04.03.2013

Branchenbericht der Bank Austria Volkswirtschaft:
Wachstumsschwacher Einzelhandel erzielt Konsolidierungserfolge

  • Umsatz wuchs 2012 nominell um 2 Prozent und stagnierte preisbereinigt
  • Schwache Wachstumsaussichten für 2013 und 2014
  • Ertragslage hat sich verbessert
  • Konsumenten profitieren vom hohen Preisdruck in Form moderater Preissteigerungen

Österreichs Einzelhandel hat ein schwaches Wirtschaftsjahr hinter sich. 2012 lag das Umsatzwachstum von 2 Prozent nominell deutlich unter dem langfristigen Wachstumsniveau, wie der aktuelle Branchenbericht der Bank Austria Ökonomen zeigt. In Summe erlöste die Branche 55,1 Milliarden Euro. "Preisbereinigt stagnierte der Einzelhandelsumsatz 2012 und konnte den Rückgang aus 2011 nicht ausgleichen. Maßgeblich für das schwache Ergebnis war die Inflationsrate, die das zweite Jahr in Folge die Realeinkommen und damit die Kauflust der Bevölkerung dämpfte", analysiert Bank Austria Ökonom Günter Wolf. 2013 wird die Kauffreudigkeit etwas Schwung gewinnen, gestützt auf leicht steigende Realeinkommen als Folge der niedrigeren Inflation im Vergleich zu 2012.

Auch wenn dem Einzelhandel ein Teil der Mehrausgaben 2013 von der Onlinekonkurrenz wieder entzogen wird, wächst der Branchenumsatz stärker als 2012 –  in etwa im Bereich von 2 bis 3 Prozent nominell. Voraussichtlich kann der Einzelhandel wie schon 2012 ein weiteres Mal von der Zurückhaltung bei den Pkw-Neuanschaffungen profitieren. Preisbereinigt bleibt das Umsatzwachstum unter der 1 Prozent-Marke. Trotz der weiteren Verbesserung des Konjunkturumfelds wird sich das Einzelhandelswachstum 2014 nicht nennenswert beschleunigen, da das Konsumausgabenwachstum durch die wieder leicht steigende Sparquote gedämpft wird und private Haushalte vermutlich wieder mehr für Fahrzeuge ausgeben werden, womit dem Einzelhandel Kaufkraft entzogen wird.

Dem Einzelhandel fehlen nennenswerte Wachstumsperspektiven


Die Nachfrage nach einzelhandelsrelevanten Waren wird durch mehrere Faktoren gebremst: das schwache Bevölkerungswachstum, der in vielen Bereichen längst hohe Sättigungsgrad der Konsumenten und die Tatsache, dass die Haushaltsbudgets zunehmend für Dienstleistungen verwendet werden beziehungsweise verwendet werden müssen, weil Wohnen und Energie beispielsweise wesentlich rascher teurer werden als Elektronikwaren, Bekleidung, aber auch Lebensmittel. Bank Austria Volkswirt Günter Wolf: "Private Haushalte in Österreich verwenden nur mehr 34 Prozent ihrer Konsumausgaben für die Anschaffung einzelhandelsrelevanter Waren. Mitte der 80er Jahre waren es noch 42 Prozent. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Auch wenn verstärkt höhere Produktqualitäten und damit oft auch teurere Produkte gekauft werden, bleiben beim Einkauf günstige Preise ein Leitmotiv." Letztendlich wird der Konkurrenz- und Preisdruck im Einzelhandel noch zulegen, verstärkt von internationalen Konkurrenten im Internet.

Ertragslage hat sich verbessert

 

In diesem Umfeld sind die Zuwächse der Einzelhandelserträge der letzten Jahre bemerkenswert, und dokumentieren den Erfolg von Restrukturierungsmaßnahmen, aber auch die ausgeprägte Krisenresistenz der Branche im gesamtwirtschaftlichen Vergleich. Im Branchendurchschnitt ist der Nettobetriebsüberschuss von 2007 bis 2011 um durchschnittlich 7,9 Prozent im Jahr gestiegen, in der Industrie zugleich um 2,3 Prozent gesunken; die Ertragslage in der Gesamtwirtschaft stagnierte in dem Zeitraum.

Preisdruck zum Vorteil für die Konsumenten


Der Preisdruck, einerseits maßgeblich für die relativ schwache Ertragslage vieler Einzelhandelssparten, entlastet andererseits die Konsumenten an den Kassen. Während die Verbraucherpreise seit 2005 um durchschnittlich 2,2 Prozent im Jahr gestiegen sind, wurden Waren, die im Einzelhandel vertrieben werden, nur um 1,9 Prozent im Jahr teurer. Preistreiber waren in erster Linie die Wohnungsausgaben, die Energiekosten und Mieten, die um durchschnittlich 3,2 Prozent im Jahr zulegten. Von den einzelhandelsrelevanten Waren sind vor allem Lebensmittel teurer geworden, seit 2005 jährlich um 2,8 Prozent, industriell erzeugte Einzelhandelsgüter ohne Nahrungsmittel und Treibstoffe im Schnitt nur um 1,3 Prozent im Jahr. Der Preisanstieg lag damit allerdings über den Vergleichswerten im Euroraumdurchschnitt von jährlich 0,8 Prozent bei industriell erzeugten Verbrauchsgütern und 2,3 Prozent bei Lebensmittel im Zeitraum 2005 bis 2012. In der restlichen EU erhöhten sich jedoch die Lebensmittelpreise sogar etwas stärker als in Österreich. "In Österreich stiegen die Einzelhandelspreise etwa seit Mitte der 2000er Jahre schneller als im Durchschnitt der anderen Euroländer, nachdem in den zehn Jahren davor die Preisdynamik schwächer war. In Summe legten die Einzelhandelspreise von 1995 bis 2012 in Österreich gleich wie im Euroraumdurchschnitt zu. Dies gilt auch für Lebensmittel", sagt Günter Wolf von der Bank Austria abschließend.

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Günter Wolf, Tel.: +43 (0) 50505 - 41954;
E-Mail: guenter.wolf@unicreditgroup.at