16.07.2007

BA-CA "CEE Banking Study 2006":
CEE-Bankenmarkt fest in internationaler Hand

  • Führende Banken in der Region Zentral- und Osteuropa stärken ihre CEE-Strategie
  • Gesamtwirtschaftliches Umfeld und Aufholbedarf bei Bankprodukten begünstigen mittel- bis langfristig starkes Wachstum der Banken

Der Bankenmarkt in Zentral- und Osteuropa (CEE)1 ist weiterhin fest in der Hand internationaler Banken, die sich in der Region stark engagieren und als langfristige Investoren in ihrer Positionierung eine klar definierte Strategie verfolgen. Im Gefolge einer neuen Privatisierungswelle in den südosteuropäischen Ländern2 stieg der Marktanteil internationaler Banken per Jahresende 2006 von 78 Prozent im Jahr 2005 auf 82 Prozent (ohne Russland, die Türkei und die Ukraine). Da sich in den bereits “etablierten” CEE-Ländern nur mehr wenige Möglichkeiten für Privatisierungen und  Eigentümerwechsel bieten, verlagert sich das Interesse internationaler Investoren allmählich weiter nach Osten auf Märkte wie Russland, die Ukraine, Georgien und Kasachstan. In Russland, der Türkei und der Ukraine, wo der Marktanteil internationaler Banken niedriger ist als in der übrigen Region CEE, ist daher mit einer weiteren Marktkonsolidierung zu rechnen. Dies geht aus der “CEE Banking Study 2006” hervor, die von den CEE Ökonomen der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) und der UniCredit Group erstellt wurde.

“Internationale Banken spielen in Zentral- und Osteuropa weiterhin eine bedeutende Rolle und sehen die Region als Wachstumsmarkt. Einige Banken werden allmählich in neue aufstrebende Regionen expandieren,” sagt Federico Ghizzoni, Head of Poland’s Markets Division der UniCredit Group und innerhalb der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) für Zentral- und Osteuropa zuständiges Vorstandsmitglied. Die Ökonomen der BA-CA führen die zu erwartenden Veränderungen der Bankenlandschaft im Wesentlichen auf zwei Gründe zurück: Einerseits sollte sich die Marktkonzentration innerhalb der einzelnen CEE-Länder fortsetzen. „Andererseits könnte der Konzentrationsprozess auf dem CEE-Markt vor allem auch ‘importiert’ sein. Er könnte eine Folge größerer grenzüberschreitender Zusammenschlüsse und Übernahmen auf westeuropäischer Ebene sein. Denn nur drei der in Zentral- und Osteuropa führenden internationalen Bankengruppen sind im gesamteuropäischen Raum bedeutende Player,” sagt Debora Revoltella, CEE-Chefökonomin der UniCredit Group.

CEE: Dynamisches Umfeld mit einigen sehr dynamischen internationalen Banken
Alle Bankensysteme in der Region CEE sind heute von gesunden, modernen und dynamischen Banken getragen, die in lebhaftem Wettbewerb miteinander stehen. Der gesamte regionale Bankensektor umfasst 2,600 Banken mit einer Bilanzsumme von insgesamt rund 1.400 Milliarden Euro. Dies entspricht etwa 5,6 Prozent der konsolidierten Bilanzsumme aller Banken im Eurogebiet. Einige wenige internationale Banken betrachten die Region als zweiten Heimatmarkt mit hohem Wachstumspotential; zu Jahresende 2006 kontrollierten sie rund 26 Prozent des gesamten Bankenmarkts in der Region. An erster Stelle der Rangliste der drei führenden Banken in CEE liegt die UniCredit Group, die über die BA-CA in Zentral- und Osteuropa vertreten ist und dort die marktführende Position mit einer Bilanzsumme von 109 Milliarden Euro3 und einem Gewinn nach Steuern (vor Fremdanteilen) von 1,7 Milliarden Euro3 hält. An zweiter Stelle rangiert die Erste Bank mit einer Bilanzsumme von 61,5 Milliarden Euro4 und einem Gewinn nach Steuern (vor Fremdanteilen) von 805 Millionen Euro4. Raiffeisen International folgt auf Platz drei, mit einer Bilanzsumme von 55,9 Milliarden Euro und einem Gewinn nach Steuern (vor Fremdanteilen) von 686 Millionen Euro5. Einige der 10 führenden internationalen Player in CEE betreiben in der Region ein flächendeckendes Netzwerk. UniCredit nimmt mit einer regionalen Präsenz in 20 Ländern6 weiterhin die stärkste Stellung ein und hat ihre Position durch die angekündigten Pläne zum Erwerb von Mehrheitsanteilen an der ATF Bank, der drittgrößten Bank in Kasachstan, und an der Ukrsotsbank, der sechstgrößten Bank in der Ukraine, vor kurzem weiter gestärkt. Dahinter folgen Raiffeisen International und die Société Générale mit einem 15 Länder umfassenden Bankennetz. Insbesondere die Société Générale hat in den letzten Monaten im Rahmen mehrerer Transaktionen in der Region bedeutende Aktivitäten gesetzt und ihr Netzwerk um fünf neue Märkte (Albanien, Kroatien, Mazedonien7, Moldawien und Georgien) erweitert.

Starke Zunahme der Bankenrentabilität
Die in Zentral- und Osteuropa tätigen Banken werden aufgrund günstiger Konjunkturaussichten und nachhaltiger Volumenszuwächse weiterhin eine hohe Rentabilität erzielen. Allein im Jahr 2006 stieg der Gewinn vor Steuern (und außerordentlichen Posten) in den CEE-9-Ländern8 im Vergleich zum Vorjahr um 33 Prozent auf 27,5 Milliarden Euro, wobei sich die Wachstumsrate gegenüber dem Vorjahreswert bedeutend erhöhte (2005: +27 Prozent). Die Wirtschaftsexperten der UniCredit Group rechnen damit, dass die Gewinne der Banken in der Region im Zeitraum 2007-2009 um 15,3 Prozent steigen werden, wobei die jährlichen Wachstumsraten in allen Ländern voraussichtlich nahe bei oder über 10 Prozent liegen werden (Ausnahmen: Tschechien mit einem Wachstum von 6 Prozent und Ungarn mit 7 Prozent). Das stärkste Gewinnwachstum wird für Russland erwartet, wo die Gewinne vor Steuern im Zeitraum 2007-2009 um durchschnittlich 19,7 Prozent zunehmen sollen. Gute Rentabilitätswerte im Bankensektor werden auch für Bulgarien (+14,3 Prozent) und Polen (+13,7 Prozent) erwartet. "Diese günstigen Prognosen machen die CEE-Länder auch in Zukunft zu einem wichtigen Wachstumsmarkt für die in der Region tätigen internationalen Banken," sagt Federico Ghizzoni.

Banken profitieren von weiterhin günstiger Konjunkturentwicklung
Über die günstige wirtschaftliche Konvergenz hinaus hat die im Vergleich zum Eurogebiet niedrigere Marktdurchdringung mit Bankprodukten das Wachstum angetrieben. Einer der Indikatoren für diese niedrigere Marktdurchdringung ist der Anteil der Bevölkerung, die über ein Girokonto verfügt: In der Region CEE9 liegt dieser Wert bei 48 Prozent gegenüber fast 100 Prozent in westeuropäischen Ländern wie Österreich. Ein weiterer Indikator ist das Verhältnis von Bankaktiva zum BIP. Diese Kennzahl stieg von 60 Prozent im Jahr 2004 auf 70 Prozent im Jahr 2006, liegt aber immer noch weit unter dem Vergleichswert von fast 300 Prozent für das Eurogebiet. Natürlich verbergen sich hinter dem regionalen Durchschnitt beträchtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. In Zentraleuropa und den baltischen Staaten ist die Entwicklung des Bankensektors am weitesten fortgeschritten, gefolgt von den südosteuropäischen Ländern sowie der Türkei, Russland und der Ukraine.

Das Wachstum des Geschäftsvolumens der Banken wird sich insbesondere bei Krediten in nächster Zeit fortsetzen. Die Hauptgründe dafür sind der wirtschaftliche Aufholprozess, durch den sich der Lebensstandard der Bevölkerung erhöht, und günstige konjunkturelle Faktoren einschließlich einer regen Investitionstätigkeit der Unternehmen. Die Ökonomen der BA-CA rechnen mit einem Wachstum des Kreditvolumens in der Region um durchschnittlich 29 Prozent in den nächsten drei Jahren und mit einer Zunahme der Einlagen um etwa 23 Prozent. "Die stärksten Zuwächse des Geschäftsvolumens im Bankenbereich erwarten wir für jene Länder, in denen der Konvergenzprozess sehr rasch verläuft, wie in der Ukraine und in Russland. Zur Illustration des Potenzials auf diesen Märkten: Vom neuen Geschäftsvolumen10, das in der Region im Zeitraum 2007-2009 insgesamt zu verzeichnen sein wird, werden rund 60 Prozent auf Russland und die Ukraine entfallen. Auch in den Konvergenzmärkten Bulgarien und Rumänien sowie in den baltischen Staaten erwarten wir gute Geschäftsmöglichkeiten", sagt Debora Revoltella.

Privatkundengeschäft bleibt das am stärksten wachsende Segment
Auf gesamtregionaler Ebene wird das Privatkundengeschäft weiterhin die stärksten Zuwächse verzeichnen. Die Marktdurchdringung mit Bankprodukten für private Haushalte wird sowohl aktivseitig als auch auf passivseitig zunehmen. Bei Krediten an Privatkunden in Zentral- und Osteuropa wird bis 2009 mit einem jährlichen durchschnittlichen Wachstum von rund 35 Prozent gerechnet. Eine besonders hohe Dynamik wird bei Privatkundenkrediten in der Ukraine und in Russland erwartet, wo das Wachstum in diesem Bereich mit 62 Prozent bzw. 52 Prozent fast doppelt so hoch wie im gesamten CEE-Markt sein wird. Auf den Plätzen folgen Rumänien, Serbien und die baltischen Staaten, wo in den nächsten drei Jahren bei Krediten an Privatkunden mit einem Wachstum von über bzw. fast 30 Prozent gerechnet wird. In der letzten Zeit verzeichneten Verbraucherkredite und Wohnbaukredite sehr hohe Zuwächse. Im Bereich Wohnbaukredite ist jedoch weiterhin der größte Aufholbedarf gegenüber westeuropäischen Märkten festzustellen: Zu Jahresende 2006 lag in diesem Bereich die Marktdurchdringung gemessen am BIP in CEE bei 7 Prozent gegenüber 38 Prozent im Eurogebiet. "Dieser Wert zeigt ein enormes Wachstumspotenzial. Die in der Region tätigen Banken werden aus diesem Aufholbedarf resultierende Geschäftsmöglichkeiten nutzen. Ich rechne daher in diesem Bereich mit neuen Produkten, die den Aufholprozess weiter beschleunigen werden", sagt BA-CA Osteuropa Chef Federico Ghizzoni.

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt, Communications CEE;
 Ildiko Füredi-Kolarik, Tel. +43 (0)5 05 05-56102;
 e-mail: ildiko.fueredi-kolarik@ba-ca.com

 1   CEE: BG, BiH, HR, CZ, EE, HU, LV, LT, PL, RO, RU, SK, SI, SRB, TK und UA
 2   Einschließlich Privatisierung der größten rumänischen Bank BCR
 3   Pro forma einschließlich ATF Bank (Kasachstan) und Ukrsotsbank (Ukraine); Türkei zu 50% für jede Tochtergesellschaft berücksichtigt (YKB zu 50%)
 4   Pro forma einschließlich Bank Prestige (Ukraine)
 5   Bereinigt um Einmaleffekt aus Verkauf der Raiffeisenbank (Ukraine) und der Beteiligung an der Bank TuranAlem (Kasachstan)
 6    Einschließlich indirekter Präsenz in Aserbaidschan, der Kirgisischen Republik und der Republik Tadschikistan (ohne Repräsentanzen)
 7   Noch im Finalisierungsstadium
 8   CEE-9: BG, HR, CZ, HU, PL, RO, SK, TK und RU
 9   CEE ohne baltische Staaten
 10    Im Zeitraum 2007-2009 wird das Neuvolumen (Kredite und Einlagen) in der Region CEE (einschließlich Kasachstan) voraussichtlich 1.600 Milliarden Euro erreichen.