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21.11.2017

UniCredit Bank Austria Volkswirtschaft Bundesländeranalyse 1. Halbjahr 2017: Regional breit aufgestelltes Wachstum in Österreich

  • Hohes Wirtschaftswachstum in der ersten Jahreshälfte 2017 in allen Bundesländern aufgrund guter globaler Konjunktur und starker Binnennachfrage
  • Industriehochburgen Oberösterreich und Steiermark profitieren am meisten von der konjunkturellen Dynamik in den wichtigsten Exportmärkten
  • Anhaltende Erholung der Bauwirtschaft sorgte in Vorarlberg, Burgenland, Tirol, Kärnten und Wien für kräftigste Impulse
  • Einige Dienstleistungsbranchen erwiesen sich als stabile Wachstumsstützen, wovon vor allem Kärnten, Steiermark und Wien profitieren konnten
  • 2017 werden alle Bundesländer im Vergleich zum Vorjahr ein höheres Wirtschaftswachstum aufweisen, mit Steiermark und Oberösterreich an der Spitze
  • Im Gesamtjahr 2017 wird in allen Bundesländern die Arbeitslosenquote sinken: Stärkster Rückgang in Tirol und Steiermark

Österreich verzeichnete mit einem realen BIP-Anstieg von 2,9 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode die stärkste erste Jahreshälfte seit 2011. „Die hohe Dynamik der österreichischen Wirtschaft ist neben der hohen Inlandsnachfrage zu einem großen Teil auf die wiedererstarkte Auslandsnachfrage aufgrund der guten internationalen Konjunktur zurückzuführen. Unter diesen guten Rahmenbedingungen sollten 2017 alle Bundesländer ein stärkeres Wirtschaftswachstum aufweisen können als im Vorjahr“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Vom freundlicheren globalen Konjunkturumfeld profitieren vor allem die Bundesländer mit einer hohen Exportquote. Die Bauwirtschaft boomt in allen Bundesländern mit Wachstumsraten der abgesetzten Produktion im teilweise zweistelligen Bereich. Auch viele Tourismusregionen freuen sich über Nächtigungsrekorde.

Hohe Auslandsnachfrage bevorzugt Industrieregionen
Vom kräftigen Anstieg der Auslandsnachfrage profitieren die Industrieregionen mit einer hohen Exportquote überdurchschnittlich stark. Österreichweit rechnen die UniCredit Bank Austria Ökonomen mit einem Anstieg der Warenexporte 2017 von etwa acht Prozent im Jahresvergleich auf über 140 Milliarden Euro. „Über den heurigen Exportboom freuen sich vor allem die Bundesländer mit einer hohen Ausfuhrquote wie Oberösterreich, Steiermark und Vorarlberg“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Robert Schwarz. „Steiermark und Oberösterreich werden auch beim Wirtschaftswachstum mit 3,6 bzw. 3,5 Prozent für das Gesamtjahr 2017 die beiden Spitzenpositionen einnehmen.“ Die westlichsten Bundesländer Tirol und Vorarlberg werden ebenfalls ein überdurchschnittliches Wachstum verzeichnen, während das Burgenland, Kärnten und Niederösterreich in etwa dem erwarteten bundesweiten Anstieg von 3 Prozent folgen werden. Wien und Salzburg, die beiden Länder mit dem größten Dienstleistungsanteil an der gesamten Wertschöpfung, bilden mit einer Wachstumsrate von über 2,5 Prozent das Schlusslicht. Damit dürfte Salzburg mit dem schwächsten Wirtschaftswachstum 2017 von 2,6 Prozent immer noch einen höheren Anstieg verzeichnen als die beiden Spitzenreiter des Vorjahres Vorarlberg und Burgenland mit jeweils 2,4 Prozent Wachstum 2016.

Kräftiges Wachstum der Industrie
Die heimische Industrie erhöhte ihre reale Wertschöpfung im ersten Halbjahr 2017 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 5,8 Prozent. Bei einem Anteil von etwa 22 Prozent an der gesamten Wertschöpfung konnte die österreichische Industrie in der ersten Jahreshälfte 40 Prozent zum Gesamtwachstum der österreichischen Wertschöpfung beitragen. In Kärnten, Niederösterreich, Tirol, Steiermark, Oberösterreich und Vorarlberg war der konjunkturelle Rückenwind durch die Industrie besonders stark. Differenziert nach Branchen sind speziell die Metallindustrie, der Maschinenbau und die Elektronikindustrie für die positive Konjunkturentwicklung in der Sachgütererzeugung verantwortlich.

Bauboom in allen Bundesländern
Österreichweit stieg die Wertschöpfung im Bauwesen im ersten Halbjahr 2017 um über 4 Prozent real verglichen mit dem Vorjahr, wobei alle Bundesländer ein deutliches Plus erzielen konnten. Vorarlberg, Burgenland, Tirol, Kärnten und Wien profitierten überdurchschnittlich stark von der guten Baukonjunktur. Mit Ausnahme eines leichten Minus bei der abgesetzten Produktion im Tiefbau in Salzburg, Wien und Steiermark leisteten alle drei Teilbereiche – Hochbau, Tiefbau, Baugewerbe – einen positiven Beitrag zum Gesamtwachstum in den einzelnen Bundesländern.

Dienstleistungssektor mit unterdurchschnittlichem Wachstumsbeitrag
Nach dem der Dienstleistungsbereich im Vorjahr mehr als 70 Prozent zum Anstieg der österreichischen Wertschöpfung im Jahresvergleich beitrug, war der Anteil im ersten Halbjahr 2017 weniger als 40 Prozent. Überdurchschnittlich stark profitierten Tirol, Burgenland, Salzburg und Wien vom österreich-weiten Anstieg der Wertschöpfung von insgesamt 2,5 Prozent im Dienstleistungsteilbereich Handel, Verkehr und Gastronomie. Der Teilbereich Erbringung von technischen und sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen wie zum Beispiel die Überlassung von Arbeitskräften, Architektur- und Ingenieurbüros und Forschung & Entwicklung erwiesen sich als stabile Wachstumsstützen, wovon vor allem die Steiermark, Kärnten und Wien positiv betroffen waren.

„Die relative Schwäche des tertiären Sektors in der ersten Jahreshälfte 2017 sorgte dafür, dass das Gesamtwachstum in den dienstleistungsorientierten Bundesländern Salzburg und Wien unter dem bundesweiten Durchschnitt lag“, meint Schwarz.

Alle Bundesländer mit sinkenden Arbeitslosenquoten
Die bereits im zweiten Halbjahr 2016 begonnene Erholung am österreichischen Arbeitsmarkt setzte sich 2017 fort. Im Jahresdurchschnitt rechnen die UniCredit Bank Austria Ökonomen mit einer Verringerung der Arbeitslosenquote in Österreich auf 8,6 Prozent nach 9,1 Prozent im Vorjahr. „Erstmals seit 2007 werden im Gesamtjahr 2017 alle Bundesländer einen Rückgang der Arbeitslosenquote aufweisen können“, prognostiziert Schwarz. „Das zeigt wiederum die regionale Breite des österreichischen Wirtschaftswachstums.“

Der prozentuelle Rückgang der Arbeitslosenzahl fällt in Tirol und Steiermark am kräftigsten aus. Mit 5,4 Prozent sollte Salzburg aber weiterhin die niedrigste Arbeitslosenquote Österreichs ausweisen und Wien mit 13,1 Prozent die höchste. Differenziert nach Branchen fällt die Arbeitslosenzahl ebenfalls auf breiter Front, allen voran im Bau, in der Industrie, im Handel, in der Gastronomie und in der öffentlichen Verwaltung. Österreichweit erwarten die UniCredit Bank Austria Ökonomen für 2017 einen Anstieg der unselbständig Beschäftigten von 1,8 Prozent im Vorjahresvergleich. Den größten Anstieg der Beschäftigtenzahl wird es mit knapp über 2 Prozent in Tirol und Steiermark geben.

Tabellen

Rückfragen: UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Robert Schwarz, Tel. +43 (0) 50505 - 41974;
E-Mail: robert.schwarz@unicreditgroup.at