14.06.2007

BA-CA Konjunkturindikator:
Konsumdelle sollte überwunden werden

Der Konjunkturindikator der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) stieg im Mai auf 4,7, den höchsten Wert seit 1990. „Das Vertrauen der Industrie hat wieder leicht zugelegt. Gemeinsam mit der nochmals verbesserten Konsumentenstimmung führte das zu einem weiteren Anstieg des Konjunkturindikators“, sagt Marianne Kager, Chefvolkswirtin der BA-CA.

Die leichte Korrektur des Rückganges der Industriestimmung vom April und der neuerliche Anstieg der Konsumentenstimmung waren damit stärker als der Rückgang der Stimmung der Industrie im Euroraum. Trotz der besseren Konsumentenstimmung in Österreich enttäuschte jedoch der Private Konsum insgesamt im ersten Quartal. Obwohl sich die Einzelhandels-umsätze gut entwickelten, blieb der gesamte Konsum mit seinem Wachstum im ersten Quartal sogar hinter dem Durchschnitt der letzten drei Jahre zurück. Zwar ist ein Teil davon auf den wetterbedingten geringeren Energieverbrauch zurückzuführen, trotzdem würden die Konjunkturlage-Indikatoren einen deutlich stärken Anstieg der Konsumnachfrage erwarten lassen.

Die Beschäftigung ist in Österreich auch im ersten Quartal so stark gestiegen wie seit Jahren nicht mehr und die verfügbaren Einkommen dürften 2006 sowohl real als auch nominell so stark gestiegen sein wie noch nie seit 2000. „Trotz Optimismus in die Zukunft und guter Arbeitsmarkt- und Einkommensentwicklung sparen die Österreicher soviel wie seit mehr als zehn Jahren nicht, die Sparquote erreicht 10 Prozent“, so Stefan Bruckbauer von der BA-CA. Dennoch lassen die ersten Schätzungen für den April und Mai erneut keine besondere Dynamik der privaten Nachfrage erkennen. Das belegt gerade auch der schwache KFZ-Absatz . Gleichzeitig legen die Einlagen mit einem Wachstum von über 5 Prozent sogar etwas stärker zu als zu Beginn des Jahrtausends, als Österreich drei Jahre Stagnation erlebte und sich das Wachstum bei den Privatkrediten abschwächte.

Grundsätzlich kann man jedoch nach Meinung der BA-CA Ökonomen nicht von einem untypischen Konsumverhalten der Österreicher in den letzten Jahren sprechen, lediglich in den letzten beiden Quartalen kam es zu einer divergierenden Entwicklung. Während das Beschäftigungswachstum weiterhin bei über 2 Prozent blieb, ging die Jahreswachstumsrate des Konsums von 2 Prozent (real) im dritten Quartal 2006 auf 1,2 Prozent im ersten Quartal 2007 zurück. Gleichzeitig stieg die Sparquote deutlich an. Trotz dieses etwas überraschenden Rückganges der Konsumdynamik zu Jahresbeginn 2007 blieb es höher als im Euroraumdurchschnitt, so wie in den letzten zwei Jahren. Lediglich in Spanien, Frankreich, Finnland, Irland und Griechenland stieg der Konsum in den letzten zwei Jahren stärker als in Österreich. Diese Länder konnten auch, mit Ausnahme Frankreichs, ein stärkeres Beschäftigungswachstum als Österreich verzeichnen.

„Die Entwicklung der letzten Jahre und auch der internationale Vergleich lässt darauf schließen, dass der Konsum in Österreich durchaus mit der Beschäftigungsentwicklung im Einklang steht und die kurzfristige Schwäche beim privaten Konsum überwunden werden kann und damit die Konjunktur wieder auf eine breitere Basis gestellt wird“, meint Marianne Kager. Die Ökonomen der BA-CA gehen daher davon aus, dass sich dieser „Konsumstau“ im Verlauf der nächsten Monate wieder etwas auflösen sollte, der private Konsum trotz etwas gestiegener Inflation an Dynamik gewinnen wird. Dies ist nach Meinung der Ökonomen auch notwendig, da die Auslandskonjunktur im Jahresverlauf an Tempo verlieren wird. Dafür sprechen viele Indikatoren, wie die Stimmung in der Industrie im Euroraum und auch die zuletzt etwas enttäuschende Industrieproduktion in vielen Ländern des Euroraumes.

Wachstum bleibt in den nächsten drei Quartalen über Potenzial
Mit der sich nun langsam beschleunigenden inländischen Nachfrage und einer vorläufig noch immer sehr guten Auslandskonjunktur sollte dann das Wachstum in den nächsten Monaten nach Meinung der BA-CA über Potenzial bleiben und nur wenig unter dem ersten Quartal. Damit bestätigt sich die Erwartung eines Wachstums von leicht über 3 Prozent für 2007.

2008 gehen die Ökonomen der BA-CA davon aus, dass die guten Rahmenbedingungen der letzten Jahre, nicht zuletzt der Arbeitsmarkt und die Einkommen, die private Nachfrage lebhaft bleiben lassen. Die Investitionen werden jedoch wieder etwas nachlassen, die Exportnachfrage sollte schwächer sein, was auf eine leichte Abkühlung im Euroraum zurückzuführen ist. „Bei guter Inlandskonjunktur wird die nachlassende Auslandsnachfrage 2008 das Wachstum für Österreich auf 2,3 Prozent reduzieren. Dieser Wert liegt noch immer über dem Potenzial mit derzeit nur geringem Risiko einer deutlicheren Abkühlung“, meint Bruckbauer.

 Tabellen zur Presseaussendung

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt Economics and Market Analysis
Stefan Bruckbauer, Tel. 05 05 05 DW 41951
e-mail: stefan.bruckbauer@ba-ca.com