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13.07.2018

UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator:
Konjunkturstimmung stabilisiert sich, weiterhin hohes Wachstumstempo in Österreich

  • UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator im Juni unverändert bei 3,9 Punkten
  • Nur geringe Konjunkturabschwächung seit Jahresbeginn: Wirtschaftswachstum von über 3 Prozent im Jahresvergleich im 2. Quartal 2018
  • Stabilisierung des Wachstumstempos in der zweiten Jahreshälfte lässt weiterhin einen BIP-Anstieg um 2,8 Prozent für 2018 erwarten
  • Trotz zunehmender Risiken bleibt das Wirtschaftswachstum 2019 mit 2 Prozent über dem Potenzial
  • Verbesserung am Arbeitsmarkt verliert an Schwung: Nach 7,7 Prozent 2018 sinkt die Arbeitslosenquote 2019 nur leicht auf 7,6 Prozent
  • Leichter Inflationsauftrieb 2018 auf 2,2 Prozent durch höheren Ölpreis. Geringer Rückgang 2019 auf 2,0 Prozent erwartet
  • Die Geldpolitik bleibt trotz Beendigung des EZB-Wertpapierkaufprogramms expansiv: Mögliche Zinserhöhungen frühestens im Herbst 2019

Die Konjunkturstimmung hat sich Mitte des Jahres 2018 stabilisiert. Das Wirtschaftswachstum wird sich in Österreich trotz des risikoreicheren Umfelds auf ein solides Tempo einpendeln. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator erreichte im Juni unverändert zum Vormonat 3,9 Punkte. Im zweiten Quartal konnte damit zwar das 10-Jahres-Hoch vom Startquartal nicht mehr erreicht werden, die durchschnittlich 4,0 Punkte verdeutlichen allerdings den weiterhin sehr kräftig wehenden Rückenwind für die heimische Konjunktur. Nach dem Anstieg des BIP von 3,4 Prozent zu Beginn 2018 gehen wir für das zweite Quartal von einem kaum geringeren Plus von knapp über 3 Prozent im Jahresvergleich aus“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. In der ersten Jahreshälfte betrug das Wirtschaftswachstum in Österreich somit knapp über 3 Prozent im Jahresvergleich. Das entspricht der höchsten Dynamik seit der ersten Jahreshälfte 2011, als die Erholung nach der Rezession infolge der Finanzkrise 2008/2009 einsetzte.

Der starke Rückgang der Konjunkturstimmung, der sich in den vergangenen Monaten spürbar in der Entwicklung des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators niedergeschlagen hat, wurde im Juni beinahe gestoppt. Dazu beigetragen hat die deutlich verbesserte Stimmung im Dienstleistungsbereich, die den sinkenden Optimismus in der exportorientierten heimischen Industrie in einem durch protektionistische Tendenzen und geopolitische Spannungen belasteten globalen Exportumfeld weitgehend kompensieren konnte. Zudem scheint sich die Verschlechterung durch das internationale Umfeld einzubremsen. Eine Reihe von Frühindikatoren sprechen mittlerweile für eine Stabilisierung der Dynamik des globalen Handels. „Nach dem starken Jahreswechsel hat sich das Wachstumstempo der österreichischen Wirtschaft zur Jahresmitte 2018 hin stabilisiert. Die meisten Stimmungsindikatoren sind auf einem Niveau, das auch in der zweiten Jahreshälfte eine solide Konjunkturdynamik von mehr als 2 Prozent erwarten lässt. Trotz gestiegener Risiken durch die Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China halten wir an unserer Wachstumsprognose von 2,8 Prozent für das Gesamtjahr 2018 unverändert fest“, meint Bruckbauer.

Die Wachstumsimpulse werden auch in der zweiten Jahreshälfte 2018 und darüber hinaus überwiegend von der Inlandsnachfrage kommen. Der starke Anstieg der Beschäftigung und der etwas gestiegene Lohnauftrieb werden den privaten Konsum weiter kräftig in Schwung halten. Auch die Investitionsnachfrage entwickelt sich sehr dynamisch, denn die Kapazitätsauslastung der heimischen Wirtschaft liegt spürbar über dem langjährigen Durchschnitt und die Auftragslage ist anhaltend gut. Zudem sind die Finanzierungsbedingungen im bestehenden geldpolitischen Rahmen sehr günstig. Da der Nachholbedarf der bis 2016 vorsichtigen Investitionspolitik mittlerweile jedoch gedeckt scheint, wird die Investitionsdynamik in den kommenden Monaten etwas an Tempo verlieren. Dies wird die Importnachfrage dämpfen. Auch wenn die Auswirkungen der bisherigen zollpolitischen Maßnahmen der USA auf die heimischen Ausfuhren überschaubar bleiben dürften, die Exporte werden nicht mehr so kräftig wie zu Jahresbeginn 2018 zulegen, da die Unterstützung insbesondere aus den Emerging Markets abnehmen wird. Allerdings sollte der Beitrag des Außenhandels zum Wirtschaftswachstum weiterhin positiv bleiben. „Das Wachstum bleibt in Österreich auch 2019 breit abgestützt. Neben der Inlandsnachfrage sollten auch die Exporte zum Wachstum beitragen können, wenn auch unter dem Eindruck des steigenden Protektionismus mit etwas weniger Kraft. Der Anstieg des BIP wird nach unserer Einschätzung mit 2 Prozent auch 2019 über dem langjährigen Durchschnitt liegen und weiterhin sowohl jenen im Euroraum als auch in Deutschland übertreffen“, sagt Bruckbauer.

Nur noch moderate Verbesserung am Arbeitsmarkt zu erwarten
Angesichts der günstigen Konjunktur hat sich die Lage am Arbeitsmarkt im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert. Die Arbeitslosenquote sank um 0,8 Prozentpunkte auf durchschnittlich 8 Prozent. Dahinter steht ein starkes Beschäftigungsplus von 2,6 Prozent bzw. mehr als 90.000 Personen. Aufgrund des weiterhin stark steigenden Arbeitskräfteangebots ist die Anzahl der Arbeitssuchenden im gleichen Zeitraum nur um etwas mehr als 30.000 Personen zurückgegangen. Allerdings zeigt sich in den saisonbereinigten Daten, dass sich seit Jahresbeginn 2018 die Lage am österreichischen Arbeitsmarkt nur noch langsam verbessert. Das saisonbereinigte Beschäftigungswachstum verliert an Tempo und die Anzahl der Arbeitssuchenden nimmt nur noch marginal ab, zumal das Arbeitskräfteangebot wieder etwas stärker zunimmt. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote liegt zur Jahresmitte bei 7,8 Prozent. „In den kommenden Monaten wird sich bedingt durch die nicht mehr ganz so kräftige Konjunktur die Lage am Arbeitsmarkt nur noch geringfügig verbessern. Wir erwarten im Jahresdurchschnitt 2018 eine Arbeitslosenquote von 7,7 Prozent und für 2019 einen nur noch geringen Rückgang auf 7,6 Prozent, da sich das Wachstum der Beschäftigung und des Arbeitskräfteangebots einander angleichen werden. Damit wird die Arbeitslosenquote strukturell bedingt weiterhin deutlich höher als vor der Finanzkrise sein“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Im Jahr 2008 vor Ausbruch der Finanzkrise und vor Öffnung des Arbeitsmarkts für die neuen EU-Mitglieder betrug die Arbeitslosenquote 5,9 Prozent.

Inflation steigt in zweiter Jahreshälfte dauerhaft über 2 Prozent
Nach Inflationswerten stabil unterhalb von 2 Prozent im Jahresvergleich in den ersten Monaten 2018 bewegt sich die Teuerung in Österreich seit Mai leicht nach oben. Im Juni ist die Inflation voraussichtlich erstmals im laufenden Jahr über die Marke von 2 Prozent gestiegen. Für das erste Halbjahr ergibt sich damit eine durchschnittliche Inflation von 1,9 Prozent. „Höhere Ölpreise und der im Vergleich zum Frühjahr etwas schwächere Eurokurs sorgen für Inflationsauftrieb. In der zweiten Jahreshälfte wird die Inflation dauerhaft mehr als 2 Prozent betragen, zumal die hohe Beschäftigungsdynamik und die kräftiger steigenden Löhne auch nachfragebedingt für stärker steigende Preise sorgen dürften. Mit durchschnittlich 2,2 Prozent im Gesamtjahr 2018 erwarten wir für Österreich die höchste Inflation seit sechs Jahren“, meint Pudschedl. Während der Ölpreis im Jahr 2019 kaum mehr einen inflationstreibenden Einfluss ausüben sollte, könnte die höhere Dienstleistungsnachfrage für mehr Preisauftrieb sorgen. Insgesamt sollte die Inflation im Jahr 2019 mit durchschnittlich 2,0 Prozent etwas niedriger als im laufenden Jahr ausfallen.

Aus für Negativzinsen erst 2020
Angesicht der leichten Aufwärtsentwicklung der Inflation auch in der Eurozone hat die Europäische Zentralbank die Normalisierung der Geldpolitik eingeleitet. Das Wertpapierkaufprogramm wird mit Ende 2018 eingestellt. Ab Beginn 2019 stockt die EZB ihre Bestände zwar nicht mehr auf, ersetzt aber fällig werdende Anleihen weiterhin in vollem Umfang durch neue Papiere und wird damit das Zinsniveau in Europa weiterhin maßgeblich dämpfen. Darüber hinaus hat die EZB mit ihrer Ankündigung, dass die Leitzinsen „mindestens über den Sommer 2019“ auf ihrem aktuellen Niveau bleiben, die Erwartung der Märkte von Zinserhöhungen weiter nach hinten verschoben. „Die Ankündigung einer ersten Leitzinserhöhung in der Eurozone um voraussichtlich 20 Basispunkte ist nicht mehr im Juni, sondern frühestens im September 2019 zu erwarten. Somit dürfte die EZB die Phase mit negativen Zinssätzen erst in den ersten Monaten 2020 hinter sich lassen, nach denen sich das Fenster für eine weitere Zinsnormalisierung allerdings zu schließen beginnen könnte“, meint Pudschedl.

Tabellen und Grafiken

 

Rückfragen: UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at