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Presseinformation

24.07.2013

UniCredit Economics & FI/FX Research:
CEE macht trotz Länderdifferenzen Fortschritte auf dem Weg zum Aufschwung

  • Die Region passt sich an die schwächere Konjunktur ihrer Handelspartner an, doch Wachstumsmuster wie in der Phase bis 2008 sind Geschichte
  • Die Industrie verzeichnet, unterstützt durch Kapazitätsreserven und eine höhere Wettbewerbsfähigkeit, schrittweise Verbesserungen, während die Nachfrage weiterhin die größte Herausforderung bleibt
  • Der Abfluss von Auslandskapital scheint abzuklingen und in vielen Ländern schafft das Einlagenwachstum sogar einen gewissen Spielraum zur Ausweitung der Kreditvergaben

Zentral- und Osteuropa macht trotz gewisser Beschränkungen Fortschritte bei der Bewältigung seiner verschiedenen Wachstumsprobleme. Die Region passt sich an die schwächere Konjunktur ihrer Handelspartner an. Zugleich gibt es aber auch Anzeichen für eine Steigerung der Wirtschaftsaktivität. Dies sind nur einige Kernaussagen der neuesten Ausgabe des "CEE Quarterly" von UniCredit Economics & FI/FX Research. Das Industriewachstum ist zuletzt gestiegen, während bei den Kreditvergaben die Talsohle durchschritten zu sein scheint. Der Abfluss von Auslandskapital bei den Banken hat in den neueren EU-Mitgliedstaaten signifikant nachgelassen. Und schließlich werden die aufgrund ihrer Wachstumsraten und -muster einzigartigen Boomjahre bis 2008 nicht wiederkehren, stattdessen setzt sich heute in CEE eine ‚neue Normalität‘ durch. Nach wie vor kämpft die Region mit der schwachen externen Nachfrage und rückläufigen Kapitalzuflüssen aus dem Ausland.

Stark divergierende Entwicklung in den Bereichen Industrie, Kredite und Inflation
Die Industrie lieferte im 1. Quartal 2013 eine bessere Performance ab als zum Ende des Vorjahres, was großteils auf die Erholung der Kfz-Produktion zurückzuführen ist. Der durchschnittliche EinkaufsManagerIndex für das produzierende Gewerbe im 2. Quartal zeigt hingegen, dass nur die Tschechische Republik die guten Resultate und steigenden Exporte aufrecht erhalten konnte, während alle anderen Länder hinter die Performance des Vorquartals zurückfielen. Für die Industrie werden nun weitere Verbesserungen erwartet, doch diese werden wohl nur schrittweise und bisweilen auch volatil ausfallen. Unterstützend dürften hier – trotz des Einbruchs bei den ausländischen Direktinvestitionen in die Produktionsbetriebe der Region – die verfügbaren Kapazitätsreserven und die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit wirken. Größte Herausforderung ist und bleibt die schwache Nachfrage, die sich auch in einem Verlust von Weltexportanteilen äußert.

Ähnlich wie in der Industrie kommt es auch bei den Auswirkungen der Kreditvergaben auf die Inlandsnachfrage zu Verbesserungen. Diese treten allerdings nur langsam und von Land zu Land ganz unterschiedlich ein. „Der Abfluss von Auslandskapital hat deutlich nachgelassen, gleichzeitig wachsen in vielen Ländern die Einlagen stärker als die Kredite. Daraus ergibt sich ein gewisser Spielraum für neue Kredite, auch wenn sich das in den neueren EU-Mitgliedstaaten erst langsam niederschlägt“, erklärt Gillian Edgeworth, Chef-Ökonomin EEMEA bei UniCredit. Nur Bulgarien, die Tschechische Republik, Polen und Litauen erzielen im Jahresabstand ein – wenn auch schwaches - positives Kreditwachstum. Die größten Probleme sind hier nach wie vor die große Zahl notleidender Kredite und die mangelnde Kreditnachfrage.

In Ungarn, Lettland, Rumänien und Kroatien setzt sich der Rückgang bei Kreditvergaben jetzt langsamer fort, nur in Rumänien und Kroatien ist die Situation herausfordernd geblieben. Eine Ausnahme bilden die Türkei und Russland, die ein stärkeres Kreditwachstum verzeichnen und wo weniger Banken in ausländischem Eigentum stehen. Während in der Türkei wieder mehr neue Kredite vergeben werden, schwächt sich das Kreditwachstum in Russland aufgrund von Finanzierungs- und aufsichtsrechtlichen Beschränkungen ab.

Zu den positiven Meldungen von der Industrie und vom Kreditmarkt gesellt sich eine etwas behutsamere Haushaltskonsolidierung. Die Budgets der meisten Länder erscheinen unproblematisch, wobei einige der jüngeren EU-Mitgliedstaaten hier sogar die deutlichsten Verbesserungen erzielt haben. So konnten etwa die Tschechische Republik, Ungarn und Rumänien ihr strukturelles Budgetdefizit unter 3 Prozent des BIP drücken. Viele Länder verlangsamen ihre Konsolidierungsbestrebungen, um die Wirtschaftsaktivität anzukurbeln. In anderen Ländern wie Kroatien, Slowenien, Serbien und der Ukraine besteht hingegen wegen der schwächeren Haushalts-Performance und der drohenden oder tatsächlichen Überschreitung der Defizitziele nach wie vor Konsolidierungsbedarf.

Glücklicherweise ermöglicht das aktuelle Inflationsumfeld einigen Ländern eine Lockerung ihrer Geldpolitik. Der Inflationsdruck hat dank gesunkener Ölpreise und einiger Preisregulierungen nachgelassen. Die geringere Lebensmittelpreisinflation sorgt in Kombination mit der Erwartung einer guten Ernte ebenfalls für ein günstigeres Inflationsumfeld. Viele Länder setzen bereits wichtige Schritte zur Haushaltskonsolidierung, so dass steuerliche Maßnahmen in Zukunft kein großes Inflationsrisiko mehr darstellen werden. Doch ähnlich wie in anderen Bereichen der Wirtschaft bestehen in der Region auch wesentliche Unterschiede, was die Fähigkeit der Zentralbanken angeht, die Inflation auf den Zielwert zu drücken. Während die Tschechische Republik und Polen das Ziel sogar unterschreiten, haben die Türkei und Russland nach wie vor mit einer unerwünscht hohen Inflation zu kämpfen.

Unzureichende Auslandsfinanzierungen als Gefahr für den wirtschaftlichen Aufschwung
Das größte Risiko für den Erholungspfad der Wirtschaft stellen die ungünstigeren Bedingungen für Auslandsfinanzierungen dar. Da die Risikofreude derzeit weltweit gedämpft ist, fließt weniger ausländisches Kapital nach CEE. Die Region verzeichnet nach wie vor erhebliche Abflüsse und so steigt auch das Risiko, dass die Länder ihre Schulden teurer zurückzahlen müssen. Hier bestehen ebenfalls wesentliche Unterschiede zwischen den CEE-Ländern. So waren die Portfolio-Zuflüsse in Polen und in der Türkei beträchtlich. Auch Kroatien und Litauen sind von ausländischen Kapitalzuflüssen abhängig.

Der Aufbau von Devisenreserven kann mit den Zuflüssen von Portfoliokapital jedoch nicht Schritt halten. Die meisten Zentralbanken betreiben gar keine Politik der Reservebildung, um mit den Portfolio-Zuflüssen Schritt zu halten.

Trotz der bereits eingetretenen Verbesserungen der Wirtschaftsaktivität in der Region und des nachlassenden Inflationsdrucks auf die Zentralbanken muss doch jedes Land – auch hier infolge der großen regionalen Unterschiede – selbst abschätzen, welche Risiken sich für die Finanzstabilität ergeben und zu welchen geldpolitischen Konzepten und Maßnahmen diese führen müssen. In Ländern, die bereits Maßnahmen zur Erreichung ihres Inflationsziels und zur Schaffung der benötigten Finanzstabilität gesetzt haben, also etwa in Polen, Ungarn und in der Tschechischen Republik, kann die Geldpolitik somit gelockert werden.

„Die leichte Erholung, die wir derzeit in der Industrie der Region feststellen, wird durch ungünstigere Bedingungen für Auslandsfinanzierungen gefährdet. Darum ist der Aufbau von Puffern hier so wichtig“, erklärt Gillian Edgeworth. In vielen Ländern sind die Devisenreserven knapp und ungünstige Entwicklungen im In- und Ausland könnten sich negativ auf das Finanzsystem auswirken. Die CEE-Länder benötigen daher zur Stabilisierung ihres finanziellen Umfelds gewisse Anker. Ein solcher Anker könnten die Programme des IWF sein, ein anderer die EU-Bankenunion, die das Potenzial hat, die Glaubwürdigkeit der Finanzsysteme zu stärken.

UniCredit
UniCredit ist eine führende europäische Kommerzbank mit starker Verankerung in 20 Ländern. Unser globales Netzwerk umfasst annähernd 50 Märkte mit knapp 9.200 Niederlassungen und mehr als 152.000 Mitarbeitern (per 30. April 2013).
In der Region CEE betreibt UniCredit das größte internationale Bankennetz mit über 3.600 Filialen (inkl. Polen). Die Gruppe ist in Österreich, Aserbeidschan, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, der Tschechischen Republik, Estland, Deutschland, Ungarn, Italien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, der Slowakei, Slowenien, der Türkei und der Ukraine tätig.

Rückfragen: Media Relations International
Tiemon Kiesenhofer, Tel.: +43 (0) 50505 - 56036
E-Mail: tiemon.kiesenhofer@unicreditgroup.at