UniCredit Bank Austria UniCredit Bank Austria
Wir sind für Sie da
VideoTelefonie testen
Allgemeine Anfragen
Kartensperren
UniCredit Bank Austria UniCredit Bank Austria
Wir sind für Sie da
VideoTelefonie testen
OnlineBanking | BusinessNet
Vorlesen

Presseinformation

10.12.2014

Bank Austria Konjunktureinschätzung für 2015/2016:
2015/16 bringt etwas höheres Wachstum, aber Österreich braucht neues, nachhaltiges Wachstumsmodell

  • Nach Miniwachstum 2014 von 0,2 Prozent, höherer BIP-Anstieg 2015 mit 0,7 Prozent und 2016 mit 1,5 Prozent erwartet
  • Fünf Konjunkturstützen: Weltweiter Nachfrageanstieg, schwächerer Euro, billigeres Öl, auslaufende Haushaltssanierung in Europa und neue monetäre Impulse
  • Österreich hat Wachstumsvorsprung gegenüber Euroraum verloren – bisheriges Wachstumsmodell muss nachgeschärft werden

Die Hoffnung auf ein spürbares Wirtschaftswachstum im Jahr 2014 ist im Fahrwasser des nachlassenden Rückenwinds aus den Wachstumsmärkten und des Ukraine-Konflikts mit Russland geplatzt. Die Erholung im Euroraum hielt zwar an, doch die zusätzlichen Belastungen bremsten die österreichische Wirtschaft ein. "Wir gehen für 2014 von einem Miniwachstum von 0,2 Prozent in Österreich aus. Damit ist der BIP-Anstieg gleich hoch wie 2013. Aber der seit vielen Jahren gewohnte Wachstumsvorsprung gegenüber dem Euroraum ist verloren gegangen", analysiert Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Das Wirtschaftswachstum im Euroraum schätzen die Ökonomen der Bank Austria 2014 auf 0,8 Prozent.

Während der Euroraum im Jahr 2014 auf den Wachstumspfad zurückgekehrt ist, kann die heimische Wirtschaft das Erholungstempo in Europa nicht mehr mithalten. Österreich weist in den ersten drei Quartalen 2014 mit einem Plus um 0,4 Prozent im Jahresvergleich eine der geringsten Wachstumsraten im gesamten Euroraum auf. Nur Frankreich, Finnland und Italien liegen noch weiter zurück. In Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner, war der BIP-Anstieg mit 1,6 Prozent dagegen viermal höher als in Österreich.

Hinter dem flauen Wachstum in Österreich steht zu einem geringen Teil eine schwache Inlandsnachfrage, vielmehr aber sind es die Exporte, die in Österreich mittlerweile nicht mehr zum Wachstum beitragen. Im Vergleich mit Deutschland zeigt sich schon seit etwa drei Jahren eine klar geringere Exportdynamik, die 2014 in Österreich sogar völlig eingebrochen ist. Doch die heimischen Exporteure haben in Deutschland selbst kaum Marktanteile eingebüßt. Die österreichische Wirtschaft deckt weiterhin mehr als 4 Prozent der deutschen Importnachfrage ab. Dagegen wird der österreichische Außenhandel vor allem durch die träge Nachfrage aus Italien, den mittel- und osteuropäischen Ländern und Russland belastet. Länder, wie China, Großbritannien, die USA oder die Schweiz befinden sich in einer konjunkturell günstigeren Lage und entwickeln eine entsprechend stärkere Importnachfrage. "Unsere Analyse lässt darauf schließen, dass die Exportschwäche, die die derzeitige Konjunkturflaute in Österreich wesentlich prägt, kaum direkt auf strukturelle, durch preisliche oder qualitative Faktoren bedingte Probleme zurückzuführen ist, sondern durch den derzeit 'ungünstigen' Mix der Exportmärkte verursacht ist", meint Bruckbauer.

Neues Wachstumsmodell für Österreich?
Ein Anspringen der Konjunktur in wichtigen Exportmärkten Österreichs alleine garantiert jedoch keine Rückkehr zu – im Vergleich zum Euroraum – überdurchschnittlich hohen BIP-Anstiegsraten in Österreich. "In den mittel- und osteuropäischen Ländern entwickelt sich ein nachhaltigeres, ausbalancierteres Wachstumskonzept. Eine dauerhaft schwächere Importdynamik ist die Folge. Damit verliert Österreich aber zukünftig die Basis für den Wachstumsvorsprung gegenüber dem Euroraum. Das bisherige Wachstumsmodell muss daher überdacht werden", meint Bruckbauer. Für Österreich ist es an der Zeit, seine Exportwirtschaft nicht nur, aber auch regional neu auszurichten. Das heißt dass der Exportfokus zusätzlich zu Osteuropa auch auf wachstumsstarke Regionen wie etwa den asiatischen oder lateinamerikanischen Raum ausgedehnt werden muss. Auch sollte vermehrt Gewicht auf die Inlandsnachfrage als Wachstumsträger gelegt werden, um nicht dauerhaft hinter die Wachstumsraten im Euroraum zu fallen.

Fünf gute Gründe für mehr Wachstum 2015
Die österreichische Wirtschaft befindet sich Ende 2014 in einer Stagnationsphase und derzeit sind keine Signale für eine maßgebliche Aufhellung der Konjunktur vorhanden. "Wir gehen aber davon aus, dass verbesserte Rahmenbedingungen 2015 die Voraussetzung für eine allmähliche Konjunkturaufhellung schaffen", meint Bruckbauer. Mit 0,7 Prozent wird das Wirtschaftswachstum 2015 jedoch weiterhin nur moderat ausfallen und auch für 2016 wird die österreichische Wirtschaft mit einem Anstieg des BIP um 1,5 Prozent ihr Potenzial nicht ausschöpfen können. "Nach unserer Ansicht gibt es zumindest fünf gute Gründe warum 2015 besser werden wird als 2014. Die leichte Steigerung der weltweiten Nachfrage unterstützt durch den schwächeren Euro und niedrigere Ölpreise, sowie fiskalische und monetäre Impulse in der Pipeline werden ein höheres Wirtschaftswachstum ermöglichen", ist Bruckbauer überzeugt.

Globale Wirtschaft mit mehr Schwung
"Zum ersten, wird die globale Wirtschaft 2015 mehr Unterstützung bieten. Die Wachstumsaussichten für die US-Wirtschaft sind mit einem BIP-Anstieg von 3 Prozent sehr robust und auch die Erholung der europäischen Wirtschaft, angetrieben von Deutschland, setzt sich geringfügig schwungvoller fort", fasst Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl zusammen. Zudem weisen die Vorzeichen darauf hin, dass die italienische Wirtschaft ein moderates Wachstum erreichen kann. Die Ökonomen der Bank Austria gehen in Italien von einem Anstieg des BIP um 0,5 Prozent aus. Der aktuelle Bank Austria Konjunkturindikator vom November ist auf 0,3 Punkte gestiegen und zeigt damit bereits einen kleinen Ausschlag nach oben. Basierend auf der Verbesserung der Stimmung in der europäischen Industrie hat er den Jahrestiefpunkt hinter sich gelassen.

Haushaltssanierung im Euroraum fast abgeschlossen
"Zum zweiten, ist nach den großen Anstrengungen im Euroraum zur Konsolidierung der Staatsfinanzen mittlerweile keine Sanierung der öffentlichen Haushalte mehr nötig. Während im Zeitraum 2010 bis 2013 die Budgets um durchschnittlich 1,2 Prozentpunkte des BIP zurückgefahren wurden, ist für 2014 und 2015 nur noch eine Anpassung um 0,15 Prozentpunkte geplant. Das bedeutet, dass sich "automatisch" ein positiver Nachfrageeffekt von fast einem Prozentpunkt des BIP in Europa ergibt", so Bruckbauer. Mit Wachstumseffekten durch diskretionäre Maßnahmen ist 2015 dagegen noch kaum zu rechnen, auch nicht in Österreich.

Die diskutierte Einkommenssteuerreform kann selbst bei aufkommensneutraler Ausgestaltung positive Konjunktureffekte auslösen und vor allem dabei helfen die pessimistische Grundstimmung unter den österreichischen Verbrauchern zu überwinden. Allerdings wird eine Umsetzung zu spät erfolgen, um im Jahr 2015 noch spürbare Effekte zu erzielen.

2014 ist durch die schwache Konjunktur und die Ausweitung des Arbeitskräfteangebots in Österreich die Arbeitslosenquote auf 5 Prozent nach Eurostat angestiegen. Im Euroraum und auch in Deutschland ist dagegen die Arbeitslosenquote gesunken. Österreich hat seine Position als Land mit der niedrigsten Arbeitslosenquote an Deutschland verloren und ist nun eines von nur noch sechs Ländern des Euroraums mit steigender Arbeitslosigkeit. "Für 2015 erwarten wir einen weiteren Anstieg der Arbeitslosenquote auf 5,1 Prozent bzw. gemäß der nationalen Methode auf 8,6 Prozent. Wir sind optimistisch, dass in der zweiten Jahreshälfte 2015 eine Trendwende einsetzen wird, dazu muss sich jedoch der Anstieg des Arbeitskräftepotenzials verlangsamen und die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte an Schwung gewinnen", so Pudschedl.

Schwächerer Euro bringt Unterstützung
Zum Dritten, wird der schwächere Euro der heimischen Exportwirtschaft einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. "Im Jahresdurchschnitt 2015 wird der Wechselkurs des Euro zum US-Dollar mit 1,18 um mehr als 10 Prozent tiefer als im Jahr 2014 sein. Daraus ergibt sich ein positiver Wachstumseffekt von mehr als 0,3 Prozentpunkten für das Jahr 2015 in Österreich", rechnet Bruckbauer vor.

Billigeres Öl senkt Inflation 2015 spürbar
Zum Vierten, ist angesichts der weltweit geringeren Nachfragedynamik und des Angebotsüberhangs durch die gesteigerte Ölförderung in den USA davon auszugehen, dass Rohöl zumindest bis Mitte nächsten Jahres günstig bleibt und erst danach langsam wieder mit steigenden Weltmarktpreisen zu rechnen ist. Im Jahresdurchschnitt bedeutet dies, dass Rohöl mit durchschnittlich 75 USD pro Barrel um 25 Prozent billiger sein wird, als im Jahr 2014.

Gerechnet in Euro ergibt sich trotz der Wechselkursänderung eine Verbilligung um 15 Prozent, die auf die Preise durchschlagen wird und für Österreich einen positiven Wachstumseffekt von rund 0,2 Prozentpunkten im Jahr 2015 erwarten lässt. Jeder österreichische Haushalt erspart sich durch den niedrigeren Ölpreis im kommenden Jahr rund 150 Euro an Treibstoffkosten. Für die rund 20 Prozent der Haushalte, die Ölheizungen verwenden, ergibt sich eine finanzielle Entlastung durch den niedrigeren Heizölpreis von jeweils sogar mehr als 150 Euro pro Jahr zusätzlich.

"Der niedrigere Ölpreis wird die heimische Inflationsentwicklung insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2015 spürbar dämpfen. Nach durchschnittlich 1,6 Prozent im Jahr 2014 erwarten wir einen Rückgang der Teuerung auf 1,3 Prozent im Jahr 2015", so Pudschedl. Damit wird die Teuerung in Österreich allerdings weiterhin spürbar über dem Vergleichswert im Euroraum liegen und auch weiter höher als im Nachbarland Deutschland sein. Seit der Wirtschaftskrise sind in Österreich die Preise um mehr als 3 Prozentpunkte stärker gestiegen als in Deutschland. Am Inflationsdifferential von 0,7 Prozentpunkten zu Deutschland wird sich auch 2015 nichts ändern.

Von niedrigen Zinsen und lockerer Geldpolitik darf nicht zuviel erwartet werden
Letztlich wird auch die lockere Geldpolitik im Jahr 2015 die Konjunkturentwicklung unterstützen, allerdings sind die möglichen Effekte relativ zurückhaltend einzuschätzen. Der Transmissionsmechanismus stockt, die Geldpolitik in Europa scheint fast am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen zu sein. Auch neue unkonventionelle Maßnahmen, wie der Aufkauf von Staatsanleihen wird voraussichtlich wenig Hilfe bieten. Durch die die Umsetzung der Bankenunion ist etwas Entspannung zu erwarten, doch neue Regulatorien, wie die Basel III Bestimmungen werden belasten und die Finanzierung der Wirtschaft durch die Banken erschweren. In diesem Umfeld ist 2015 in Europa mit einem anhaltend niedrigen kurzfristigen Zinsniveau zu rechnen. Die längerfristigen Zinsen sollten im späteren Jahresverlauf nach oben tendieren.

Alles in allem sind die Rahmenbedingungen für ein höheres Wachstum 2015 besser als erwartet, dazu tragen die globale Konjunktur, der schwächere Euro, der niedrigere Ölpreis, weniger Haushaltskonsolidierung und die niedrigen Zinsen bei. Allerdings sitzt der Pessimismus tief und erhöht die Anfälligkeit der Erholung für Risikofaktoren. Daher sollte die Wirtschaftspolitik nach Jahren mit wachstumshemmender Politik (Haushaltskonsolidierung, Regulierung) auf wachstumsfördernd umschalten. Auch Österreich muss sein Wachstumsmodell nachschärfen, da es vor der Krise stark von Ungleichgewichten in CEE profitierte, die in den nächsten Jahren nicht mehr zu erwarten sind. Osteuropa hat stark zu Österreichs Wachstumsvorsprung vor der Krise beigetragen. Auch in Zukunft wird Osteuropa ein wesentlicher Wachstumstreiber für Österreichs Konjunktur sein. Damit Österreich stärker als andere Euroländer wachsen kann, muss der Exportfokus neben Osteuropa aber auch auf andere wachstumsstarke Regionen ausgedehnt und vermehrt der Inlandsnachfrage als Wachstumsträger Bedeutung zugemessen werden.

Tabellen (PDF; 108 KB)

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel. +43 (0) 50505 - 41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at