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12.12.2018

UniCredit Bank Austria Branchenbericht:
Holzverarbeitung verbucht wachstumsstarke Jahre

  • Holzverarbeitung von besonderer Bedeutung für Österreich, das einer der weltweit größten Schnittholz- und Holzplattenverbraucher ist und hohe Exportzuwächse in diesem Bereich vorweisen kann
  • Umsatz der Holzverarbeitung wuchs 2017 um 4,4 Prozent nominell auf 8,7 Milliarden Euro
  • 2018 beschleunigte sich das Branchenwachstum, angetrieben von der hohen Wohnungsneubauleistung
  • Kapazitätsauslastung erreichte 2018 Rekordhöhe, die Zahl der Beschäftigten stieg um 2 Prozent
  • 2019 kühlt die Branchenkonjunktur ab, wobei ein Umsatzminus derzeit nicht zu erwarten ist
  • Österreichs Holzverarbeitung ist innovationsfreudiger und konkurrenzstärker geworden; der Außenhandelsüberschuss hat stark zugenommen

Die Holzverarbeitung in Österreich profitiert seit über drei Jahren von der lebhaften Baukonjunktur im In- und Ausland. 2017 ist der Branchenumsatz um durchschnittlich 4,4 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro gestiegen, vor allem angetrieben vom florierenden Wohnungsneubau. „2018 hat die Nachfrage nach Schnittholz und Holzwaren einen zusätzlichen Schub vom stark gestiegenen Wirtschaftsbau im Inland erhalten und verbucht zudem noch stärkere Exportzuwächse als im Vorjahr. Das Umsatzwachstum von 7,2 Prozent nominell in den ersten drei Quartalen sollte bis Jahresende nicht wesentlich abkühlen und im Bereich von 5 Prozent bleiben“, betont UniCredit Bank Austria Ökonom Günter Wolf.

Die Holzverarbeitung hat ihren Wachstumshöhepunkt zur Jahresmitte zwar überschritten. Dennoch ist ein Umsatzplus über dem Vorjahresergebnis noch möglich, dafür spricht der weitere Anstieg der Erzeugerpreise – der stärkste seit 2012 - von knapp 1 Prozent in den letzten Monaten und vor allem die im November 2018 wieder optimistischeren Produktions- und Preiserwartungen der holzverarbeitenden Unternehmen für die nächsten Monate.

Kapazitätsauslastung erreicht 2018 eine Rekordhöhe, die Zahl der Beschäftigten wächst
Mit dem starken Absatzwachstum hat die Kapazitätsauslastung der Holzverarbeitung zugenommen. Für das vierte Quartal 2018 berichteten die Unternehmen eine Auslastung ihrer Produktionskapazitäten von 92 Prozent, dem höchsten Wert seit Erhebungsbeginn Mitte der 90er Jahre. Mit den Auslastungszahlen ist auch die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche wieder gestiegen, 2017 um 3 Prozent und bis Oktober 2018 um weitere 2 Prozent. Im Durchschnitt sind 2018 wieder mehr als 30.000 Personen in der Branche beschäftigt. Von den 1.500 neuen Jobs, die seit 2016 in der Branche insgesamt geschaffen wurden, entfallen 700 auf die Herstellung von Holzbauelementen – der größten Einzelsparte der Branche mit 13.300 Beschäftigten. Weitere 600 Arbeitsplätze sind in den letzten zwei Jahren in der Sägeindustrie entstanden, wo 9.600 Personen arbeiten.

2019 verliert die Holzverarbeitung an Schwung
„Die Nachfrage nach Holz und Holzwaren wird 2019 schwächer, vor allem weil die Bauwirtschaft in den wichtigsten Absatzmärkten der Branche an Wachstumstempo verliert. Vorerst sind aber keine Nachfrageeinbußen vom Bau zu befürchten, da im Wohnungsneubau, nicht nur in Österreich noch reichlich Investitionsbedarf besteht“, laut Wolf von der UniCredit Bank Austria. In Österreich wird die Bauproduktion in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich noch um 1 bis 2 Prozent real zulegen.

Auch die Exportaufträge der heimischen Holzverarbeiter sollten trotz der Abkühlung der Baukonjunktur in den großen Märkten weiter leicht steigen (die Holzverarbeiter erlösen rund 45 Prozent ihrer Umsätze im Export). Von Seiten der italienischen Bauwirtschaft, dem mit 16 Prozent aller Exporte zweitwichtigsten Absatzmarkt der Holzverarbeiter,  kann sogar mit höheren Nachfragezuwächsen als in den letzten Jahren gerechnet werden. Hier sollte sich die Baukonjunktur 2019 und 2020 beschleunigen, wesentlich angetrieben von der Aufstockung der Wohnbauausgaben. Zugleich wird die erwartete Stagnation der Bauinvestitionen in Deutschland, dem Ziel von 31 Prozent der heimischen Holzwarenexporte, die Exportnachfrage schwächen.

Österreichs Holzverarbeitung ist deutlich innovationsfreudiger und konkurrenzstärker geworden
Die Erfolge der österreichischen Holzverarbeitung der letzten Jahre sind in erster Linie das Ergebnis des vorteilhaften Konjunkturumfelds, aber auch Ausdruck der Konkurrenzstärke der Branche. Diese stützt sich sowohl auf den Rohstoffreichtum des Landes als auch auf die engen Sektorverflechtungen und die hohe Spezialisierung der Unternehmen. Grundlage war der umfassende Restrukturierungsprozess, hohe Investitionen und die deutlich gestiegene Innovationsbereitschaft der Unternehmen: Der Anteil innovationsaktiver Betriebe im Sinn der EU-Erhebung lag 2012 bei 40 Prozent und zuletzt 2014 bei 51 Prozent, ein Wert im obersten Drittel der EU-Branche. In weiterer Folge konnte die Branche in den letzten Jahren hohe Produktivitätsgewinne in allen zentralen Sparten verbuchen. Gemessen an der Wertschöpfung pro Beschäftigten von 70.000 Euro ist die Produktivität der österreichischen Holzverarbeitung rund zweimal so hoch wie im EU-Durchschnitt.

Wie die Außenhandelsergebnisse zeigen, ist die Wettbewerbsfähigkeit im Segment höher verarbeiteter Holzprodukte überdurchschnittlich rasch gestiegen. In den letzten zwanzig Jahren hat sich der Exportüberschuss mit Holz und Holzwaren insgesamt mehr als verdoppelt, auf 1,7 Milliarden Euro, mit den höchsten Beiträgen von der Warengruppe „sonstige Holzwaren“ (das sind vor allem Fenster, Türen und Holzverpackungen). Der Exportüberschuss in der Produktgruppe hat sich seit 1997 von 35 Millionen Euro auf 824 Millionen Euro erhöht. Die Außenhandelsbilanzen mit Holzplatten und Furnieren und mit Schnittholz verbesserten sich zwar auch, aber in geringerem Tempo. „Die hohen Exportzuwächse mit sonstigen Holzwaren und die zugleich höheren Exportpreise in der Warengruppe im Vergleich zu den Importpreisen, lassen den Schluss zu, dass die Hersteller ihre Marktposition nicht nur über Kosteneinsparungen und mittels Preisanpassungen absichern, sondern diese Position auch mit der Spezialisierung in qualitativ hochwertigen Nischen ausbauen können,“ analysiert UniCredit Bank Austria Ökonom Günter Wolf.

Österreich ist einer der weltgrößten Schnittholz und Holzplattenverbraucher
Der Holzverbrauch in Österreich hat in den letzten zwei Jahren infolge des starken Anstiegs der Schadholzmenge und der hohen Einschnittleistung der Sägeindustrie deutlich zugenommen. Rechnerisch wurden 2017 pro Einwohner knapp 0,9 Kubikmeter Schnittholz und Holzplatten verkonsumiert. Der Wert ist nach den baltischen Ländern bereits der höchste weltweit. Auf den Plätzen folgen Neuseeland, Schweden, Kanada, Norwegen und Finnland, mit einem Holzverbrauch von 0,7 bis 0,9 Kubikmetern pro Kopf.

Im europäischen Kontext zeigt sich, dass in vielen Ländern noch genügend Holznachfragepotenzial brach liegt, da rechnerisch pro EU-Bürger erst 0,3 Kubikmeter Sägeholz und Holzplatten im Jahr „verkonsumiert“ werden. Hingegen sind die Länder, die sich traditionell die Spitzenplätze im Ranking teilen, vor allem in Westeuropa ihrem Verbrauchszenit vermutlich schon sehr nahe gekommen. Trotzdem sind auch hier in Zukunft noch leichte Holzverbrauchszuwächse zu erwarten, vor allem weil der Rohstoff Holz grundsätzlich einen wichtigen Beitrag zur Ökologisierung der Wirtschaft und Eindämmung des Treibhauseffektes leisten kann. Das heißt, dass die wirtschaftlichen Aussichten der Holzverarbeitung in Österreich auf jeden Fall positiv sind, da der Rohstoff reichlich vorhanden ist und mit relativ wenig Energieaufwand CO2-neutral gewonnen werden kann.


Rückfragen:    
UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Günter Wolf, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41954;
E-Mail: guenter.wolf@unicreditgroup.at