19.12.2007

Osteuropa wird für die Autoindustrie immer wichtiger

  • Alle führenden Autohersteller der Welt investieren und produzieren in Zentral- und Osteuropa
  • Der Anteil Zentral- und Osteuropas an der gesamteuropäischen Pkw-Herstellung beträgt fast 16% und hat sich seit 2002 verdoppelt

Zentral- und Osteuropa (CEE) hat sich für die Kraftfahrzeugindustrie, eine Branche mit hohem Konsolidierungs- und Globalisierungsgrad, zu einer wichtigen Region entwickelt. Im Jahr 2006 erreichte die Autoproduktion weltweit insgesamt 69 Millionen Einheiten. Eine dominierende Stellung dabei hatten drei Regionen, in denen die Kfz-Erzeugung traditionell eine bedeutende Rolle spielt: Nordamerika, Japan und Westeuropa. Einige führende Hersteller stehen allerdings vor zunehmenden Herausforderungen. Dazu zählen eine sinkende Nachfrage auf den traditionellen Märkten, Überkapazität, wachsende Konkurrenz, steigende Kosten für Forschung und Entwicklung sowie ein Anstieg der Ölpreise. Dies führt zu komplexen Restrukturierungsmaßnahmen, die auch Produktionsverlagerungen beinhalten. "Insbesondere die Länder in Zentral- und Osteuropa profitieren sehr stark von diesen Entwicklungen", sagt Debora Revoltella, BA-CA Chefökonomin für CEE. "In der Region CEE werden derzeit knapp 16% aller in Europa hergestellten PKW erzeugt, wobei sich der Anteil seit 2002 verdoppelt hat."1

Im Jahr 2006 wurden in Zentral- und Osteuropa fast 5 Millionen2 Fahrzeuge produziert, gemessen an der Wertschöpfung wächst die Kfz-Branche um jährlich rund 20%3. Ohne hohe Auslandsinvestitionen wäre das dynamische Wachstum der Autoindustrie in den CEE-Ländern nicht möglich. Aus der Studie der UniCredit Group über die Kraftfahrzeugbranche geht hervor, dass die Auslandsinvestitionen bereits ein Gesamtvolumen von über 20 Milliarden Euro erreicht haben. "In den letzten Jahren hat die Region CEE alle weltweit führenden Hersteller aus Europa, den USA und Asien angezogen. Dazu zählen Volkswagen, Renault, Peugeot-Citroën, Fiat, GM, Ford, Toyota, Hyundai-KIA, Suzuki und einige andere", erläutert Debora Revoltella. Eine besondere Stärke weist Zentral- und Osteuropa als Produktionsstandort für die Herstellung sparsamer Kleinwagen auf, wo es insbesondere auf Kosteneinsparungen ankommt. 

Hohe Exportorientierung der Kfz-Branche in Zentral- und Osteuropa, Inlandsnachfrage in Zukunft ein wichtiger Wirtschaftsfaktor
Die rasche Zunahme der lokalen Kraftfahrzeugproduktion kommt auch im wachsenden Kreis der Zulieferfirmen zum Ausdruck, die in vielen osteuropäischen Ländern einen hohen Anteil an der Wertschöpfung der Branche haben. Die Autoindustrie in der Region CEE ist stark export-orientiert, die Exporte aus dieser Region haben sich seit 2000 fast verdreifacht. Ausländische Direktinvestitionen und Exporte weisen hohe Wachstumsraten auf und verstärken einander. Besonders attraktiv ist die Region für Investoren durch die erheblichen Kostenvorteile, aber auch durch wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die sich rasch weiter verbessern. "Die hohe Anziehungskraft der Region CEE ergibt sich auch aus ihrem bedeutenden Marktpotential", sagt Debora Revoltella. "Hier kommt die Kombination von Bevölkerungsgröße, hohem Einkommenswachstum und geringer Marktdurchdringung im Kraftfahrzeugbereich zum Tragen." Gemessen an der Einwohnerzahl ist die Anzahl der Autos in Zentral- und Osteuropa viel niedriger – in Russland, der Türkei und Rumänien beispielsweise kommen auf 100 Einwohner weniger als 20 Autos – als in Westeuropa (mit fast 60 Autos pro 100 Einwohner in Italien und Deutschland).

Viele globale Autohersteller wählen die Region CEE auch deshalb als Produktionsstandort, weil sie in Zukunft mit einem raschen Absatzwachstum auf den lokalen Märkten rechnen. Insgesamt  sind in den zentral- und osteuropäischen Ländern 75 Millionen Autos registriert. Im Jahr 2006 erreichten die Neuwagenverkäufe insgesamt 3 Millionen Einheiten. Obwohl die Zunahme des Neuwagenabsatzes in der Region CEE nicht immer den hohen Erwartungen entspricht, sind die Wachstumsperspektiven in einigen CEE-Märkten – insbesondere in Russland, der Türkei und Rumänien – hervorragend. Im Zuge der wirtschaftlichen Konvergenz wird der Verkauf von Neuwagen auf diesen Märkten zunehmen. 

Zentral- und Osteuropa als "Neues Detroit" der Kfz-Produktion
Der grenzüberschreitende Branchencluster in Zentraleuropa (Tschechische Republik, Slowakei, Polen, Ungarn), das "Neue Detroit", wird eines der wichtigsten Zentren der Kraftfahrzeugherstellung bleiben bzw. sogar weiter expandieren4. Derzeit hält die Tschechische Republik die führende Stellung in der Pkw-Erzeugung, aber die Produktion  in der Slowakei wird in Zukunft stärker wachsen. In der Tschechischen Republik wurden 2006 insgesamt 850.000 Autos hergestellt, was einem Anteil von 30% an der gesamten Autoproduktion in den CEE-Ländern entspricht. Zu den führenden Herstellerländern zählten im Jahr 2006 auch Polen mit über 600.000 Einheiten und die Türkei mit rund 550,000 Autos. In naher Zukunft wird die Slowakei ihre Stellung in der Region stark ausbauen: Zur bedeutenden Präsenz von Volkswagen kommen dort die in letzter Zeit getätigten hohen Investitionen aus dem Ausland (PSA, Kia).

Über die UniCredit Group
Die UniCredit Group ist in 23 Ländern Europas tätig und beschäftigt rund 170.000 Mitarbeiter, die in 9.000 Geschäftsstellen über 40 Millionen Kunden betreuen. Die Bilanzsumme der UniCredit Group beträgt per 30. Juni 2007 (pro forma) rund 1.018 Milliarden Euro.
Durch den mit 1. Oktober 2007 wirksamen Zusammenschluss mit Capitalia hat die UniCredit Group ihre Präsenz in Italien – einem der Kernmärkte der Gruppe neben Deutschland, Österreich und Zentral- und Osteuropa – deutlich verstärkt. 
In der Region Zentral- und Osteuropa betreibt UniCredit das größte internationale Bankennetz mit über 76.000 Mitarbeitern, die in mehr als 3.700 Geschäftsstellen rund 27 Millionen Kunden betreuen.

1 Einschließlich Russland liegt der Anteil bei etwa 22%.
2 Zahlen einschließlich Russland (wo über eine Million Autos hergestellt wurden).
3 Siehe "Entwicklung der Autoindustrie in Zentral- und Osteuropa, 2000-2005"
4 Siehe Grafik "Die Bedeutung der CEE Länder für die Autoindustrie"

 "Study on automotive industry", englisch (PDF, 3,4 MB)
 chart "Top global car manufaturers producing in CEE"
 chart "Entwicklung der Autoindustrie in Zentral- und Osteuropa, 2000-2005"
 chart "Die Bedeutung der CEE Länder für die Autoindustrie"

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt Communications CEE
Silvana Lins 
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