21.07.2006

Bank Austria Creditanstalt Asset Allocation für das 3. Quartal 2006:
Die Risikoaversion an den Märkten ist gestiegen

  • Inflation, Öl, enttäuschende Unternehmenszahlen, Naher Osten als Themen
  • Daher: Strategie wird defensiver, Aktienquote nur mehr neutral

Die Korrektur an den internationalen Börsen, die bereits im Mai eingesetzt hat, fand zu Beginn des dritten Quartals ihre Fortsetzung. Einerseits traten zuletzt wieder vermehrt geopolitische Themen in den Vordergrund (Gewalt im Mittleren Osten), andererseits verlief die Berichtsaison in den USA bis jetzt eindeutig durchwachsen. Vor diesem Hintergrund floss vermehrt Geld in Staatsanleihen, die Renditen kamen im Verlauf der ersten drei Juliwochen sowohl in den USA als auch in Europa zurück. In Japan trat die Notenbank in das internationale Konzert der Zinserhöhungen ein und erhöhte den Leitzinssatz auf 0,25 Prozent.

Unsere Zinserwartungen: Wir sehen in den USA noch eine Erhöhung um 25 Basispunkte auf 5,5 Prozent, die erste Senkung erwarten wir für Anfang 2007. In Euroland sehen wir bis Oktober noch zwei Anhebungen um je 25 Basispunkte auf dann 3,25 Prozent.

Auch an den Aktienmärkten geht der Trend immer stärker in Richtung Risikoaversion. Die Anleger reduzieren ihre Exposures in risikoreicheren Anlageklassen (z. B. Schwellenbörsen, Technologieaktien etc.) und bevorzugen stattdessen lieber Staatsanleihen oder innerhalb der Aktien defensive Sektoren, wie Pharma, Telekom oder Versorger.

Auch die Rohstoffmärkte haben zuletzt wieder ein kräftiges Lebenszeichen gegeben, nachdem der Preisauftrieb noch im Frühjahr ins Stocken geraten war. Die aufgeflammte Gewalt im Mittleren Osten hat einerseits den Ölpreis wieder steigen lassen, andererseits die Nachfrage nach Gold als Refugium in unsicheren Zeiten geschürt.

Da das dritte Quartal historisch betrachtet nicht zu den besten Zeiten an den Börsen  zählt, tragen wir dem Umfeld Rechnung und haben unserer Strategie eine etwas vorsichtigere Ausrichtung verliehen. Von der Reduzierung der Aktienquote bis zum Zurückfahren der Exposures in den Emerging Markets reicht hier die Palette der gesetzten Maßnahmen. Sie sollen insgesamt die Tatsache unterstreichen, dass wir in unserer Strategie der gestiegenen Risikoaversion Rechnung tragen.

Dies gilt auch für die Liste unserer Empfehlungen, die diesmal ebenfalls stark defensive Züge trägt: Aus der Pharmabranche haben wir Novartis auf der Liste, ergänzt durch den Versorger eon  und den Tabakwert Altria (vormals Philip Morris). Diese drei Titel umfassen die geradezu klassische defensive Palette. In Europa kommt noch der Energiewert Total hinzu (steigender Ölpreis, Hurricane Season), sowie die britische Supermarktkette Tesco. Unsere einzig wirklich zyklische Empfehlung, sozusagen um das Portfolio abzurunden, ist das Konglomerat GE.

Asset Allocation:
An den internationalen Aktienmärkten ist zuletzt die Risikoaversion gestiegen, wobei dahinter fundamental gesehen die Befürchtung steht, ein stärker aufkommender Inflationsdruck könnte die Zentralbanken weltweit zu einer eher aggressiven Gangart bei ihren Zinserhöhungen veranlassen. Die jüngste Welle der Gewalt im Nahen Osten lässt das Thema "geopolitische Risken" ebenfalls wieder in den Vordergrund treten. Nach drei Jahren der ausgezeichneten Performance an den Weltbörsen tragen wir diesem neuen Klima des verstärkten Risikobewusstseins Rechnung und reduzieren die Aktienquote auf neutral, sprich 40 Prozent. Die Renten liegen dementsprechend bei 57 Prozent, Cash bei 3 Prozent.

Anleihen
Auch in den detaillierten Aktien- und Rentenportfolios setzt sich das Thema "gestiegene Risikoaversion" fort. Rentenseitig haben wir die Position "Resteuropa", die auch den CEE-Raum mit einschließt, von bisher 10 auf 8 Prozent reduziert. Dementsprechend haben wir den Rentenanteil in Euroland von bisher 79 auf 81 Prozent aufgestockt. Im Dollar-Segment sind wir auch weiterhin untergewichtet, wobei die Abschwächung des Dollar zuletzt deutlich an Dynamik verloren hat.
 
Aktien
In der Assetklasse Aktien hat zuletzt die Volatilität deutlich zugenommen, und es kam gerade in jenen Segmenten zu Gewinnmitnahmen, in denen zuvor die stärksten Anstiege verzeichnet worden waren. Insofern schlägt das Thema "Risikoaversion" also auch auf die Länderaufteilung innerhalb der Aktienquote durch. Wir reduzieren unsere Exposures in den "Sonstigen Ländern – Emerging Markets" von bisher 10 auf nunmehr 8 Prozent. Im Gegenzug wird im Aktienteil Japan von bisher 12 auf 14 Prozent erhöht. Wir sehen gerade in Japan nach den jüngsten Kursrückgängen attraktive Chancen, wobei die an und für sich positiven wirtschaftlichen Fundamentaldaten des Landes auch auf die Profitabilität der Unternehmen durchschlagen sollten.

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt Asset Management
Monika Rosen, Bereichsleiterin Research, Tel. (01) 33 147 DW 5403
E-Mail: monika.rosen@amg.co.at