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Presseinformation

21.06.2016

UniCredit BREXIT-Analyse:
Was kommt nach der Abstimmung am Donnerstag?

• Eine Entscheidung für BREXIT würde die Wirtschaft des Vereinigten Königreiches in eine Rezession führen
• Im Falle eines BREXIT müsste der Euroraum 2017 mit zwischen einem ½ und 1 Prozent weniger Wachstum rechnen
• Österreichs Wirtschaft würde 2017 bei BREXIT statt 1,5 Prozent nur zwischen 1 und 0,5 Prozent wachsen
• BREXIT würde langfristige Zinsen nochmals leicht senken, den Pfund auf bis zu 0,90 zum Euro abwerten und zu einem starken Franken und Yen führen
• Bei „Remain“, also einer Entscheidung gegen BREXIT ist mit einer deutlichen Erholung vieler Vermögenswerte zu rechnen

Weiterhin erwartet der Finanzmarkt mehrheitlich, dass sich „Remain“ durchsetzen wird. Die letzten Umfragen zeigen in diese Richtung, d.h. das Vereinigte Königreich bleibt weiterhin Teil der EU. Jedoch besteht auch die Gefahr, dass sich die BREXIT-Befürworter knapp durchsetzen. Dies würde enorme Unsicherheit bedeuten, die sich bei einem sehr knappen Entscheid für einen BREXIT sogar noch erhöhen würde. In diesem Fall müsste das Parlament, das sich zu rund 70 Prozent für den Verbleib ausgesprochen hat, für den Austritt stimmen. Im Falle eines knappen Sieges für den Verbleib dürften die Unsicherheiten deutlich geringer sein.

Im Falle des Verbleibs des Vereinigten Königreichs in der EU erwarten die Ökonomen der UniCredit in einer Analyse – „Brexit special: possible consequences of the referendum“ , dass sich die Wirtschaft auf der Insel im zweiten Halbjahr etwas beschleunigt. In Summe erwarten die Ökonomen sowohl heuer als auch 2017 rund 2 Prozent reales Wachstum für das Vereinigte Königreich. Im Falle des Ausstiegs wird es jedoch zu großen politischen Unsicherheiten kommen, beginnend mit einem wahrscheinlichen Rücktritt der Regierung Camerons. In diesem Fall erwarten die Ökonomen der UniCredit eine Rezession, also zumindest zwei Quartale mit negativem Wachstum innerhalb der nächsten zwei Jahre – in Summe null Wachstum 2017 und einen Rückgang des Pfunds zwischen 10 und 15 Prozent, womit gleichzeitig die Inflation auf über 3 Prozent steigen dürfte. Die Bank of England dürfte die Zinsen auf null, nicht jedoch ins Negative, reduzieren.
„Sollte sich das Vereinigte Königreich für einen Ausstieg aus der EU entscheiden, hätte dies zumindest auch kurzfristig negative Folgen für den Euroraum“ so UniCredit Chefvolkswirt Erik Nielsen und schätzt, dass damit die Prognose für das Wachstum 2017 für den Euroraum von derzeit 1,6 Prozent auf zwischen 1,0 und 0,5 Prozent reduziert werden müsste. Das Vereinigte Königreich ist der zweitwichtigste Handelspartner des Euroraums mit 13,5 Prozent des Extra-Euroraum-Handels – knapp hinter den USA.

Brexit würde Euroraum-Peripherie stärker betreffen als die Kernländer
Die Betroffenheit der einzelnen Länder des Euroraumes wäre unterschiedlich, grundsätzlich dürften die Kernländer etwas weniger betroffen sein als die Peripherie. UniCredit Research erwartet für Deutschland eine Prognoseänderung für das Wirtschaftswachstum für 2017 von derzeit 1,4 Prozent auf zwischen 0,9 und 0,4 Prozent, für Frankreich von 1,3 Prozent auf ebenfalls zwischen 0,9 und 0,4 Prozent, Italien von 1,2 Prozent auf 0,7 bis 0,2 Prozent und für Spanien von 2,4 Prozent auf 1,8 bis 1,3 Prozent.

„Für Österreich müssten wir im Falle eines BREXIT unsere Prognose für 2017 von derzeit 1 ½ Prozent um zwischen ½ und 1 Prozent reduzieren“ so Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der Bank Austria. Für Österreich ist England der acht wichtigste Exportpartner, gerechnet nach Wertschöpfung sogar das sechst wichtigste Exportland, nach Deutschland, USA, Italien, Frankreich und China. „Rund 1 ½ Prozent des österreichischen BIP hängen am Export ins Vereinigte Königreich. Jedoch wären die indirekten Effekte über unsere wichtigen Exportpartner wie Deutschland, Frankreich aber auch CEE mindestens genauso negativ für Österreichs Wirtschaft wie die direkten Effekte“ meint Bruckbauer.

Abhängig von der Reaktion der Märkte in den einzelnen Vermögensklassen würde auch die EZB intervenieren. Sehr wahrscheinlich jedoch nur verbal, um ihren Auftrag der ordnungsgemäßen Umsetzung der Geldpolitik zu erfüllen, vor allem durch genügend Liquidität für das Bankensystem. Auch weitere Käufe von Wertpapieren wären möglich, im Extremfall sogar von unbesicherten Bankanleihen. Eine weitere Senkung des Einlagezinssatzes erscheint jedoch unwahrscheinlich. Auch die USA wären negativ betroffen, allerdings etwas weniger stark im Ausmaß von ¼ bis ½ Prozentpunkt Wachstumsreduktion. Auch könnte die nächste Zinserhöhung durch die Fed zumindest bis Dezember verschoben werden.

Hinsichtlich der CEE-Länder wäre die Betroffenheit unterschiedlich, jedoch etwas größer als für den Euroraum. Die Ökonomen der UniCredit gehen davon aus, dass vor allem die sehr offenen Volkswirtschaften wie Tschechien und Ungarn und jene, die angespannte Haushaltssituationen haben (etwa Serbien oder Kroatien) etwas stärker betroffen wären. Die erste Gruppe mit negativen Wachstumseffekten von etwas weniger als ein Prozent bis Ende 2017, die zweite Gruppe mit etwas mehr als ein Prozent. Der negative Effekt auf die Türkei könnte weniger als ½ Prozent betragen. Russland wäre nur wenig von einem BREXIT betroffen.

Sollten das Vereinigte Königreich in der EU verbleiben, sollten sich die langfristigen Zinsen im Euroraum wieder erkennbar nach oben bewegen, in etwa auf das Niveau von Ende Mai mit zwischen 0,15 und 0,30 Prozent statt der derzeit phasenweise negativen Rendite für deutsche Bundesanleihen. Im weiteren Jahresverlauf könnten die Renditen dann noch etwas weiter steigen. Auch sollte sich die Differenz zwischen Kern und Peripherie wieder reduzieren. Auch die Zinsdifferenz zwischen der österreichischen und deutschen Staatsanleihe sollte wieder ein paar Basispunkte kleiner werden. Sollte das BREXIT-Lager gewinnen, könnte es bei den Renditen nochmals leicht nach unten in Richtung -0,2 bis -0,3 Prozent bei der deutschen Staatsanleihe gehen. Auch die Differenz zwischen Kern und Peripherie würde sich weiter vergrößern. Sollte allerdings die Differenz zu groß werden, könnte die EZB intervenieren. Dies erscheint jedoch eher unwahrscheinlich.

Im Falle des Verbleibs dürfte der Pfund stark an Wert zulegen, auch der Euro sollte zum USD an Wert gewinnen, Franken und Yen an Wert verlieren. Sollte BREXIT gewinnen, dürfte der Pfund deutlich und über längere Zeit unter Druck kommen. Vor allem die Volatilität würde deutlich zunehmen wovon vor allem der USD und Währungen wie Franken und Yen profitieren würden. Bis zum Jahresende könnte der Pfund bis auf 0,90 zum Euro abwerten, derzeit 0,77. Der Euro zum USD könnte in den Bereich 1,10 bis 1,12 abwerten (derzeit 1,13).

In Summe würden sich bei „Verbleib“ insgesamt die Stimmungsindikatoren auch im Euroraum verbessern und risikoreichere Vermögensklassen profitieren, das Gegenteil gilt für den Fall des BREXIT. „Auch wenn Österreich etwas unterdurchschnittlich von BREXIT betroffen wäre, würde weniger Wachstum zwischen ½ und 1 Prozent 2017 fast ein verlorenes Jahr bedeuten“ meint Bruckbauer und ergänzt „Mittelfristig würden die Folgen eines BREXIT für Österreichs Wirtschaft jedoch überschaubar bleiben, abhängig natürlich von den politischen Folgen einer solchen Entscheidung“. Dass die Wirtschaft des Euroraums oder von CEE durch eine BREXIT-Entscheidung deutlich ins Straucheln kommen könnte oder gar die Erholung dauerhaft dadurch gefährdet werde, glauben die Ökonomen der UniCredit nicht.

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Stefan Bruckbauer, Tel. +43 (0) 50505 - 41951;
E-Mail: stefan.bruckbauer@unicreditgroup.at