17.01.2007

CEE-Länder punkten in Mittel- und Hochtechnologiesektoren

  • CEE-Länder als klare Gewinner im internationalen Exportgeschäft – zunehmende Fokussierung auf Mittel-/Hochtechnologieprodukte
  • Gute Aussichten für die Serviceindustrie, den Handel und kapitalintensive Produkte

Die Länder Zentral- und Osteuropas (CEE) zählen in punkto Exportleistung eindeutig zu den Gewinnern der letzten Dekade. Mit inzwischen 4 Prozent Marktanteil an der weltweiten Importnachfrage konnten sie ihre Exportleistung in den vergangenen zehn Jahren ungefähr verdoppeln. Nicht weniger beeindruckend ist die Steigerung des CEE-Marktanteils auf insgesamt 8 Prozent der Gesamtimporte der EU-15. Damit hat sich die Region eindeutig als wichtiger Produktionsarm für das "Alte Europa" etabliert. 

Diese wirtschaftlichen Erfolge verdanken die Länder ihrem erfolgreichen und tief greifenden Strukturwandel. Zu diesem Ergebnis gelangt die aktuelle Branchenanalyse der Märkte in Zentral- und Osteuropa der "New Europe Research Network“"der
BA-CA und der UniCredit Group. In den letzten Jahren hat in den CEE-Ländern eine grundlegende Verlagerung in der internationalen Spezialisierung und Produktionsstruktur von traditionellen Sektoren in Richtung neuer Mittel- und Hochtechnologiebranchen stattgefunden. So konnte sich der CEE-Markt im Zeitraum 1995-2005 zusätzliche Wettbewerbsvorteile in technologie- und wissensintensiven Produktionsbereichen wie Transportausrüstung (z.B. Fahrzeugkomponenten und Ersatzteile, Schiffe, Lokomotiven, etc.), elektrische Anlagen und optische Produkte (Elektromotoren, Radio-/TV-Anlagen, optische und medizinische Instrumente, Computer, etc) sichern.

Der Anteil dieser Branchen an der Wirtschaftsleistung der Region stieg ebenfalls deutlich an; ihr Beitrag zur Gesamtproduktion erhöhte sich von 13 Prozent im Jahr 1995 auf 23 Prozent im Jahr 2005. Besonders ausgeprägt sind diese Entwicklungen in Zentraleuropa. Andererseits verlieren traditionellere Branchen wie die Lebensmittel-, Textil- oder Lederindustrie in dem Maß an Bedeutung, in dem der Wettbewerb durch kostengünstigere aufstrebende Märkte zunimmt.

Eine wichtige Rolle bei diesem Strukturwandel spielten und spielen Auslandsinvestitionen, da sie die Wettbewerbsvorteile der Region zum Tragen bringen. "Die Branchen mit den höchsten ausländischen Direktinvestitionen (FDI) sind auch die mit den höchsten Marktanteilssteigerungen auf internationalen Märkten, da gibt es einen klaren Zusammenhang. Mit dem anhaltend starken Zufluss von FDI hat auch die Innovationstätigkeit im Produktionssektor zusätzliche Dynamik gewonnen", sagt Johann Strobl, Chief Financial Officer der Bank Austria Creditanstalt.

CEE-Länder als Produktionsarm der "alten EU"
Die CEE-Länder haben sich eine starke Wettbewerbsposition als Produktionsstandorte geschaffen. Dies zeigt sich deutlich an ihrer zunehmend bedeutenden Rolle im internationalen Handel und den hohen Zuflüssen an ausländischen Direktinvestitionen in diese Region.

Inzwischen bildet auch der beeindruckende Aufstieg chinesischer Produzenten, die ihren Welthandelsanteil in kurzer Zeit mehr als verdreifacht haben, keine Gefahr mehr für das künftige Wachstum der CEE-Länder. China und die CEE-Länder unterscheiden sich aus wettbewerbsmäßiger Sicht eindeutig in der Schwerpunktverteilung: Während China bei den Exporten stark auf arbeitskraftintensive Branchen wie Textilien und Leder fokussiert ist und sich in einigen kapitalintensiven Bereichen wie Elektronik (insbesondere als Hersteller von Computerkomponenten) eine starke Wettbewerbsposition geschaffen hat, decken die CEE-Länder mit ihren Exporten ein völlig anderes Produktspektrum mit Schwerpunkt in Mittel- und Hochtechnologiebranchen ab. Seit dem Jahr 2000 konnten die zentral- und osteuropäischen Länder ihre Exportquoten in den Bereichen Maschinen, Anlagen und Ausrüstungen (+ 4 Prozent), Gummi und Kunststoffe (+ 5,4 Prozent), sonstige nichtmetallische Werkstoffe (3,2 Prozent), Transportausrüstung (2,7 Prozent), Elektrogeräte (+ 3,5 Prozent), sowie Holz und Holzprodukte (+ 4,4 Prozent) erheblich ausweiten.

"Diese Entwicklung zeigt in welch deutlichem Ausmaß die Länder der Region durch Flexibilität, Stärke und Expertise an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen. Die CEE-Länder legen traditionell hohen Wert auf gute Ausbildung und eine gute Qualität des betrieblichen Umfelds. Das macht sie zunehmend attraktiv für Unternehmen mit kapital- oder wissensintensiven Produkten. Gleichzeitig treten Unternehmen, die möglichst kostengünstige Produktionsstandorte suchen, stärker in den Hintergrund – und wandern zunehmend in den Fernen Osten ab. Dadurch verändert sich in den CEE-Ländern die Produktionsstruktur", sagt Debora Revoltella, Osteuropa-Chefökonomin der BA-CA und der UniCredit Group. Dank ihrer geographischen Nähe eignet sich die CEE-Region optimal für den Ausbau von Produktionszentren für den gesamten europäischen Markt, wie etwa das Beispiel der Automobilindustrie bereits zeigt. 

Die Gründe für die Ansiedlung ausländischer Unternehmen in der CEE-Region sind vielfältig – sie lassen sich nicht über einen Kamm scheren, man muss sich die Situation Land für Land anschauen. So ist beispielsweise in Tschechien und der Slowakei das betriebliche Umfeld ein besonderer Wettbewerbsvorteil. Die Türkei und Polen werden auf Grund des großen Absatzmarktes geschätzt. Bulgarien und Rumänien hingegen locken die Investoren mit nach wie vor relativ geringen Arbeitskosten in einem gesunden und dynamischen Umfeld basierend auf einer langen Industrietradition und einer gut ausgebildeten Arbeiterschaft.

Die wichtigste Chance und Voraussetzung für hohes zukünftiges Wachstum ist ein Spezialisierungsmodell, das sich auf niedrige Arbeitskosten stützt und die Wettbewerbsfähigkeit im Allgemeinen stärkt. "Die Größe der lokalen Märkte, die Chance zum Aufbau pan-europäischer Produktionszentren, ein dynamischer Arbeitsmarkt mit gut ausgebildeten Arbeitskräften und ein unternehmensfreundliches betriebliches Umfeld – dies sind die wichtigsten Faktoren und die wesentlichsten künftigen Wachstumstreiber für die CEE-Region. Die eigentliche Herausforderung für die Zukunft ist, diese Schwungkraft zu erhalten", sagt CFO Johann Strobl.

Branchen-Ausblick
"Wir erwarten in den kommenden Jahren überdurchschnittliche Wachstumsraten in kapitalintensiven Branchen mit höheren Wachstumsbeiträgen aus technologiegetriebenen Branchen wie elektrischen Anlagen und optischen Produkten sowie der Transportindustrie", sagt Chefökonomin Debora Revoltella. "Zum Beispiel wird das Produktionsvolumen im Bereich Transportausrüstung (vorwiegend in der Autoindustrie) in Zentraleuropa wie auch in der Türkei und den neuen EU-Mitgliedsländern Bulgarien und Rumänien im zweistelligen Bereich wachsen. In der Autoindustrie hat sich die CEE-Region bereits als Produktionszentrum für den gesamten europäischen Markt etabliert – Fiat hat Produktionsniederlassungen in Polen und der Türkei, VW in Polen und der Slowakei, Audi in Ungarn, Skoda, Toyota PSA und Hyundai in der Tschechischen Republik, und Kia und PSA Peugeot Citroën in der Slowakei. Darüber hinaus hat Renault bereits Produktionsstandorte in Rumänien und etabliert sich gerade in der Türkei."

Besonders gute Aussichten hat die Bauwirtschaft. Eine Vielzahl an Infrastrukturprojekten wird die positive Entwicklung weiter vorantreiben. Die CEE-Ökonomen der UniCredit Group gehen von 9 Prozent Wachstum für die Region insgesamt aus. 

Von der hohen Wirtschaftsleistung der genannten Sektoren werden auch andere Bereiche wie die Gummi- und Plastikindustrie sowie nichtmetallische Produkte (die Zementindustrie, Glas, Keramik, Ziegel und Fliesen) profitieren. Die Aussichten im Bereich Metalle und Metallprodukte, ein wesentlicher Sektor in den meisten Ländern der Region, zeigen sich auf Grund des großen Modernisierungs- und Restrukturierungsbedarfs und der hohen Abhängigkeit von den Metallpreisen als begrenzt bis stabil. Angesichts der hohen Investitionsnachfrage in der gesamten Region sind hingegen die Aussichten im Bereich Maschinen und maschinelle Ausrüstung durchaus viel versprechend.  

Die Sektoren Landwirtschaft, Lebensmittel, Getränke und Tabak dürften sich auf gleich bleibendem Niveau einpendeln. Die Aussichten für arbeitskraftintensive Branchen wie die Textil- und Lederindustrie sehen dagegen weniger positiv aus. Hier prognostizieren die Ökonomen der UniCredit Group bis 2008 mit Ausnahme von Bulgarien, Tschechien und der Slowakei Rückgänge. 

"Trotz der schwächeren Entwicklung in den arbeitskraftintensiven Branchen sehen wir in den kommenden zwei Jahren insgesamt einen klar positiven Trend für die Produktionssektoren in den Ländern Zentral- und Osteuropas. Gegenüber dem vergangenen Jahrzehnt wird das technologische Know-how dieser Länder aber eine noch größere Rolle spielen. Dies gilt auch für den Dienstleistungssektor, wo vor allem wissensintensive Hochtechnologiesegmente von den hohen Wachstumschancen profitieren werden. Eine der Herausforderungen für die CEE-Länder wird es sein, dieses Wissen in den kommenden Jahren weiter auszubauen und die gesammelten Erfahrungen zu nützen, um weitere Know-how intensive Produktionsbereiche auszubauen", resümiert CEE-Chefökonomin Debora Revoltella.

 Sector Analyses Präsentation (englisch, 1.560 KB)
  Sectoral Analyses Publikation

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt, Communications CEE
Ildiko Füredi-Kolarik, Tel. +43 (0)50505-56 102, ildiko.fueredi-kolarik@ba-ca.com 
Silvia Stefan, Tel. +43 (0) 50505-57126, silvia.stefan@ba-ca.com