17.04.2013

Branchenbericht der Bank Austria Volkswirtschaft:
Autohandel verlangsamt das Tempo – Konsumenten können mit billigeren Autos aufgrund hoher Rabatte rechnen

  • Umsatz im Fahrzeughandel schrumpfte 2012 um 4 Prozent nominell, bei den Werkstätten um 3,7 Prozent
  • 2013 weiterer Rückgang der Neuwagennachfrage im Bereich von 4 bis 5 Prozent wahrscheinlich
  • Autohändler unter Druck: Rekordwert bei den Unternehmenspleiten
  • Billigere Autos aufgrund hoher Rabatte

Österreichs Fahrzeughandel hat ein negatives Wirtschaftsjahr hinter sich und schwache Konjunkturaussichten vor sich. 2012 ist der Spartenumsatz um 4 Prozent nominell gesunken, wie der aktuelle Branchenbericht der Bank Austria Ökonomen zeigt. In Summe erlöste der Kraftfahrzeughandel ohne die Werkstätten und den Zubehörhandel 23,4 Milliarden Euro. "Im Vorjahr ist nicht nur der Umsatz im Kfz-Handel sondern es sind auch die Werkstättenumsätze um rund 4 Prozent gesunken, mit denen in der Vergangenheit die schwache Entwicklung im Handelsbereich sehr oft kompensieren werden konnte", analysiert Bank Austria Ökonom Günter Wolf. Voraussichtlich wird der Fahrzeughandel 2013 ein weiteres Minus verbuchen.

Automarkt in der Krise
Trotz der hohen Zahl an Tageszulassungen und Verkaufsaktionen, die der Autohandel seit drei Jahren forciert einsetzt, kam es 2012 zu einem Absatzminus bei Neuwagen. Die Autonachfrage hat sich nach dem Rekordergebnis 2011 deutlich abgekühlt, die Pkw-Neuanmeldungen sind um 5,7 Prozent gesunken und die Gebrauchtwagenummeldungen nur um 0,6 Prozent gestiegen. Gleichzeitig wurde die Kluft zwischen neu registrierten und den tatsächlich zu Neuwagenkonditionen verkauften Autos größer, gemessen am Zuwachs der Tageszulassungen von 17 Prozent. In Summe wurden 2012 bereits 8 Prozent aller erstmals registrierten Neuwagen von den Händlern selbst an- und sofort wieder abgemeldet. Diese Fahrzeuge, dienen der Marktanteilspflege und werden als "Jungwagen" mit Preisnachlässen auf dem Gebrauchtwagenmarkt angeboten.

Der Rückgang bei den Pkw-Neuzulassungen wird sich 2013 vermutlich ungebremst fortsetzen. Vor dem Hintergrund der Zulassungsrekorde der Jahre 2009 bis 2011 und dem schwachen Konjunkturumfeld, vor allem der anhaltenden Verunsicherung der Konsumenten, ist derzeit im Jahresdurchschnitt ein Minus der Pkw-Neuzulassungen in Österreich im Bereich von 4 Prozent bis 5 Prozent zu erwarten. Unter den Voraussetzungen, dass mit der Konjunkturstabilisierung das Konsumentenvertrauen nachhaltig gestärkt wird, sich die Arbeitsmarktsituation verbessert und die Realeinkommen zulegen, wird der Abwärtstrend im Autohandel erst 2014 gestoppt werden können. Nennenswerte Zuwächse im Automarkt sind aber auch 2014 unwahrscheinlich.

Autohändler unter Druck
"Vor dem Hintergrund der rückläufigen Absatzzahlen und Umsatzeinbußen überrascht es nicht, dass sich der Ausleseprozess unter den Kfz-Händlern 2012 weiter beschleunigt hat", sagt Günter Wolf von der Bank Austria. 227 Insolvenzen von Autohändlern und Werkstätten wurden im Vorjahr registriert. Der Anteil der Kfz-Wirtschaft an allen Insolvenzfällen ist 2012 auf 3,8 Prozent gestiegen, von durchschnittlich 3 Prozent in der Periode 2005 bis 2011. Günter Wolf: "Angesichts der zu erwartenden weiteren Absatzrückgänge 2013 wird der 20-prozentige Rückgang der Insolvenzzahlen im ersten Quartal 2013 in dem Bereich nicht zu halten sein."

Billigere Autos aufgrund hoher Rabatte
Die Gesamtkosten für Anschaffung, den Betrieb und die Erhaltung eines privaten Pkw sind in den letzten Jahren rascher als die Verbraucherpreise gestiegen – seit 2000 um 34 Prozent im Vergleich zu 28 Prozent. Allerdings sind die relativ stark gestiegenen Fahrzeugkosten ausschließlich auf die Treibstoff- und Servicekosten zurückzuführen. Seit 2000 stiegen die Treibstoffpreise um 50 Prozent und die Servicekosten legten auf 69 Prozent zu. Die Preise für Neu- und Gebrauchtwagen stiegen im gleichen Zeitraum um nur 7 Prozent. Insgesamt sind seit 2009 die Autopreise sogar leicht gesunken. Die moderate Kostenentwicklung beim Autokauf ist umso bemerkenswerter, da der Trend zu teureren Fahrzeugen anhält, gemessen an der stark steigenden Nachfrage nach Geländelimousinen wie SUV (Sport Utility Vehicle) und stärker motorisierten Autos. 2012 wurden nur in der höchsten Motorleistungsklasse ab 89 Kilowatt Zuwächse verbucht. Der Anteil dieses Segments an den Neuzulassungen ist auf 36 Prozent gestiegen.

Maßgeblich für die moderate Fahrzeugpreisentwicklung vor dem Hintergrund eines immer höher motorisierten Fuhrparks dürfte der hohe Konkurrenzdruck unter den Herstellern und im Autohandel sein, der wiederum eine Flut an Rabattaktionen auslöst.

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Günter Wolf, Tel.: +43 (0) 50505 - 41954
E-Mail: guenter.wolf@unicreditgroup.at