06.11.2006

Jeder Fünfte in Zentral- und Osteuropa sorgt für Pension vor

  • Wachsender Bedarf an speziellen Vorsorgeprodukten
  • 70% der unter 29-Jährigen haben sich keine Gedanken über Vorsorge gemacht
  • Tschechen, Slowaken und Slowenen sind bei der Pensionsvorsorge am aktivsten

Fast die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung in den Ländern Zentral- und Osteuropas (CEE)  hat bereits mit der Vorsorge für eine private Zusatzpension begonnen oder plant eine private Vorsorge. Bereits jeder fünfte Einwohner Zentral- und Osteuropas verwendet dafür ein Anlageprodukt. Dieser Trend unterstreicht die Skepsis gegenüber dem staatlichen Pensionssystem: Im Durchschnitt gehen nur 10 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung davon aus, das die staatliche Altersversorgung einmal ausreichen wird, um den Lebensunterhalt davon zu bestreiten. Andererseits hat die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung noch nicht über private Vorsorge für eine Zusatzpension nachgedacht.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Marktuntersuchung, die vor kurzem im Auftrag der zur UniCredit Group gehörenden Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) von Fessel&GfK, SMG_KRC, RmPLUS und TNS MODUS in den zentral- und osteuropäischen Ländern durchgeführt wurde.

„Zwischen der Skepsis der Bevölkerung gegenüber der staatlichen Altersversorgung und dem Anteil jener Personen, die bereits privat für die Pension vorsorgen, klafft eine breite Lücke, die das Potential in der Region Zentral- und Osteuropa anzeigt. Die Bedeutung professioneller Beratung und moderner, maßgeschneiderter Vorsorgeprodukte wird hier weiter zunehmen. Damit bieten sich enorme Geschäftsmöglichkeiten für Bankengruppen wie die UniCredit Group,” sagt Andrea Moneta, BA-CA Vorstand für die Märkte in Zentral- und Osteuropa. Generell investieren 20 Prozent der CEE-Bevölkerung in eine Pensionsvorsorge. In Österreich haben hingegen bereits 60 Prozent mit einer privaten Pensionsvorsorge begonnen und 30 Prozent eine in Erwägung gezogen.
 
In folgenden CEE EU-Mitgliedsstaaten hat im Durchschnitt jeder Dritte bereits mit einer privaten Zukunftsvorsorge begonnen: 36 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung in Tschechien, 34 Prozent in Slowenien, 32 Prozent in der Slowakei und 31 Prozent in Ungarn. In diesem Bereich liegt Polen als einziges EU-Mitglied weit hinter den anderen Ländern zurück: 8 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung in Polen investieren in eine private Pension. In den südosteuropäischen Ländern liegt der Anteil jener, die Anlageprodukte für eine private Pension verwenden, unter dem Durchschnittswert der gesamten Region Zentral- und Osteuropa von 20 Prozent: In Bulgarien etwa sind dies 10 Prozent, in Bosnien-Herzegowina und Rumänien 7 Prozent und in Serbien 5 Prozent. Die einzige Ausnahme in Südosteuropa ist Kroatien, wo 21 Prozent der Bevölkerung bereits über Vorsorgeprodukte verfügen.

In der CEE-Region ist die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen hinsichtlich der Vorsorge für eine private Zusatzpension am aktivsten. Insgesamt haben bereits 60 Prozent der Personen in dieser Altersgruppe mit einer privaten Pensionsvorsorge begonnen oder ziehen dies in Erwägung. Jüngere unter 29 Jahren rangieren am anderen Ende der Skala: In dieser Altersgruppe hat eine Mehrheit von etwa 70 Prozent noch nicht über eine Vorsorge für die Zukunft nachgedacht.

„Interessant ist, dass unter diesen jungen Leuten die größte Verunsicherung über ihre finanzielle Lage nach Eintritt in den Ruhestand herrscht. Fast jeder Vierte unter 29 Jahren weiß nicht, ob die staatliche Pension einmal zur Bestreitung des Lebensunterhalts ausreichen wird. Andererseits zeigen Personen in dieser Altersgruppe hinsichtlich Pensionsvorsorge am wenigsten Initiative,“ sagt Martin Mayr, Marktforschungsexperte der BA-CA für Zentral- und Osteuropa. In Österreich ist der Anteil der verunsicherten Jugendlichen mit 12 Prozent wesentlich kleiner.

“Den Banken fällt die Aufgabe zu, jungen Menschen diese Pensionslücke bewusst zu machen und ihnen die richtigen Vorsorgeprodukte zur Verfügung zu stellen. 'Twens' haben dabei einen großen Vorteil: Aufgrund der längeren Ansparzeit können sie regelmäßig kleinere Beträge investieren, um später einmal eine ausreichende private Zusatzpension zu erhalten. Je früher sie mit dem Ansparen beginnen, desto besser für die spätere Zusatzpension,” erläutert Andrea Moneta.

Große Nachfrage nach speziellen Vorsorgeprodukten
In den zentral- und osteuropäischen Ländern wählen 47 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung, die bereits private Vorsorge betreibt oder in Erwägung zieht, für diesen Zweck verschiedene spezielle Produkte, die eindeutig mit dem Ziel der Pensionsvorsorge verbunden sind, wie z.B. Pensionsvorsorgefonds, Betriebspensionen und private Pensionsversicherungen (in Österreich: 52 Prozent). Lebensversicherungen liegen mit 28 Prozent  auf Platz 2 der attraktivsten Alternativen für private Vorsorge (in Österreich: mit 44 Prozent wesentlich höher). Etwa 27 Prozent der Bevölkerung plant, mit „klassischen“ Sparprodukten für die Zukunft vorzusorgen (in Österreich: 30 Prozent).

In der Präferenz für bestimmte Produkte bestehen einige länderspezifische Unterschiede: Bausparverträge zählen zu den deutlich bevorzugten Produkten für die Pensionsvorsorge in Tschechien (30 Prozent), Kroatien (15 Prozent) und der Slowakei (14 Prozent). Wertpapiere und Investmentfonds ganz allgemein (ohne spezielle Pensionsvorsorgefonds) werden am häufigsten in Slowenien (13 Prozent), Polen (11 Prozent) und in der Slowakei (10 Prozent) gewählt. Serben und Rumänen investieren oft in Immobilien (18 bzw. 13 Prozent).

Bosnier, Rumänen und Slowaken bevorzugen eher Sparprodukte (BiH: 52 Prozent, SK: 39 Prozent, RO: 35 Prozent). Lebensversicherungsverträge sind insbesondere in Slowenien (47 Prozent), Kroatien (44 Prozent) und der Slowakei (39 Prozent), aber auch in Serbien und Bosnien-Herzegowina (34 Prozent) sehr beliebt.

Mögliche Ansparbeträge immer noch gering
Derzeit kann die Bevölkerung in den Ländern Zentral- und Osteuropas nur verhältnismäßig geringe Beträge in die private Pensionsvorsorge investieren. Der dafür vorgesehene Betrag liegt bei durchschnittlich 22 Euro im Monat. Zum Vergleich: Österreicher sparen im Schnitt 153 Euro im Monat. „Der Unterschied unterstreicht nochmals das Potenzial für Pensionsprodukte in Zentral- und Osteuropa. In den nächsten Jahren rechnen wir mit einem signifikanten Anstieg des Wohlstandes in der CEE-Region. Pensionsprodukte werden die Antriebskraft für einen jährlichen Vermögenszuwachs von 19 Prozent sein,“ sagt Andrea Moneta.

Die höchsten Beträge von durchschnittlich 36 Euro wollen Slowenen und Kroaten für die Vorsorge aufbringen. Dahinter folgen Serbien und Polen mit einem durchschnittlichen Sparbetrag von 27 Euro pro Monat. In Ungarn und Bosnien liegt der durchschnittliche Betrag bei 22 Euro, knapp gefolgt von Tschechien mit 21,3 Euro und der Slowakei mit 18 Euro pro Monat.

Eine mögliche Erklärung für die niedrigeren Beträge in Tschechien und der Slowakei besteht darin, dass der Vorsorgegedanke dort bereits mittlere und niedrigere Einkommensschichten erfasst hat, die nur geringe Beträge für die private Pensionsvorsorge zur Seite legen können. In Rumänien und Bulgarien ist das durchschnittliche Sparpotential mit 17,5 Euro bzw. 15,9 Euro am niedrigsten. 

„Nach der bevorstehenden EU-Erweiterung werden Rumänien und Bulgarien sicher rasch aufholen. Generell werden Einkommens- und Vermögenszuwächse in allen zentral- und osteuropäischen Ländern zu höheren Sparquoten führen. Bereits jetzt besteht in Zentral- und Osteuropa Nachfrage nach speziellen Spar- und Pensionsvorsorgeprodukten. In Verbindung mit einem Wachstum der Einkommen wird die Nachfrage nach Beratung im Bereich Vermögensverwaltung stark steigen,“ sagt Martin Mayr.

Die UniCredit Group ist in vielen Ländern Zentral- und Osteuropas unter den Marktführern und bietet dort im Rahmen der Vermögensverwaltung bzw. im Vertrieb verschiedene Vorsorgeprodukte an. Generell halten die Banken der Gruppe eine breite Palette an Produkten zur langfristigen Pensionsvorsorge bereit: mit eigenen Pensionfondsgesellschaften, in Zusammenarbeit mit Versicherungspartnern und mit Fonds von Pioneer im Bereich Asset Management, die sich für langfristige Veranlagung eignen.

„Aufgrund der wachsenden Nachfrage und des enormen Potentials wird das Thema Pensionsvorsorge weiter an Bedeutung zunehmen. Mit maßgeschneiderten Produkten und hoher Beratungsqualität wollen wir besonders nah an den Bedürfnissen unserer Kunden agieren und allen Altersgruppen optimalen Service bieten,“ sagt Andrea Moneta.

Die UniCredit Group betreibt das mit Abstand führende Bankennetz in Zentral- und Osteuropa. Gemessen an den Erträgen und der Bilanzsumme in der Region CEE ist die Gruppe doppelt so groß wie der nächstgrößte Mitbewerber in der Region. Das Bankennetz der Gruppe in Zentral- und Osteuropa umfasst 17 Länder; 65,000 Mitarbeiter in 3.000 Niederlassungen betreuen rund 24 Millionen Kunden. Die Bank Austria Creditanstalt ist innerhalb der Gruppe für das Bankgeschäft in der Region CEE  verantwortlich.

Rückfragen:
Ildiko Füredi-Kolarik
Bank Austria Creditanstalt, International Press Relations
Tel: +43 50505 56102, E-Mail: ildiko.fueredi-kolarik@ba-ca.com