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Presseinformation

22.10.2014

Bank Austria Bundesländer-Konjunkturanalyse:
Vorarlberg bremst den Rest Österreichs aus

  • Konjunktur in den österreichischen Bundesländern erholte sich im ersten Halbjahr 2014 moderat
  • Aufwind in der Industrie belebte regionale Wirtschaft: überdurchschnittliche Wachstumsdynamik in Vorarlberg, im Burgenland und in Oberösterreich
  • Konjunkturabkühlung zu Herbstbeginn, dennoch Wirtschaftswachstum 2014 in den meisten Bundesländern höher als im Vorjahr erwartet
  • Wachstumsspitze 2014: Vorarlberg löst das Burgenland ab
  • Lage am regionalen Arbeitsmarkt verschärft sich weiter, nur in Vorarlberg zeigen sich Anzeichen einer Stabilisierung: Oberösterreich und Salzburg mit niedrigster Arbeitslosenquote 2014 (5,7 Prozent), Wien bleibt mit 11,5 Prozent "Spitzenreiter"
  • Exportorientierte Bundesländer 2015 mit leichten Vorteilen: Erholung könnte 2015 wieder an Fahrt gewinnen, wenn Nachfrageimpulse aus dem Ausland Exporte und Investitionen beleben

Die österreichische Wirtschaft entwickelte sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen im ersten Halbjahr 2014 leicht nach oben. Die globale Nachfrage unterstützte eine moderate Belebung der Exportwirtschaft und sorgte für einen Aufwärtstrend der Investitionen in den ersten Monaten des Jahres. Frischer Wind im Einzelhandel stärkte im Frühjahr den privaten Konsum, unterstützt durch eine zwischenzeitliche Stabilisierung der Lage am Arbeitsmarkt, die jedoch den günstigen Wetterbedingungen geschuldet war. Die Erwartung einer spürbaren Belebung der Konjunktur in Österreich erfüllte sich im zweiten Quartal 2014 allerdings nicht. Das Wirtschaftswachstum erhöhte sich nur geringfügig von 0,1 Prozent zu Jahresbeginn auf 0,2 Prozent zum Vorquartal, wobei die Auslandsnachfrage nicht weiter in Schwung kam und vor allem die Investitionen wieder abflauten.

In erster Jahreshälfte wuchs Wirtschaft in 4 Bundesländern stärker als in Gesamtösterreich
„Im ersten Halbjahr 2014 ist die österreichische Wirtschaft um 0,3 Prozent im Jahresvergleich gewachsen. Vorarlberg, aber auch das Burgenland, Oberösterreich und die Steiermark haben sich in dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld überdurchschnittlich gut behaupten können. Wien und Kärnten lagen im Österreich-Durchschnitt. Dagegen blieb die wirtschaftliche Entwicklung in Tirol, Salzburg sowie in Niederösterreich hinter jener in Gesamtösterreich zurück“, fasst Chefökonom Stefan Bruckbauer die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturanalyse der Bank Austria zur wirtschaftlichen Entwicklung in den österreichischen Bundesländern im ersten Halbjahr 2014 zusammen.

Lebenszeichen der Industrie in erster Jahreshälfte 2014
„Die moderate Konjunkturerholung im ersten Halbjahr 2014 in den österreichischen Bundesländern ist vor allem einem Aufwind in der Industrie zu verdanken, der in Vorarlberg und im Burgenland besonders stark zu spüren war“, analysiert Bruckbauer. Nach einem Plus von nur 0,6 Prozent im Jahr 2013 erhöhte sich das Industriewachstum in Österreich in den ersten sechs Monaten auf durchschnittlich mehr als 2 Prozent im Jahresvergleich. Unterstützt durch die Festigung der Erholung der europäischen Wirtschaft belebte sich die Exportnachfrage, die in der Sachgütererzeugung für frische Impulse sorgte. In Vorarlberg feierte die Industrie mit einem zweistelligen Produktionsplus das mit Abstand stärkste Comeback. Dieses war maßgeblich bestimmt durch das Auslaufen der „Sotschi-Hausse“ und der daraus folgenden Gegenbewegung in wichtigen Branchen, wie dem Maschinenbau und der Metallwarenerzeugung. Auch im Burgenland blieb trotz Auslaufens des Sondereffekts einer Firmenübersiedlung in der Getränkeindustrie die Dynamik unter anderem dank Investitionen in den Energiesektor sehr hoch. Neben diesen beiden Spitzenreitern war in drei Bundesländern das Industriewachstum über dem Österreichdurchschnitt: In Kärnten lieferte die Elektronikindustrie wichtige Wachstumsimpulse. Oberösterreich profitierte unter anderem von der anhaltend guten Entwicklung der Autozulieferindustrie und Wien konnte nach drei Jahren mit Produktionsrückgängen eine Gegenbewegung verzeichnen. Nur Tirol und vor allem Salzburg konnten von der Unterstützung durch die etwas festere Nachfrage aus dem Ausland nicht profitieren. Die Industrieproduktion lag in diesen beiden Bundesländern im ersten Halbjahr 2014 unter dem Vorjahresniveau.

Für zumeist viel Schwung sorgte im ersten Halbjahr 2014 in den Bundesländern die Bauwirtschaft, wenn auch mit abnehmender Tendenz. Im Jahresvergleich stieg die abgesetzte Produktion in Österreich insgesamt um fast 6 Prozent. „In Oberösterreich, der Steiermark, Vorarlberg und dem Burgenland wuchs die Bauwirtschaft besonders stark, getragen zumeist vom Tiefbau. Nur in Wien und vor allem in Niederösterreich schwächelte hingegen die Baukonjunktur und konnte zum Wirtschaftswachstum insgesamt keinen positiven Beitrag leisten“, meint Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Auch der Dienstleistungssektor entwickelte sich im ersten Halbjahr positiv. Die Einzelhandelsumsätze sind in allen Bundesländern, bis auf Wien und Oberösterreich, leicht gestiegen. Insbesondere in Salzburg, aber auch in Vorarlberg unterstützte der Handel – in Vorarlberg getrieben durch den Kaufkraftzufluss aus der Schweiz dank der Stärke des Franken gegenüber dem Euro. Im Tourismus, einem traditionellen österreichischen Stärkefeld, blieb die Anzahl der Nächtigungen im ersten Halbjahr 2014 trotz eines Aufschwung im Jahresverlauf zwar noch um 1,3 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zurück, allerdings war 2013 in fast allen Bundesländern ein Rekordjahr. Klare Vorteile im Tourismus weist der Osten Österreichs auf, mit dem stärksten Nächtigungsplus in Wien, das vom anhaltenden Boom im Städtetourismus profitierte. Die westösterreichische Tourismushochburgen Salzburg, Tirol und Vorarlberg verzeichneten dagegen Einbußen. Die Beschäftigung als Indikator für die Dynamik im gesamten Dienstleistungssektor zeigt in fast allen Bundesländern eine zumindest moderate Aufwärtstendenz. „Der Dienstleistungssektor hat im ersten Halbjahr eine eher durchwachsene Entwicklung genommen, aber in allen Bundesländern zumindest einen geringen Wachstumsbeitrag leisten können. In Kärnten ist in diesen Sektor kaum Bewegung gekommen. In Vorarlberg und dem Burgenland hat der Dienstleistungssektor hingegen eine deutlich Dynamik erreicht“, so Pudschedl.

 

Hohe internationale Unsicherheiten belasten Konjunktur
„Der leichte Konjunkturaufwind, der in der ersten Jahreshälfte noch in den Bundesländern spürbar war, hat sich mittlerweile gelegt. Die Russland/Ukraine-Krise sowie die angespannte Lage im Nahen Osten gemeinsam mit der zähen Erholung im Euroraum haben der Stimmung in der heimischen Wirtschaft zu Herbstbeginn auf breiter Ebene zugesetzt. Die Erholung hat in den meisten Bundesländern bereits eine Pause eingelegt“, so Stefan Bruckbauer. Die bisher für das dritte Quartal 2014 veröffentlichten harten Wirtschaftsdaten zeigen, dass der Industrieaufschwung mittlerweile fast unterbrochen ist, die gute Baukonjunktur Risse bekommen hat, der Handel ins Minus gerutscht ist und die Dienstleistungskonjunktur an Schwung verloren hat – abgesehen vom Tourismus, der eine gute Sommersaison vermelden konnte..
„Die hohen internationalen Unsicherheiten belasten in der zweiten Jahreshälfte die Konjunktur in den Bundesländern, zum Jahresausklang hin sogar zunehmend. Das schwierige Jahr werden jedoch voraussichtlich alle Bundesländer mit einem zumindest moderaten Wirtschaftswachstum abschließen können“, so Bruckbauer und ergänzt: „Als Wachstumsspitzenreiter wird 2014 Vorarlberg mit einem Plus um fast 2 Prozent das Burgenland ablösen und damit deutlich stärker als Gesamtösterreich wachsen, für das wir einen Anstieg des BIP um 0,6 Prozent erwarten.“ Neben dem Burgenland werden 2014 auch Oberösterreich sowie Steiermark und Kärnten, dank des Industrieaufwinds aus der ersten Jahreshälfte, ein überdurchschnittlich hohes Wachstum erreichen können. Insgesamt werden nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria von den neun Bundesländern nur zwei ein schwächeres Wirtschaftswachstum als 2013 erzielen: das Burgenland allerdings ausgehend von einer hohen Vorjahresbasis und Tirol..

Keine Stabilisierung am Arbeitsmarkt
In keinem Bundesland reichte das moderate Erholungstempo aus, um eine Verschärfung der Lage am Arbeitsmarkt im Jahresverlauf zu verhindern. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote stieg bis September im Österreichschnitt auf 8,7 Prozent. Damit liegt die Arbeitslosenquote im Durchschnitt um 0,7 Prozentpunkte über dem Wert zu Jahresbeginn. Die wirtschaftliche Entwicklung lässt auch bis zum Jahresende keine positiven Impulse für den Arbeitsmarkt erwarten. „Wir rechnen damit, dass die Arbeitslosenquote in Österreich 8,5 Prozent im Jahresdurchschnitt 2014 betragen wird“, analysiert Pudschedl und ergänzt: „Die Bandbreite reicht dabei von 5,7 Prozent in Oberösterreich und Salzburg bis zu etwa 11,5 Prozent in Wien.“ Die Arbeitslosenquote wird in allen Bundesländern – ausgenommen Vorarlberg – deutlich höher als 2013 liegen.

2015: Hoffung auf höhere Dynamik in den Bundesländern
„Wir glauben, dass der derzeitige Pessimismus etwas übertrieben ist und sich in den österreichischen Bundesländern im kommenden Jahr die Konjunkturerholung mit höheren Wachstumsraten als 2014 fortsetzen wird“, so Bruckbauer. Für 2015 erwartet die Bank Austria einen BIP-Anstieg von 1,6 Prozent für Gesamtösterreich, da einige Gründe die Hoffnung auf eine Aufwärtsentwicklung der heimischen Wirtschaft untermauern. Die globale Nachfrage nimmt bereits wieder etwas Schwung auf und der etwas schwächere Euro sollte die Exportwirtschaft unterstützen. Dies wird sich in einer Belebung der Investitionstätigkeit niederschlagen, was auch durch die anhaltend günstigen Finanzierungskonditionen unterstützt wird. Die Erholung der Investitionstätigkeit wird im kommenden Jahr zunehmend zu einer höheren Beschäftigung führen. Im späteren Jahresverlauf besteht die Aussicht auf eine Belebung des privaten Konsums, wenn auch noch getrübt durch eine vorerst noch steigende Arbeitslosigkeit auch infolge einer Zunahme des Arbeitskräftepotenzials. Die globale Wachstumsbelebung und die Fortsetzung der Konjunkturerholung in Europa werden die österreichischen Bundesländer 2015 auf Wachstumskurs halten, wenn auch die Risiken gestiegen sind. „Die zu erwartenden Rahmenbedingungen im Jahr 2015 verschaffen Bundesländern mit einer stärkeren Außenhandelsorientierung Vorteile. Das verspricht für die exportorientierten Industrie-Bundesländer wie Vorarlberg, Oberösterreich und die Steiermark bessere Wachstumschancen als für die klassischen Dienstleistungshochburgen wie Salzburg und Wien“, meint Bruckbauer abschließend.

 

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel. +43 (0) 50505 - 41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at