01.02.2006

Jobs, Jobs, Jobs – Gemischte Aussichten für Osteuropa

  • Situation auf den Arbeitsmärkten in Zentral- und Osteuropa verbessert sich
  • Starkes Wirtschaftswachstum wirkt sich positiv auf die Beschäftigung aus
  • Durchschnittliche Arbeitslosenrate aber noch weiterhin deutlich über dem Durchschnitt der „alten“ EU-15-Länder

Die Situation auf den Arbeitsmärkten in Zentral- und Osteuropa hat sich in den beiden vergangenen Jahren allmählich verbessert. Hauptverantwortlich dafür ist das starke Wirtschaftswachstum im Neuen Europa. Insgesamt ist die Arbeitslosenrate in den Neuen EU-Mitgliedsländern (NMS) von 14,5 Prozent Anfang 2004 auf 13,1 Prozent Ende 2005 zurückgegangen. Sie liegt zwar damit noch deutlich über der durchschnittlichen Arbeitslosenrate der EU-15 (7,5 Prozent Ende 2005), doch die Perspektiven sind positiv. „Die Phase der bisherigen „jobless growth“ in den neuen EU-Ländern, also des Wirtschaftswachstums ohne gleichzeitige Steigerung der Beschäftigung, könnte jetzt zu Ende sein“, meint Marianne Kager, Chefökonomin der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA).

Am erfolgreichsten bei der Reduktion der Arbeitslosigkeit zwischen Anfang 2004 und Ende 2005 waren Litauen (-4,8 Prozentpunkte auf 6,8 Prozent), Bulgarien (-3,6 Prozentpunkte auf 9 Prozent) und Estland (-3,3 Prozentpunkte auf 6,7 Prozent), gefolgt von der Slowakei (-2,2 Prozentpunkte auf 16 Prozent), Polen (-1,9 Prozentpunkte auf 17,2 Prozent) und Lettland (-1,6 Prozentpunkte auf 8,3 Prozent).

Relativ konstant blieben die Arbeitslosenraten in der Tschechischen Republik (7,8 Prozent) und in Slowenien (6,4 Prozent).

Leicht gestiegen ist hingegen die Zahl der Arbeitslosen in Rumänien (+0,7 Prozentpunkte auf 8,2 Prozent) und in Ungarn (+1,6 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent). Allerdings liegt die Arbeitslosenrate in diesen beiden Ländern knapp am EU-15-Durchschnitt von 7,5 Prozent.

Stabilisierung der Beschäftigungsquote
Ein weiteres positives Signal von den Arbeitsmärkten der Region ist die Trendumkehr bei der Entwicklung der Beschäftigungsquoten. Die seit Mitte der 90er Jahre rückläufigen Beschäftigungsquoten haben sich im Verlauf des Jahres 2003 auf dem Niveau von knapp 56 Prozent stabilisiert. Mitte der 90er Jahre lag dieses Niveau noch bei rund 60 Prozent.  Hauptgrund für den Rückgang war nach Einschätzung der BA-CA-Ökonomen der strukturelle Umbau der Volkswirtschaften zu international wettbewerbsfähigen Märkten, was zu entsprechenden Umwälzungen und einer rückläufigen Entwicklung der Beschäftigungsquote geführt hat. Im Verlauf des Jahres 2004 haben die Beschäftigungsquoten wieder begonnen leicht zuzunehmen, und in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2005 hat sich dieser positive Trend fortgesetzt. 

Ausgewählte Länderreports:

Polen – Regierungsprogramm zur Senkung der Arbeitslosigkeit
Polen weist neben der Slowakei die höchste Zahl an Arbeitslosen im Neuen Europa auf. Allerdings hat eine Trendumkehr eingesetzt: Im vergangenen Jahr ist die Arbeitslosenrate von 19,4 Prozent im Jänner auf 17,2 Prozent im Dezember zurückgegangen. Im Jahresdurchschnitt wird eine Marke von 18,2 Prozent erwartet, im Vergleich zu 19,6 Prozent im Jahr 2004. Das kürzlich beschlossene Konvergenzprogramm der Regierung geht von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit auf 14,7 Prozent bis 2008 aus.

Tschechische Republik – Heiter bis wolkig
Der Arbeitsmarkt bleibt noch ein Schwachpunkt im ansonsten freundlichen Wirtschaftsklima Tschechiens. Zwar hat die Gesamtbeschäftigtenzahl gegen Ende 2004 ihre lange Talfahrt beendet und im Laufe des Jahres 2005 wieder zugenommen. Allerdings ist die Entstehung neuer Jobs auf einige wenige Branchen und Unternehmensgrößen (mit 50-250 Mitarbeitern) beschränkt. Solange des Wirtschaftswachstum – derzeit 4,9 Prozent – über der 4 Prozent-Grenze liegt, ist von einem weiteren, wenngleich geringen Rückgang der Arbeitslosigkeit auszugehen.

Kroatien – Besonders niedrige Erwerbsquote
Nach Angaben der Regierung liegt die durchschnittliche Arbeitslosenrate 2005 bei 18 Prozent, nach 18,2 Prozent im Jahr 2004. Die Daten der International Labor Organisation (ILO) ergaben für das erste Halbjahr 2005 eine Arbeitslosigkeit von 13,1 Prozent, nach 13,8 Prozent im zweiten Halbjahr 2004. Ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum in den drei letzten Quartalen 2005 und die Erwartungen, dass das Wachstum dieses Jahr mindestens 4 Prozent betragen wird, lassen einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit im laufenden Jahr möglich erscheinen. Aufgrund der relativ restriktiven Arbeitsgesetze, worauf auch die im internationalen Vergleich äußerst niedrige Erwerbsquote von rund 50 Prozent hindeutet, sowie des relativ eng geknüpften Sozialnetzes ist davon auszugehen, dass ein etwaiger Rückgang der Arbeitslosenrate nur sehr moderat ausfallen wird.

Ungarn – Hohe Jugendarbeitslosigkeit
Knapp 22 Prozent der Arbeitslosen in Ungarn sind Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Die Rate der Beschäftigungslosen in dieser Altersgruppe ist von 17 Prozent im Jahr 2004 auf 19,5 Prozent 2005 gestiegen. Die Verschlechterung der Situation ist vor allem auf das noch nicht völlig marktkonforme Bildungssystem zurückzuführen, wonach einerseits ein Überhang an theoretisch ausgebildeten Bewerbern für betriebswirtschaftlich-administrative Posten besteht, andererseits ein Mangel an qualifizierten und gut ausgebildeten Technikern gegeben ist.

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Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt, International Press Relations
Edith Holzer, Tel. +43 (0)50505 DW 57126,  E-Mail: edith.holzer@ba-ca.com