29.11.2007

Private Haushalte in CEE weiterhin auf der Überholspur

  • 2007 wird das Vermögen privater Haushalte in CEE  auf € 718 Milliarden wachsen
  • Wichtigste Faktoren: Wirtschaftswachstum, verbesserte Bedingungen am Arbeitsmarkt und die bisher sehr geringen Auswirkungen der US-Immobilienkrise
  • Die Nachfrage nach Konsumgüter und die Investitionen in Immobilien bleiben hoch, daher wird die Zunahme der Verschuldung der privaten Haushalte höher sein als deren Einkommensanstieg

In der gesamten Region Zentral- und Osteuropas (CEE) sorgen die gute wirtschaftliche Entwicklung und die verbesserten Bedingungen am Arbeitsmarkt für einen raschen Vermögenszuwachs. „2007 wird wieder ein Rekordjahr im Hinblick auf den Vermögensaufbau“, so Debora Revoltella, BA-CA Chefökonomin für CEE, auf Grundlage der neuesten Studie der BA-CA: Vermögen und Verschuldung der Haushalte in CEE. Trotz zunehmender Volatilität, sichern die wirtschaftlichen Ergebnisse in Kombination mit einem sich schnell entwickelnden Kapitalmarkt und langfristigen Finanzprodukten diese Zuwächse.

Die Experten der BA-CA erwarten für 2007 einen Anstieg der Vermögen privater Haushalte in CEE auf € 718 Milliarden1 (ca. 1 % des globalen Vermögens und 59 % des BIP),  was einen Anstieg um 20 % - nach 15 % im Jahr 2006 - bedeutet. Die Vermögensbildung wurde von der US Immobilienkrise bisher kaum beeinträchtigt. Tatsächlich zeigten sich die Finanzmärkte in der CEE Region sehr resistent gegenüber den aktuellen internationalen Turbulenzen und erholten sich rasch vom kurzfristigen Schock. Die sehr guten ökonomischen Wirtschaftsdaten in CEE sorgen auch weiterhin für Stabilität, aber die Risiken sind klar gestiegen.

Vermögensaufbau in CEE mit einem durchschnittlichen Wachstum von 14 %
„In den kommenden Jahren unterstützen die guten ökonomischen Aussichten weiterhin den Anstieg finanziellen Wohlstandes, aber mit etwas weniger Dynamik“, so Debora Revoltella. Das Wachstum des finanziellen Wohlstands wird weiterhin deutlich über dem der Realwirtschaft liegen. Von den Experten der Abteilung CEE Research der BA-CA wird ein durchschnittliches Wachstum von 14 % pro Jahr 2008 und 2009 auf 64 % des BIP bis 2009 erwartet, mit rasanter Dynamik vor allem in Russland (31 %), Bulgarien (21 %), Rumänien und Türkei (19 %). Estland und Lettland bilden eine Ausnahme, da das erwartete „soft landing“ der Wirtschaft wahrscheinlich die Kapazität der Haushalte zu sparen beeinflussen wird. Es ist daher zu erwarten, dass in diesen beiden Ländern das Vermögen in Prozent des BIP in den nächsten zwei Jahren nur einen marginalen Anstieg verzeichnen wird.

2007 konzentrierte sich die Nachfrage auf Konsumgüter und Investitionen im Immobilienbereich.  Die starke Nachfrage in diesen zwei Bereichen führte im ersten Halbjahr 20072 zu einem Anstieg der Haushaltsschulden auf 42%. „Die Nachfrage in der Region wird weiterhin durch rasant ansteigende Löhne, verbesserte Arbeitsmarktbedingungen und einem einfacheren Zugang zum Kreditmarkt gekennzeichnet sein“, so Debora Revoltella. Gleichzeitig investieren die Haushalte aufgrund der optimistischen Einschätzung der Immobilienpreisentwicklung und der gewünschten Verbesserung des Lebensstandards immer mehr in ihre Immobilien. Dies bedeutet ein weiteres Jahr kräftigen Wachstums der Verschuldung der Haushalte, die laut BA-CA Experten um mehr als 30% steigen wird.

Liquidität der Haushalte in der CEE Region bleibt stabil
Die Zunahme an Haushaltskrediten in der CEE Region wird weiterhin aufgrund des Bedarfs an Konsumgüter und der bei weitem ungesättigten Nachfrage am Immobilienmarkt steigen. Der beträchtliche Liquiditätsengpass und die zunehmende Risikoaversion aufgrund der US Hypothekenkrise werden für die Banken zu einem Anstieg der Refinanzierungskosten sowie zu einer veränderten Risikokalkulation führen. In Kombination mit der größer werdenden Finanzierungslücke auf der regionalen Ebene, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit einer Kreditverknappung. Die Zunahme der Verschuldung der Haushalte sollte sich dadurch 2008-2009 etwas stabilisieren und einen durchschnittlichen Anstieg von 22 % verzeichnen. Die kräftige Zunahme der Verschuldung löst eine Verschlechterung der Netto-Vermögensposition der Haushalte aus. Obwohl der Grad der Verschuldung generell unter dem der Eurozone bleibt, sind die Risiken gestiegen. Die Liquidität der Haushalte ist stabil, aber die Anfälligkeit für Krisen (speziell im Fall eines abrupten Preisrückgangs im Immobiliensektor) steigt aufgrund des relativ hohen Verschuldungsgrades. Dieser wird in diesem Jahr auf 36% des BIP steigen und damit über dem Durchschnitt der Eurozone von 27% liegen.

 Chart 1

 Chart 2

Investitionen in Versicherungsprodukte und Altersvorsorge sind wichtige Faktoren
„Trotz der aktuellen Turbulenzen am internationalen Finanzmarkt, erwarten wir weiterhin eine Zunahme an risikoreicheren und profitableren Formen von Investitionen in CEE“, erklärt Debora Revoltella. Die Experten der UniCredit Group prognostizieren ein dynamisches Wachstum im Bereich der börsennotierten Aktien und der Anlagenfonds in Slowenien, Kroatien und, in einem geringeren Ausmaß, in Bulgarien. Dort sind die lokalen Märkte immer noch stark von innerstaatlichen Faktoren beeinflusst. In der restlichen Region wird ein langsameres Wachstum erwartet, speziell im Bereich von Aktieninvestitionen, da aktuelle Entwicklungen auf dem internationalen Finanzmarkt und mögliche Anpassungen der Kurse sich negativ auf die Haushaltsstimmung auswirken können.
 
In der gesamten CEE Region sind Investitionen in Versicherungsprodukte und speziell in Pensionsfonds die Haupttreiber des Vermögenszuwachses. Es wird erwartet, dass sie 2007-2009 ungefähr ein Viertel der neuen Ersparnisse auf regionaler Ebene ausmachen.  Ein sehr rascher Zuwachs im Bereich der Altersvorsorge wird in Lettland, Litauen und der Slowakei erwartet, mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate um die 50 %. Das Gleiche gilt für Bulgarien, wo weitere Änderungen im Pensionssystem – durch Erhöhung des Beitragssatzes für die zweite Säule – die rasche Kapitalbildung in der Pensionsvorsorge unterstützen (mit erwartenden Wachstumsraten von 40 % von 2007-2009). Die Pensionsfonds stellen auch in Rumänien einen vielversprechenden Teilbereich dar, denn ab 2008 hat Rumänien ein voll finanziertes Pensionssystem, zusammen mit der kürzlich reformierten freiwilligen Pensionsvorsorge (wirksam seit Mai 2007).

Über die UniCredit Group
Die UniCredit Group ist mit einer Marktkapitalisierung von rund 84 Milliarden Euro (per 1. Oktober 2007) eine der größten europäischen Bankengruppen. Sie ist in 23 Ländern Europas tätig und beschäftigt rund 170.000 Mitarbeiter, die in 9.000 Geschäftsstellen über 40 Millionen Kunden betreuen. Die Bilanzsumme der UniCredit Group beträgt per 30. Juni 2007 (pro forma) rund 1.018 Milliarden Euro.

Durch den mit 1. Oktober 2007 wirksamen Zusammenschluss mit Capitalia hat die UniCredit Group ihre Präsenz in Italien – einem der Kernmärkte der Gruppe neben Deutschland, Österreich und Zentral- und Osteuropa – deutlich verstärkt.

In der Region Zentral- und Osteuropa betreibt UniCredit das größte internationale Bankennetz mit über 76,000 Mitarbeitern, die in mehr als 3,700 Geschäftsstellen rund 27 Millionen Kunden betreuen.

1 CEE: Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Türkei und Ungarn
2 Die Zahlen beziehen sich nur auf Bankkredite ( Financial Leasing ist nicht berücksichtigt)

 Gesamtstudie (PDF; 1,9 KB)

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt
Communications CEE
Silvana Lins
Tel.: +43 (0) 50505 56036
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