konsum werden 2018 zwar voraussichtlich frische fiskalische Impulse wie durch die letzte Steuerreform fehlen, doch spricht die fortgesetzte Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt für eine weitgehend anhaltende Stärke. „Auch in den beiden kommenden Jahren ist angesichts der guten Konjunktur mit hohen Beschäftigungszuwächsen zu rechnen, die trotz steigendem Arbeitskräfteangebot die Arbeitslosigkeit in Österreich verringern. Nach durchschnittlich 8,5 Prozent im Jahr 2017 wird die Arbeitslosenquote 2018 weiter auf 8,1 Prozent und 2019 auf 8 Prozent sinken“, meint Pudschedl.

Höhere Inflation belastet Reallohnentwicklung und Konsum
Neben der Entspannung am Arbeitsmarkt haben auch Lohnzuwächse die Konsumentenstimmung in Österreich ins Positive gedreht. Allerdings bremst die vergleichsweise hohe Inflation die Reallohnentwicklung und belastet auch in den kommenden Jahren den Konsum. Die Inflation ist in Österreich seit dem Ende der Finanzkrise kumuliert um rund 17 Prozent gestiegen, in Deutschland hingegen nur um 11 Prozent.

Diese Differenz schlägt sich bei weitgehend ähnlicher Nominallohnentwicklung in einem geringeren Reallohnwachstum in Österreich nieder. Ein Inflationsaufschlag gegenüber Deutschland ist auch in den kommenden Jahren zu erwarten. „Die Teuerung wird in Österreich 2018 bei 2,1 Prozent verharren und 2019 nur geringfügig auf 1,9 Prozent sinken. Weiterhin ist der nachfrageseitige Aufwärtsdruck der Dienstleistungen der bestimmende Einfluss für den Inflationsaufschlag gegenüber Deutschland von rund einem halben Prozentpunkt“, so Pudschedl.

Angesicht der geringer werdenden Unterstützung durch die Inlandsnachfrage wird sich das Wachstumstempo der österreichischen Wirtschaft 2018/19 etwas verlangsamen. Der BIP-Anstieg bleibt mit 2,4 Prozent im Jahr 2018 und 2,0 Prozent 2019 jedoch weiter über dem Potenzialwachstum.

Tabellen (432;KB)

Rückfragen: UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel. +43 (0) 50505 - 41957
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at