17.01.2006

Türkei – das neue Konvergenz-Thema

· Hohe Wachstumsraten bleiben erhalten
· Auslandsinvestitionen auf Rekordniveau
· Dynamischere Marktentwicklung als in CEE zu erwarten

Die Bedeutung der Türkei als strategischer Partner für die EU wurde zuletzt wieder deutlich sichtbar, als es um russische Gasexporte für die EU durch die Ukraine ging. Inzwischen zeigen Investoren immer mehr ihr Vertrauen in das Land, das gerade einen neuen Rekord an ausländischen Investitionen meldete. Das abgelaufene Jahr 2005 verlief für den türkischen Kapitalmarkt beachtlich: der ISE 100 Index machte einen 80%-Sprung nach oben (in EUR) und die 12-Monats-Anleiherendite ging im Jahresverlauf von 20% auf 14% zurück.

“Die Türkei ist die neue Konvergenz-Story. Wir beobachten seit dem Beginn der Betrittsverhandlungen mit der EU im Oktober 2005 ein wachsendes Vertrauen seitens der internationalen Investoren. Ein Beweis für die erfolgreiche Reformpolitik der türkischen Regierung“, erklärte Willi Hemetsberger, Mitglied des Vorstandes der Bank Austria Creditanstalt. Dabei versucht die Regierung nicht nur an Zustimmung innerhalb der eigenen Bevölkerung zu gewinnen, sie hat auch ein offenes Ohr für die Anliegen von potenziellen Investoren. Ein Hinweis darauf ist die Reduktion der Unternehmenssteuer von 30% auf 20% im Jahr 2006, wodurch die Unternehmensgewinne und letztlich auch die Beschäftigung angekurbelt werden.

Reformprogramm bleibt auf Kurs
Die Regierung will ihr Reformprogramm in den nächsten Jahren fortsetzen und ihre restriktive Geldpolitik beibehalten, wodurch ein Primärüberschuss von 6,5% des BNP erreicht werden soll. Einen solchen Wert erreicht kaum ein anderes Land auf der Welt. Die Maastricht-relevante Budgetdefizitquote von 3% des BIP (bereits 2005 erreicht) und der Verschuldungsgrad von 60% des BIP (Ende 2007 zu erwarten) werden wohl noch früher eintreten als nach den optimistischsten Annahmen, da die Zinskosten stärker zurückgingen und die wirtschaftliche Entwicklung besser verlief als prognostiziert.
 
„Vor den herannahenden Präsidenten- und Parlamentswahlen im Jahr 2007 werden sich die Märkte auch auf das politische Programm der Regierung konzentrieren. Wir erwarten, dass sowohl türkische als auch ausländische Investoren weiterhin vom Reformkurs überzeugt sein werden. Aus diesem Grund gehen wir auch davon aus, dass sich sowohl Aktien als auch Anleihen aus der Türkei besser entwickeln werden als anderswo in Zentral- und Osteuropa“, sagte Simon Quijano-Evans, Türkei-Analyst der BA-CA. Unterstützt wird diese Annahme durch starkes Wirtschaftswachstum (6% potenzielles BIP Wachstum in den nächsten Jahren), eine weitere Reduktion der Inflation (auf rund 5,5% Ende 2006) und einen Rückgang der Zinsen.

Dank des Reformkurses der Regierung, der nun erstmals nachhaltig wirkt, haben auch die ausländischen Direktinvestitionen erheblich zugelegt. Im Jahr 2005 beliefen sie sich auf netto USD 7 Mrd, womit ein gleich hohes Niveau erreicht wurde wie in den Jahren 1999 bis 2004 zusammen. Bedeutende internationale Investoren sehen sich nach allen möglichen Investitionsprojekten um, von Produktionsstätten bis zu Immobilien, und wollen sich rechtzeitig positionieren, um von den jungen Arbeitskräften, den hohen Wachstumsraten und dem Exportpotenzial in die Nachbarschaft der Türkei zu profitieren.

Der Nabucco-Faktor
Der jüngste Gas-Streit zwischen der Ukraine und Russland unterstreicht die wichtige Position der Türkei als alternative Route für lebensnotwendige Energie-Lieferungen in die EU. Die geplante Nabucco-Gaspipeline durch die Türkei wird von höchster Bedeutung sein, um eine zu große Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu vermeiden.

Die Vogelgrippe – ein neues Risiko, aber nicht nur für die Türkei
Die Vogelgrippe steht ein Risiko dar, vor allem für den Tourismus und die Wirtschaft insgesamt. Im Jahr 2005 beliefen sich die Nettoeinnahmen aus dem Fremdenverkehr auf USD 15 Mrd., die einem Leistungsbilanzdefizit von rund USD 22 Mrd gegenüber standen. Ein Rückgang der Tourismus-Einnahmen könnte zu einem höheren Leistungsbilanzdefizit von 8% oder mehr führen. In jedem Fall wäre die Vogelgrippe nicht ein auf die Türkei beschränktes Problem. Bei einer Verschlimmerung der Situation ist bestimmt mit einem Einspringen des Internationalen Währungsfonds zu rechnen, um ernste Zahlungsbilanzprobleme zu vermeiden.

Optimistischer Ausblick für 2006
Dank des generell positiven Ausblick für die Türkei, der auf solidem Wachstum basiert, erwartet die BA-CA für den türkischen Kapitalmarkt eine stärkere Entwicklung als auf anderen Märkten Zentral- und Osteuropas. Die Türkei bleibt für Anleger in allen Investitionsformen interessant.

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt International Markets 
Veronika Fischer-Rief, Tel. +43 (0)5 05 05 DW 82833;
E-Mail: veronika.fischer-rief@ba-ca.com