15.11.2007

Journalistenpreis "Writing for CEE" vergeben

  • Martin Leidenfrost gewann mit einer Feuillton-Serie im "Presse-Spectrum" über "Die Welt hinter Wien"

Der österreichische Journalist Martin Leidenfrost ist am Mittwochabend in Wien mit dem von der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) und der APA  - Austria Presse Agentur Journalistenpreis "Writing for CEE" ausgezeichnet worden. Für diesen jährlich vergebenen Preis können Journalisten aus den Staaten Mittelosteuropas (CEE) und Südosteuropas (SEE) ihre Texte einreichen. "Im Mittelpunkt der Werke soll die journalistische Auseinandersetzung mit der europäischen Integration stehen", so Christina Wreth, Leiterin des Departments "Identity & Communications" der BA-CA.

Mit ihrem kritischen Ausblick auf den "Eisernen Vorhang in den Köpfen" verwies die langjährige Osteuropa-Berichterstatterin des ORF, Barbara Coudenhove-Kalergi, bei der Preisverleihung auf die "paradoxe Situation", "dass wir uns 18 Jahre nach der Wende weniger verstehen als vorher". 1989 habe es auf dem Prager Wenzelsplatz geheißen: "Wir wollen zurück nach Europa", und in Österreich habe es eine große Sympathie für die Reformbewegung in der damaligen Tschechoslowakei gegeben. Jedoch: "Unser Bewusstsein hat mit der Entwicklung nicht Schritt gehalten." Das betreffe auch die "Kulturschaffenden und Geistesmenschen", so Coudenhove-Kalergi: "Die kühlen Manager aus der Wirtschaft haben die Chancen schneller erfasst."

Der Gewinner des diesjährigen Preises, Martin Leidenfrost, versucht in seinen Texten, "Mitteleuropa erfahrbar zu machen". Die im "Spectrum", der Samstagsbeilage der Tageszeitung "Die Presse" zwischen Oktober 2006 und September 2007 erschienenen Artikel "Die Welt hinter Wien" sind ein Jahreszyklus von Porträts, im Stil persönlich gehaltener Feuilletons. Gegenstand der Serie ist der "mitteleuropäische Zentralraum zwischen Alpen und Karpaten, irgendwo um die Städte Wien und Bratislava, Györ und Brünn herum".

Der 1972 in Niederösterreich geborene Autor, der seit drei Jahren im slowakischen Grenzort Devínska Nova Ves, "auf der langsam vernarbenden Naht des Eisernen Vorhangs", lebt, schreibt Geschichten aus einer Gegend, "die auf vier Staaten, vier Staatssprachen und Dutzende Ethnien verteilt ist". Und doch liegt alles um die Ecke, wie der Autor formuliert. Die Gegend hat einige Namen bekommen, Namen wie "Centrope". Doch kaum ein Bewohner empfindet "diesen von Grenzen zerfurchten Raum" als eine organische Region.

"Ich bin Österreicher und ich habe einen Kilometer nach Österreich, 30 Kilometer nach Ungarn, 50 in die Tschechische Republik. Aus dieser Perspektive erscheint der Raum als eine natürliche Einheit. Es ist die Perspektive, aus der ich erzähle", erklärt der Autor.

Der zweite Platz von "Writing for CEE" ging gleichermaßen an die Rumänin Ana-Maria Luca mit einer Reportage über Emigranten, die ihre Kinder in der Heimat zurück lassen müssen, und - bereits zum zweiten Mal - an die bulgarische Journalistin Janina Dragostinova.

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt Communications CEE
Silvana Lins,  Tel.: +43 (0) 50505 DW 56036
E-mail : Silvana.Lins@ba-ca.com