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Presseinformation

23.11.2017

UniCredit Bank Austria Analyse:
Österreichischer Arbeitsmarkt würde von mehr Mobilität der Arbeitskräfte profitieren

  • Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage hinsichtlich Qualifikationen am österreichischen Arbeitsmarkt seit 2011 stabil
  • Übereinstimmung von Arbeitsangebot und –nachfrage zwischen den Bundesländern hat abgenommen
  • Um eine gleichmäßige Verteilung der Arbeitssuchenden auf die vorhandenen freien Stellen zu erreichen, müssten rund 30 Prozent der Arbeitssuchenden in andere Bundesländer ausweichen
  • Eine Steigerung der Mobilität von Osten nach Westen könnte die fehlende qualifikatorische Übereinstimmung in Teilsegmenten wie z.B. Tourismus, Handel und manchen Wirtschaftsdiensten besser ausgleichen

Die Konjunkturerholung schlägt sich mittlerweile spürbar positiv am österreichischen Arbeitsmarkt nieder. Vom Höchststand von 9,2 Prozent zu Beginn 2016 ist die Arbeitslosenquote bis Herbst 2017 auf saisonbereinigt 8,6 Prozent gesunken. Während die Anzahl der Arbeitssuchenden in diesem Zeitraum um knapp 20.000 Personen zurückgegangen ist, ist die Anzahl der offenen Stellen mit rund 24.000 stark gestiegen.

Damit ist am heimischen Arbeitsmarkt auf der einen Seite ein unverhältnismäßig starker Anstieg an offenen Stellen und auf der anderen Seite eine nur relativ langsam sinkende Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Erstmals seit 1990 nimmt die Anzahl an verfügbaren offenen Stellen stärker zu als die Anzahl an Arbeitssuchenden abnimmt. In einer neuen Analyse untersuchen die UniCredit Bank Austria Ökonomen was hinter dieser strukturellen Veränderung, einer offensichtlichen Verschlechterung der Übereinstimmung von Arbeitskräfteangebot und -nachfrage am österreichischen Arbeitsmarkt, steht.

„Die Verteilung des Arbeitskräfteangebots auf die Nachfrage zwischen den Bundesländern hat sich in den vergangenen fünf Jahren deutlich verschlechtert“, skizziert UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer die Hauptergebnisse der neuen Analyse. „Wir sehen hingegen keine Verschlechterung der Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage aufgrund mangelnder Qualifikationen in Österreich. Der sogenannte qualifikatorische Mismatch hat sich in den vergangenen fünf Jahren nicht verändert. Stark zugenommen hat nur der räumliche Mismatch, also die Verteilung zwischen den Bundesländern“, sagt Bruckbauer. Hintergrund ist der starke Anstieg des Arbeitskräfteangebots von 10 Prozent seit 2011, der auch für den langsamen Rückgang der Arbeitslosenquote mitverantwortlich ist.

Übereinstimmung zwischen Angebot und Nachfrage hinsichtlich Qualifikationen stabil
Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt aufgrund keiner, unzureichender oder ungeeigneter Ausbildung oder auch Überqualifizierung hat in Österreich seit dem Jahr 2011 nicht zugenommen. Der von den Ökonomen der Bank Austria berechnete Mismatch-Indikator liegt in diesem Zeitraum bei relativ stabilen 0,18. Das bedeutet, dass weiterhin etwas weniger als jeder fünfte Arbeitssuchende seinen Bildungsabschluss verändern müsste, um eine ausgeglichene Verteilung des Stellenandrangs über alle Bildungskategorien hinweg in Österreich zu erreichen.

Das Ausmaß des Missverhältnisses von Angebot und Nachfrage zwischen einzelnen Branchen in Österreich hat sich zwischen 2011 und 2017 ebenfalls kaum verändert. „Der Branchen-Mismatch, der auch als qualifikationsbedingtes Ungleichgewicht angesehen werden kann, ist in Österreich seit 2011 zwar angestiegen, jedoch nur geringfügig“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Ungleiche Verteilung der Arbeitssuchenden auf freie Stellen zwischen den Bundesländern gestiegen
Ein Blick auf die Bundesländer zeigt, dass der räumliche Mismatch innerhalb Österreichs hingegen gestiegen ist und ein beachtliches Ausmaß erreicht hat. Der dazu berechnete Indikator stieg nach Analyse der Ökonomen der UniCredit Bank Austria von 0,20 zu Beginn 2011 auf 0,29 im Herbst 2017.

„Ab 2010 und dann nochmals im Jahr 2015 hat der räumliche Mismatch in Österreich stark zugenommen. Trotz einer leichten Verbesserung im laufenden Jahr müssten im Herbst 2017 rund 30 Prozent der Arbeitssuchenden Österreichs, also fast 120.000 Personen, in einem anderen Bundesland einen Arbeitsplatz suchen, damit über alle Bundesländer hinweg eine gleichmäßige Verteilung des Stellenandrangs erreicht wäre“, meint Pudschedl.

Die Erhöhung des räumlichen Mismatch in Österreich wurde am stärksten durch die Entwicklung in Wien beeinflusst. Über 100.000 Personen, das ist rund zwei Drittel der Arbeitssuchenden Wiens müssten vom Wiener Arbeitsmarkt abwandern, um den Stellenandrang in der Bundeshauptstadt auf das durchschnittliche Niveau zu senken. Auch aus dem Burgenland (über 30 Prozent der Arbeitssuchenden), Kärnten (20 Prozent) und Niederösterreich (10 Prozent) müssten Arbeitssuchende in Bundesländer mit unterdurchschnittlichem Stellenandrang ausweichen, damit über alle Bundesländer Österreichs eine gleichmäßige Verteilung besteht.

Steigerung der Mobilität der Arbeitskräfte könnte besseren Ausgleich erzielen
Der Anstieg des räumlichen Mismatch zeigt sich vor allem auch in der Betrachtung nach Bildungskategorien und unterschiedlichen Branchen. Der Vergleich offener Stellen und Arbeitssuchender zeigt einen klaren Anstieg des räumlichen Mismatch zwischen den Bundesländern über fast alle Bildungskategorien, besonders ausgeprägt im Bereich der höheren Schulen und der tertiären Ausbildung.

„Der räumliche Mismatch hat auch bezogen auf Wirtschaftsbranchen in Österreich spürbar zugenommen, besonders deutlich in den Produktionssparten und am Bau. Der höchste räumliche Mismatch besteht derzeit jedoch im Dienstleistungssektor“, so Pudschedl. In den Servicebereichen müssten rund ein Drittel der Arbeitssuchenden in andere Bundesländer ausweichen, damit eine gleiche Verteilung des Stellenandrangs besteht. Insbesondere im Handel, Tourismus, Wirtschaftsdiensten und im Bereich Gesundheit und Soziales ist das Angebot und die Nachfrage am Arbeitsmarkt zwischen den Bundesländern seit 2011 auseinandergedriftet.

„Mit einer Steigerung der Mobilität der Arbeitskräfte könnte ein besserer Ausgleich von Arbeitskräfteangebot und –nachfrage zwischen den Bundesländern erzielt werden und damit auch fehlende qualifikatorische Übereinstimmung in Teilsegmenten ausgeglichen werden“, so Bruckbauer. Der durchschnittliche Stellenandrang liegt in Österreich im Herbst 2017 bei 6,7 Arbeitssuchenden pro freie Stelle. Nach einem Anstieg auf einen Wert von bis zu 16 im Jahr 2014 ist sie damit mittlerweile auf Vorkrisenniveau gesunken. Bei Berücksichtigung des starken Beschäftigungsanstiegs ist die Zunahme der offenen Stellen der vergangenen Monate demnach nicht ungewöhnlich.

„Beim Stellenandrang zeigt sich ein deutliches Ost-West-Gefälle. Eine Erhöhung der Mobilität von Arbeitssuchenden aus Wien, Niederösterreich, Burgenland und auch Kärnten in Richtung Westen könnte entscheidend dazu beitragen, den regionalen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in manchen Branchen, wie zum Beispiel im Tourismus, im Handel oder bei manchen Wirtschaftsdiensten zu mildern“, meint Bruckbauer abschließend. Damit wären zwei Fliegen auf einen Streich geschlagen, eine Entspannung der Lage am Arbeitsmarkt im Osten und eine raschere und qualitativ verbesserte Stellenbesetzung im Westen.

Tabelle

Die UniCredit Bank Austria Analyse „Mangel im Überfluss: Zunehmende Strukturprobleme am österreichischen Arbeitsmarkt?“ steht auf unserer Homepage zum Download zur Verfügung

Rückfragen: UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel. +43 (0) 50505 - 41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at