21.05.2007

BA-CA CEE-Analyse:
Private Haushalte in Osteuropa verbessern ihren Lebensstandard

  • Geldvermögen privater Haushalte in CEE im Jahr 2006 auf 583 Milliarden Euro gestiegen
  • Eigenheiminvestitionen werden ein wichtiges Ziel für private Haushalte in CEE

Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Zentral- und Osteuropa (CEE)1 verzeichnete im Jahr 2006 zum dritten Mal in Folge ein zweistelliges Wachstum und stieg auf insgesamt  583 Milliarden Euro (+14 Prozent, 2005: 510 Milliarden Euro) oder 57 Prozent des BIP. Zurückzuführen ist dieser Anstieg auf das dynamische Wirtschaftswachstum in den CEE-Ländern, einen Kursanstieg bei Vermögenswerten und auf die fortgesetzte Vermögensbildung im Rahmen von Pensionsfonds. Die Region Zentral- und Osteuropa hat derzeit einen Anteil von etwa 1% am weltweiten Geldvermögen privater Haushalte, das im Jahr 2006 auf über 81 Billionen Euro2 gestiegen sein dürfte.

Dem Geldvermögenswachstum stand eine stärkere Zunahme der Verschuldung privater Haushalte in der gesamten Region CEE gegenüber. Im Jahr 2006 verzeichneten die Banken erneut ein dynamisches Kreditwachstum, wobei die Verschuldung privater Haushalte im Jahresvergleich um 33 Prozent (2005: 43 Prozent, 2001: 6 Prozent) auf fast 180 Milliarden Euro zunahm. Dennoch ist die Verschuldung privater Haushalte in Zentral- und Osteuropa gemessen am BIP immer noch relativ niedrig: Im Jahr 2006 erreichten die Verbindlichkeiten privater Haushalte in CEE 17 Prozent des BIP; der Wert für die Eurozone lag bei 54 Prozent. "Trotz schneller Konvergenz bietet die Region CEE somit weiteres Wachstumspotential," sagt Erich Hampel, Osteuropachef der UniCredit Group und Vorstandsvorsitzender der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), bei einer Pressekonferenz im Rahmen der EBRD-Jahrestagung in Kazan.

Private Haushalte investieren zunehmend in Immobilien, die Nachfrage nach Hypothekarkrediten für Wohnungszwecke ist groß. Die Haushalte sparen weiterhin, aber ein Teil ihrer Ersparnisse fließt in Richtung Immobilienmarkt. "Private Haushalte in Zentral- und Osteuropa passen ihre Verbrauchergewohnheiten an den neuen, verbesserten Lebensstandard an. Gleichzeitig investieren sie zunehmend in ihren Wohnraum. Wesentliche Faktoren für den Konsum in der Region CEE sind ein hohes Einkommenswachstum und ein besserer Zugang zum Kreditmarkt, der auch von einem Wohlstandseffekt aus dem starken Anstieg der Immobilienpreise gestützt wird", erklärt Debora Revoltella, Osteuropa-Chefökonomin der BA-CA und der UniCredit Group.

Regionale Unterschiede
Dabei gibt es aber erhebliche regionale Unterschiede. In Bulgarien, Polen, Slowenien und auch in Kroatien haben Konsum und private Investitionen in Realvermögen die Geldvermögensbildung noch nicht in den Hintergrund gedrängt; in diesen Ländern sind die Nettovermögensposition und das bereinigte Nettovermögen3 in Prozent des BIP bisher stetig gestiegen.

Ein entgegengesetzter Trend ist in Rumänien, in der Slowakei, in Russland und in der Türkei zu beobachten. In diesen Ländern nutzen private Haushalte gerne und rasch neue Möglichkeiten. Sie setzen zunehmend auf die fortschreitende Konvergenz zur Verbesserung ihres Lebensstandards und profitieren dabei von den guten Aussichten für die Wirtschaft und von einem Preisanstieg bei Vermögenswerten. In diesem Zusammenhang sollte man beachten, dass aufgrund der ausgeprägten Polarisierung der Einkommen in Russland und der Türkei bei Rückschlüssen auf das durchschnittliche Verhalten der privaten Haushalte Vorsicht angebracht ist.

Bei den privaten Haushalten in Ungarn und der Tschechischen Republik steht einem Rückgang der Nettovermögensposition bezogen auf das BIP ein Anstieg der bereinigten Vermögenskennzahlen gegenüber; darin kommt zum Ausdruck, dass sich aufgrund der starken Nachfrage nach Wohnhäusern die Verlagerung von der Geldvermögensbildung hin zu Realvermögenswerten fortsetzt.

Stärker differenzierte Struktur des Geldvermögens privater Haushalte in Zentral- und Osteuropa
In der Asset Allocation, also der Strukturierung des veranlagten Vermögens der privaten Haushalte, setzte sich in Zentral- und Osteuropa die allmähliche Verlagerung von traditionellen Sparprodukten hin zu alternativen und spezialisierten Veranlagungen im vergangenen Jahr fort. Gefördert wurde diese Entwicklung durch einen deutlichen Kursanstieg und eine starke Performance der lokalen Kapitalmärkte. Die zunehmende Diversifizierung der von privaten Haushalten gehaltenen Anlagewerte ist auch eine Folge generell niedriger Einlagenzinssätze und hoher Renditen in anderen Bereichen, wobei Veranlagungen in Aktien und Investmentfonds am stärksten zunahmen.

Während die Bargeldbestände im Zeitverlauf fast konstant blieben, nahm der Anteil der traditionellen Bankeinlagen weiter ab und ging auf 51 Prozent des gesamten Geldvermögens zurück (2000: 65 Prozent). In Ländern, in denen die Entwicklung der Finanzmärkte bereits weiter fortgeschritten ist (z.B. Polen, Ungarn, Tschechische Republik), war dieser Rückgang stärker ausgeprägt. Hingegen spielen Bankeinlagen in Rumänien und in der Türkei sowie in Kroatien und Bulgarien weiterhin eine bedeutende Rolle, wobei die Finanzmärkte dort immer noch stark von den Banken geprägt und die Zinsen immer noch relativ hoch sind (wie im Fall der beiden erstgenannten Länder). Ähnliche Entwicklungen sind in Russland zu beobachten, wo das Einlagenwachstum auch aus Veränderungen im Verhalten konservativer Teile der Bevölkerung resultiert, die ihre Ersparnisse früher großteils in Form von Bargeld (hauptsächlich in Fremdwährung) zu Hause aufbewahrten.

Das zunehmend stabile gesamtwirtschaftliche Umfeld hatte auch positive Auswirkungen auf das Versicherungsgeschäft. Die Nachfrage nach Lebensversicherungen stieg rascher als die Einkommen, insbesondere in Ländern, in denen noch kein umfassend reformiertes Pensionssystem besteht (d.h. in Rumänien, Slowenien, der Türkei und in geringerem Ausmaß in der Tschechischen Republik). "Pensionsfonds bleiben bei weitem die interessanteste und am schnellsten wachsende Komponente des Geldvermögens", sagt CEE-Chefökonomin Debora Revoltella. Der Anteil der Pensionsfonds am gesamten Geldvermögen hat sich fast verdreifacht und lag Ende 2006 bei 9 Prozent. Die Teilnahmequote an nach dem Kapitaldeckungsverfahren konzipierten Säulen des Pensionssystems und das darin angesammelte Vermögen liegen in Ländern, die die zweite verpflichtende Säule schon sehr früh eingeführt haben, bereits auf hohem Niveau – beispielsweise in Polen und Ungarn, wo die Teilnahmequote 83 Prozent bzw. 68 Prozent beträgt, aber auch in Bulgarien und Kroatien. Eine weitere Zunahme wird demnächst für jene Länder erwartet, wo die zweite Säule vor kurzem eingeführt wurde (Slowakei) oder in naher Zukunft starten soll (Rumänien).

Potential bei Hypothekarkrediten weiterhin am höchsten
Analog zur Entwicklung in der Eurozone bleiben Hypothekarkredite die treibende Kraft des in letzter Zeit verzeichneten starken Kreditwachstums in Zentral- und Osteuropa (womit ihr Anteil an den Gesamtverbindlichkeiten privater Haushalte nun höher ist als jener der Verbraucherkredite). Das Volumen der Hypothekarkredite stieg im Zeitraum 2000 bis 2006 um durchschnittlich 44 Prozent, wobei sowohl von der Nachfrage als auch von angebotsseitigen Faktoren Wachstumsimpulse ausgingen. In der Region CEE beträgt das Gesamtvolumen der Hypothekarkredite jedoch nur 7 Prozent des BIP und liegt damit deutlich unter dem Vergleichswert von 38 Prozent im Eurogebiet. "Diese Zahlen zeigen das enorme langfristige Wachstumspotential bei Hypothekarkrediten", sagt Erich Hampel. "Internationale Banken wie die UniCredit Group haben in diesem Bereich umfangreiche Erfahrung und können ihren Kunden in den CEE-Ländern Know-how und entsprechende Produkte bieten. Damit ist eine Wertschöpfung verbunden, von der sowohl die Bevölkerung in Zentral- und Osteuropa als auch die Banken profitieren."

Gute Aussichten für die Wirtschaft
Die guten Konjunkturaussichten bieten weiterhin ein günstiges Umfeld für die Geldvermögensbildung privater Haushalte in der Region CEE. Mit der Verbesserung der finanziellen Lage privater Haushalte in Zentral- und Osteuropa wird das Wohlstandsniveau in Relation zum BIP weiter ansteigen und im Jahr 2009 voraussichtlich einen Wert von 61 Prozent erreichen (2006: 57 Prozent). Eine besonders hohe Dynamik (zwischen 20 und 25 Prozent pro Jahr) der Geldvermögensbildung wird in Wachstumsmärkten wie Russland, Serbien, Rumänien und Bosnien-Herzegovina erwartet. Dem anhaltenden Wachstum des Geldvermögens wird eine noch stärkere Neuverschuldung der privaten Haushalte gegenüberstehen; dies ist im Zusammenhang mit der steigenden Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern, einem bei weitem noch nicht gesättigten Wohnungsmarkt und starkem Wettbewerb im Finanzdienstleistungssektor zu sehen. Aufgrund dieser Entwicklungen rechnen die CEE-Ökonomen der UniCredit Group für den Zeitraum 2007 bis 2009 mit einem jährlichen Anstieg der finanziellen Verpflichtungen privater Haushalte in Zentral- und Osteuropa von durchschnittlich 19 Prozent auf ein Gesamtvolumen von 22 Prozent des BIP im Jahr 2009 (2006: 17 Prozent). Hypothekarkredite sollten dabei das höchste Wachstumspotential aufweisen, sie dürften um jährlich 22 Prozent zunehmen und damit den Großteil des Anstiegs der Verschuldung privater Haushalte in der gesamten Region ausmachen. "Investitionen in den eigenen Wohnraum bleiben ein wichtiges Ziel der privaten Haushalte. Ein erheblicher Teil der Ersparnisse privater Haushalte wird weiterhin in den Immobilienmarkt fließen, wobei Hypothekarkredite stark zunehmen", sagt die CEE-Chefökonomin Debora Revoltella.

UniCredit Group wächst weiter
Vor dem Hintergrund der guten Konjunkturaussichten für die Region Zentral- und Osteuropa will die UniCredit Group in der Wachstumsregion CEE ihre führende Stellung ausbauen und weiter expandieren. Durch organisches Wachstum will die Gruppe bis Ende 2008 rund 200 neue Filialen eröffnen. Expansionsziele sind dabei die Wachstumsmärkte Russland, Türkei, Ukraine sowie Ungarn. Damit sollen bis Ende nächsten Jahres in diesen Ländern zumindest eine Million neue Kunden gewonnen werden. Die Gruppe will neben dieser Filialexpansion auch neue Märkte erschließen: Als ersten Schritt plant sie, Repräsentanzen in Montenegro, Weißrussland und Kasachstan zu eröffnen. "Damit gehen wir unseren Weg konsequent weiter. Als Marktführer in Zentral- und Osteuropa wollen wir noch näher bei unseren Kunden und ihren Bedürfnissen sein. Mit den neuen Filialen und den Niederlassungen in drei neuen Märkten bieten wir ihnen eine noch größere Präsenz und nützen gleichzeitig die Chancen, die uns die Wachstumsmärkte Osteuropas eröffnen," sagt Osteuropachef Erich Hampel.
Mit einer Marktkapitalisierung von über 70 Milliarden Euro, 142.000 Mitarbeitern, 35 Millionen Kunden und 7.200 Filialen in 20 Ländern rangiert die UniCredit Group unter den fünf führenden Finanzgruppen Europas. Ihre Bilanzsumme beträgt 823 Milliarden Euro (per 31. Dezember 2006). Die UniCredit Group betreibt das größte Bankennetz in der Region Zentral- und Osteuropa: 65.000 Mitarbeiter betreuen 24 Millionen Kunden in 17 Ländern. In CEE ist die Gruppe mit einer Bilanzsumme von 114 Milliarden Euro etwa doppelt so groß wie der nächste Mitbewerber.

Die umfassende Publikation zur Studie "CEE Households' Wealth and Debt Monitor" ist hier abrufbar.

Rückfragen: Communications CEE
Ildiko Füredi-Kolarik, Tel. +43 50505 56102, ildiko.fueredi@ba-ca.com

1CEE: BG, HR, CZ, HU, PL, RO, SI, SK und TK. Ohne RU.
2PGMA-Schätzung auf Basis vorläufiger Daten von OECD, Zentralbanken und BCG einschließlich Nordamerika (USA & Kanada), Europa (Ost und West), Asien, Pazifik, Lateinamerika und Naher Osten.
3Bruttogeldvermögen abzüglich jener Verschuldungskomponente, die nicht aus Hypothekenverbindlichkeiten besteht