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Presseinformation

19.02.2015

Branchenbericht der Bank Austria Volkswirtschaft:
Strukturwandel bei Österreichs Druckereien hält an

  • 2014 verbuchten die Druckereien ein Umsatzminus von 1 Prozent; das Umsatzvolumen fiel unter 2,3 Milliarden Euro
  • Beschäftigung ist 2014 um 6 Prozent gesunken, in den letzten zehn Jahren insgesamt um fast ein Drittel
  • Druckereien leiden vor allem unter der schwachen Inlandsnachfrage aber auch unter wachsendem Importdruck; hohe Kosten gefährden die Wettbewerbsfähigkeit
  • Trotz Verbesserung der Ertragslage ist die Branche wirtschaftlich noch nicht stabil
  • 2015 sind weitere Umsatzeinbußen vor allem aufgrund der schwachen Werbekonjunktur wahrscheinlich

Im Geschäftsjahr 2014 verbuchten Österreichs Druckereien das vierte Jahr in Folge ein rückläufiges Produktions- und Umsatzergebnis. Die Produktionsleistung der Branche ist vorläufig um 2 Prozent, der Branchenumsatz um rund 1 Prozent auf unter 2,3 Milliarden Euro gefallen. Zudem verringerte sich die Beschäftigung um fast 6 Prozent. Der aktuelle Branchenbericht der Bank Austria zu den österreichischen Druckereien und dem Verlagswesen zeigt, dass der Strukturwandel der Druckereien auch nach zwei Jahrzehnten kaum an Tempo eingebüßt hat. Etwa seit Mitte der 80er Jahre hat die Branche durch die Verbreitung immer leistungsfähigerer digitaler Technologien sukzessive Aufträge verloren. In den letzten zehn Jahren ist die Beschäftigung in der Branche um ein Drittel auf 10.700 Personen gesunken.

Dazu Bank Austria Ökonom Günter Wolf: "Den Druckereien in Österreich macht zusätzlich zur schwachen Nachfrage im Inland seit Jahren der wachsende Konkurrenzdruck aus den Nachbarländern zu schaffen. Es werden immer mehr Druckaufträge aus Österreich ins Ausland vergeben". Bis November 2014 sind die Importe sonstiger Druckerzeugnisse, vor allem sind das Werbematerialien und Kataloge, um 8,6 Prozent auf 333 Millionen Euro gestiegen, während der Import von Druck- und Verlagsprodukten insgesamt um 1,5 Prozent auf 822 Millionen Euro gesunken ist. Das zusätzliche Importvolumen von 25 Millionen Euro stammt überwiegend aus Tschechien, Slowenien, und Deutschland..

Die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Druckereien leidet vor allem unter dem hohen Kostenniveau. 2012 lagen die Lohnkosten pro Druckereibeschäftigtem in Österreich bei durchschnittlich 48.000 Euro, in Deutschland bei 36.000 Euro, in Slowenien bei 17.000 Euro und in Tschechien bei 11.000 Euro. Für die hohen Kostenunterschiede dürften zum Teil strukturelle Unterschiede verantwortlich sein, die auch die relativ hohen Gewinne der österreichischen Druckereien im internationalen Branchenvergleich erklären. Die Branche verbuchte im Bilanzjahr 2012 eine Umsatzrentabilität von 2,3 Prozent, die deutschen Druckereien 1,6 Prozent (Daten für Tschechien und Slowenien stehen keine zur Verfügung).

Zwar hat sich die Ertragslage der Druckereien in Österreich schon verbessert, jedoch ist die Branche in noch keiner stabilen wirtschaftlichen Situation. Bank Austria Ökonom Günter Wolf: "Die Analyse der Bilanzen österreichischer Druckereien aus dem Sample der KMU Forschung Austria für 2012/2013 zeigt, dass zusätzlich zu den Erträgen auch die durchschnittliche Eigenkapitalausstattung der Unternehmen in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen ist. 2009 betrug diese 19 Prozent, aktuell rund 30 Prozent. Allerdings ist der Anteil überschuldeter Betriebe mit 30 Prozent ebenso wie der Anteil der Betriebe mit einem negativen Betriebsergebnis mit 39 Prozent weiterhin sehr hoch."

2015 sind weitere Rückschläge im Druckgewerbe zu erwarten
Der wirtschaftliche Erfolg der Druckereien hängt wesentlich von den Werbeausgaben für Druckaufträge ab. Wolf von der Bank Austria: "Knapp 60 Prozent der Bruttowerbeausgaben in Österreich beziehungsweise mehr als 2 Milliarden Euro fließen zu 'druckereirelevanten' Medien, wo sie über Inserate indirekt die Auflagenzahlen der Zeitungen und Magazine beeinflussen oder direkt für den Druck von Prospekten, Zeitungsbeilagen oder Plakaten verwendet werden. Entsprechend sensibel reagieren die Druckbranche wie die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage auf Schwankungen der Werbekonjunktur beziehungsweise auf die sukzessive Abkühlung der Werbeausgaben in 'druckrelevanten' Medien." Von 2002 bis 2012 sind die Ausgaben um durchschnittlich 5 Prozent im Jahr gestiegen, 2013 nur mehr um 1,3 Prozent und 2014 sind die Werbeausgaben im Segment erstmals seit Vorliegen der Statistik gesunken - um 1,7 Prozent.

Die Aussichten für 2015 sind kaum erfreulicher. Das Wirtschaftswachstum in Österreich bleibt trotz Unterstützung von der Euro-Schwäche und günstigen Rohstoffpreisen unter 1 Prozent und dämpft in weiterer Folge die Erwartungen der Werbewirtschaft. Voraussichtlich werden die Werbeetats in Summe nur geringfügig aufgestockt und davon wird zudem ein Teil zu Online-Medien umgeschichtet. Das heißt, dass der Zeitungswerbemarkt und mit ihm die Druckereien mit weiteren Nachfrage- und Produktionseinbußen rechnen müssen.

Trübe aber nicht aussichtlose Perspektiven
Das Internet wird in Zukunft weitere Anteile zulasten der Printmedien gewinnen. Auch wenn in erster Linie E-Mails versendet und Einkäufe getätigt werden und erst ein Drittel der User regelmäßig auf Online-Zeitungsinhalte zugreift, haben die Printmedien viele Inhalte und Dienstleistungen, die online oft kostenlos angeboten werden, längst an das Netz verloren. Dies führt zu weiteren Marktbereinigungen in beiden Branchen. "Trotzdem werden Österreichs Buch- und Zeitungsverlage in Zukunft nicht nur Nischenprodukte sondern auch Massenmedien verlegen und drucken. Ebenso werden verlagsunabhängige Druckereien weiterhin Aufträge erhalten, unter der Voraussetzung, dass sie ausreichend Kundenservice anbieten", fasst Bank Austria Ökonom Günter Wolf zusammen.

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Günter Wolf, Tel.: +43 (0) 50505 - 41954;
E-Mail: guenter.wolf@unicreditgroup.at