14.03.2005

Weltweiter Zinsstraffungszyklus

  • Die Boomphase bei Anleihen ist passé
  • Wechselkurse kurzfristig stabil, auf mittlere Sicht Abschwächung des US-Dollars

Die Wirtschaftsindikatoren deuten bereits das vierte Jahr in Folge auf ein robustes Wachstum der Weltwirtschaft hin. Selbst das Wirtschaftswachstum in der Eurozone zeigt eine Erholung. Wirtschaftsrisiken sind zwar nach wie vor vorhanden, das niedrige globale Leitzinsniveau erscheint jedoch immer weniger gerechtfertigt. Vor diesem Hintergrund führen die Zentralbanken die Leitzinssätze in Richtung eines für die Wirtschaft neutralen Niveaus heran. Die Risiken für eine Beschleunigung der Inflation sind jedoch wegen der Kosten dämpfenden Auswirkungen der Globalisierung gering, weshalb die Zentralbanken maßvoll agieren. „Der weltweite Zinsstraffungszyklus bedeutet für die Anleihenmärkte, dass die Boomjahre passé sind. Mit ausgeprägten Kursverlusten muss aber nicht gerechnet werden“, sagt Gerhard Winzer, Leiter Fixed Income Research Major Markets der CA IB.

CA IB prognostiziert EZB-Leitzinsanhebungen auf 3,25%
In den USA nähert sich der Zinsanhebungszyklus dem Ende. Das Wirtschaftswachstum ist solide (2006: 3,5% p.a.) und die Inflationsrisiken sind nach oben gerichtet. Die Fed hat den Leitzinssatz bereits deutlich auf aktuell 4,5% angehoben. Wenn sich die Inflationsrisiken nicht vergrößern, dürfte der Zinszyklus bei 5% im Mai auslaufen, meint Winzer.
Im Unterschied dazu wird die EZB den Leitzins weiter anheben. Die Stimmungsindikatoren unterstützen die Prognosen einer Erholung der Wirtschaft in der Eurozone (2006: 2,1%, 2007: 2%). Die Wirtschaftsrisiken bleiben jedoch bestehen (hoher Ölpreis, globale Ungleichgewichte, niedriges Lohnwachstum). Die Inflationsrisiken sind etwas nach oben gerichtet (Öl, indirekte Steuern, administrierte Preise, vor allem indirekte Preiseffekte). Die Inflationsraten werden zwar niedrig, aber dennoch über dem mittelfristigen Inflationsziel der EZB von maximal 2% bleiben (2006: 2,2%, 2007: 2,2%). Je mehr die Indikatoren also auf eine selbst tragende Erholung in Richtung Potenzialwachstum in der EWU hindeuten (rund 2%, keine Boomphase), desto näher und schneller kann damit der Leitzinssatz in Richtung neutrales Niveau angehoben werden (rund 3,25%).

Überdurchschnittliche Kursanstiege bei Anleihen sind vorbei
Der treibende Faktor für die Finanzmärkte in den vergangenen Jahren war überschüssiges Kapital. Anleihen, insbesondere jene mit hohen Renditen, verzeichneten somit kräftige Kursanstiege und Währungen mit einem hohen Zinsniveau erfuhren eine erhöhte Nachfrage.

Die Zentralbankpolitik ist unmittelbar das größte Risiko, welches dieses sehr günstige, aber labile Umfeld empfindlich stören könnte: 1) Je stärker die Wirtschaftsindikatoren bzw. je höher die Inflationsrisiken, desto mehr und/oder schneller werden die Zentralbanken den jeweiligen Leitzinssatz anheben. 2) Aggressivere als die zurzeit prognostizierten Zinserhöhungen könnten zur Folge haben, dass die überschüssige Liquidität und damit die Nachfrage nach Anleihen abnehmen könnten. 3) Darüber hinaus verringert das höhere Euro- und US-Dollar-Zinsniveau die Attraktivität von riskanteren Märkten. So lange jedoch die Indikatoren auf keine weitere Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivität und auf zunehmende Inflationsrisiken hinweisen, werden die Zinserhöhungserwartungen des Marktes nicht weiter signifikant zunehmen. Die BA-CA Analysten meinen, dass also kurzfristig mit einer Fortführung des aktuellen Trends in Richtung höheres Renditeniveau gerechnet werden kann. Das Potenzial für kräftige Renditeanstiege bleibt jedoch begrenzt.

Wechselkurse getrieben von Zinserwartungen
Aufgrund des Parallellaufs der Wirtschafts- und Zinszyklen in den USA, der EWU, Japan und Schweiz kann auf kurze Sicht mit einer Seitwärtsbewegung der jeweiligen Wechselkurse gerechnet werden. Sollte jedoch eine Zentralbank davon ziehen bzw. hinterher hinken, würde es zu einer Festigung bzw. Abschwächung der jeweiligen Währung kommen. Da nach Einschätzung Winzers mit einem baldigen Ende der Zinserhöhungen in den USA, einem Fortführen des Zinszyklus in der Eurozone und mit dem Beginn von Zinserhöhungen in Japan spätestens Anfang 2007 zu rechnen ist, dürfte sich bis Ende 2006 der US-Dollar gegenüber dem Euro (auf 1,25) und gegenüber dem Yen (auf 105) abgeschwächt haben.

Empfehlungen
Mit dem Einsetzen des EZB-Zinsanhebungszyklus und den noch immer tiefen langfristigen Euro-Renditen sind fixe Finanzierungen attraktiv. Auf der Veranlagungsseite sollten Euro-denominierte Anleihen bevorzugt werden. Bei Fremdwährungsfinanzierungen ist der Schweizer Franken dem Yen klar vorzuziehen. Bei Euro/US-Dollar Niveaus unter 1,17 sollten Wechselkursabsicherungen in Betracht gezogen werden. 

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt  International Markets
Veronika Fischer-Rief, Tel.: 050505 DW 82833; E-Mail: veronika.fischer-rief@ba-ca.com