15.11.2006

Südosteuropa im Höhenflug

  • Positive Impulse durch Euroeinführung in Slowenien
  • Bulgarien und Rumänien profitieren von bevorstehendem EU-Beitritt

Inmitten eines international günstigen Konjunkturumfelds wird Zentral- und Osteuropa auch 2006 an die wirtschaftlichen Erfolge der vergangenen Jahre anknüpfen können. Dabei macht insbesondere Südosteuropa mit herausragenden Wachstumsraten auf sich aufmerksam. Die Faktoren für den starken Konjunkturverlauf liegen auf der Hand: Eine steigende Konsumnachfrage, robuste Investitionstätigkeit und ein solides Exportwachstum stärken speziell den südosteuropäischen Ländern den Rücken. Mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von über 6 Prozent klingt das Jahr 2006 in dieser Region besonders positiv aus. Zu den Gewinnern des Jahres 2006 zählen die künftigen neuen EU-Mitglieder Rumänien und Bulgarien. Zu diesen Ergebnissen gelangt der „CEE Quarterly Report”, eine neue volkswirtschaftliche Publikation der Abteilung UniCredit New Europe Research.

An der Schwelle zur Eurozone
Den wirtschaftlichen Höhenflug verdankt Slowenien, das als erstes Land aus Zentral- und Osteuropa im Jahre 2007 den Euro einführen wird, der regen Investitionstätigkeit, die im ersten Halbjahr 2006 im Jahresvergleich 7,6 Prozent betrug. „In Slowenien hat uns die anhaltend starke Binnennachfrage dazu veranlasst, unsere Prognose für die Jahre 2006 und 2007 nach oben zu revidieren. Wir rechnen heuer mit einem Wirtschaftswachstum von 4,7 Prozent”, sagt Debora Revoltella, Osteuropa-Chefökonomin der UniCredit Group. Aber auch die Industrie läuft dank der robusten Auslandsnachfrage auf Hochtouren und legte in den ersten acht Monaten 2006 im Jahresvergleich um durchschnittlich 7 Prozent zu.

Die hohe Wirtschaftsdynamik wird Slowenien auch im kommenden Jahr wahren können. Die Euroeinführung 2007 dürfte dabei für den Außenhandel Vorteile bringen. Aber auch die Privatisierungspläne der Regierung dürften zusätzliche positive Impulse entfalten. Das reale BIP-Wachstum wird daher 2007 voraussichtlich 4,3 Prozent erreichen. Die höheren Energiepreise und die Euroeinführung dürften sich jedoch in einem moderaten Preisschub zeigen. Nach durchschnittlich 2,5 Prozent in 2006 ist im kommenden Jahr mit einem Verbraucherpreisanstieg von 2,9 Prozent zu rechnen.

EU-Beitritt als Konjunkturstütze
Im Zeichen positiver Wachstumsprognosen werden auch die Anfang 2007 der EU beitretenden beiden Länder Bulgarien und Rumänien stehen. Für einen kräftigen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes sorgten in Rumänien im ersten Halbjahr 2006 in erster Linie die starke Nachfrage und hohe Investitionen: Getragen von reger Konsumnachfrage, den Wiederaufbauarbeiten nach der Flutkatastrophe und einer lebhaften Direktinvestitionstätigkeit wird die Wirtschaft im Jahresdurchschnitt 2006 real um 7,2 Prozent zulegen. Die gegenwärtig hohe Wirtschaftsdynamik macht sich dabei auch in einem verbessertem Arbeitsmarktumfeld bemerkbar. Die Arbeitslosenquote sank im September 2006 auf 5 Prozent. Dennoch blieb die rückläufige Inflationstendenz 2006 weiter intakt. Der Verbraucherpreisauftrieb mäßigte sich gar auf 5,5 Prozent im September, der niedrigste Wert seit 16 Jahren. Wichtigste Wachstumsstütze wird in Rumänien weiterhin die robuste Investitionstätigkeit bleiben. Der verstärkte Zustrom an ausländischen Direktinvestionen sowie EU-Fördermittel werden für eine nachhaltige Entwicklung sorgen.

Mit einem Plus von 6,6 Prozent real verzeichnete Bulgarien im zweiten Quartal 2006 das stärkste Wirtschaftswachstum seit Beginn der Transformationsphase. Im Gesamtjahr 2006 ist mit einer Zunahme des BIP um 5,7 Prozent zu rechnen. Die öffentlichen Finanzen fussen auf einer soliden Basis. Dank einer strikten Fiskalpolitik wird das Budget des Gesamtstaates das Jahr 2006 mit einem Rekordüberschuss von über 3 Prozent des BIP schließen. Die Schwachstellen bleiben das weiterhin hohe Leistungsbilanzdefizit und der anhaltend starke Inflationsdruck. Bulgarien wird weiterhin von der starken Inlandsnachfrage sowie auch vom internationalen Image als Billiglohnland profitieren. Vor allem arbeitsintensive Branchen, wie beispielsweise die Elektro- oder Versorgungsindustrie, könnten im besonderen Ausmaß vom EU-Beitritt profitieren.

Die strengen Kontrollen seitens der EU-Kommission sowie die, damit zusammenhängenden möglichen Sanktionen sollen die Umsetzung notwendiger Reformen in den nächsten drei Jahren sicherstellen. „Der Aufholprozess lohnt sich jedenfalls für beide Länder. Optimistisch gesehen könnte ein nächster Schritt bereits im Jahr 2010 die Euroeinführung in Bulgarien und möglicherweise bald darauf auch in Rumänien sein,” resümiert Debora Revoltella.

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Silvia Stefan
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