09.01.2006

Weltrekord geschafft: Der Österreicher Wolfgang Melchior ging als erster Mensch ohne technische Hilfe in 33 Tagen zum Südpol

  • Dem Österreicher Dr. Wolfgang Melchior ist der Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde gewiss: Er schaffte den Weltrekord in 33 Tagen - geplant waren 40 Tage
  • Er ist am 27.12.2005 um 16.30 Uhr nach mehr als 900 gegangenen Kilometern mit seinem Team am Südpol angekommen
  • Hauptsponsor Bank Austria Creditanstalt gratuliert zum Erfolg
  • Online-Tagebuch voller Erfolg: 300.000 Zugriffe, 32.000 Besucher bangten via Internet und Weblog mit dem Österreicher mit

Der Österreicher Dr. Wolfgang Melchior (50) hat es geschafft. Ihm und dem vierköpfigen Team ist der Eintrag im Guinness Buch der Rekorde sicher. Nach 33 Tagen haben sie die knapp 900 km Luftlinie zum Südpol geschafft - zu Fuß und ohne technische Hilfe. Dr. Wolfgang Melchior wurde von der Bank Austria Creditanstalt unterstützt - finanziell und kommunikativ.

„Wir haben uns der Herausforderung gestellt, eine neue, noch nie gegangene Route zum Pol zu gehen. Es gab von diesem Teil der Antarktis weder Informationen noch detailliertes Kartenmaterial“, so Wolfgang Melchior noch aus der Antarktis, „Ich bin der erste Österreicher der den Südpol ‚unsupported‘ erreicht hat. Es ist mir eine große Ehre, für Österreich, das eine große alpine und polare Tradition hat, diesen kleinen Beitrag dazu geleistet zu haben.“

Melchior flog am 1. November 2005 aus Wien ab. Aufgrund des schlechten Wetters saßen die Abenteurer lange in Punto Arenas fest, ehe sie am 22. November den Weltrekord vom Startpunkt in Patriot Hills starten konnten. Doch nach schon drei Tagen kam der Rückschlag: Ein Teilnehmer musste wegen einer Rückenverletzung evakuiert werden. Das Team entschied sich, noch einmal zu starten. Der neue Starttermin war der 25. November 2005. Seitdem war das Team ohne Unterbrechung für die etwa 25 km Tagesetappen acht bis zehn  Stunden täglich unterwegs, die letzten Tage ging das Team sogar bis zu 40,3 km pro Tag. Am 27. Dezember 2005 erreichte das Team nach nur 33 Tagen um 16.30 Uhr lokale Zeit den Südpol.

Hier der historische Weblog-Eintrag von Wolfgang Melchior vom Südpol:

"Es ist geschafft! Es ist mir eine besondere Freude und Ehre, hier mitteilen zu können, dass wir den Südpol am 27. Dezember um 16.30 Uhr erreicht haben. In den letzten Tagen habe wir noch zusätzlich an Kilometer zulegt, teilweise bis zu 40, 3 km pro Tag.

Zusammenfassend möchte ich sagen, wir haben uns der Herausforderung gestellt eine neue noch nie gegangene Route zum Pol zu gehen. Es gab von diesem Teil der Antarktis weder Informationen noch detailliertes Kartenmaterial. Es ist also ein sprichwörtlich weißer Fleck, den wir hier betreten haben.

Wir haben für die knapp 900 km Luftlinie 33 Tage gebraucht, also sehr viel weniger als wir ursprünglich eingeplant hatten.

Für mich selbst ist heute ein besonderer Freuden- und Ehrentag. Ich bin der erste Österreicher der den Südpol unsupported, d.h. ohne fremde Hilfe, ohne Depots, ohne Windsegel, sondern nur mit selbst gezogenen Schlitten erreicht hat. Es ist mir auch eine große Ehre für Österreich, das eine große alpine und polare Tradition hat, diesen kleinen Beitrag dazu geleistet zu haben.

An dieser Stelle möchte ich auch all jenen danken, die mir die Möglichkeit dazu gegeben haben. Allen voran meiner Familie, meinen Eltern, meinem Bruder, meinen Freunden. Danken möchte ich aber auch meinen zahlreichen Sponsoren, insbesondere der Bank Austria Creditanstalt.

Mit mir gemeinsam haben Rolf Bae, Cecile Skog, Per Henrik Knudson und Roland Krueger den Südpol erreicht. [...]

Ich bin sehr stolz, dass ich diesem Team angehören durfte und freue mich, dass wir diese bekannte Leistung so gut umgesetzt haben."

Quelle: www.antarctica2005.com/weblog - Weblogeintrag vom 27.12.2005

Wolfgang Melchior kehrte aufgrund seiner Frostverletzungen an den Innenseiten der Oberschenkel früher als erwartet am 7. Jänner 2006 nach Wien zurück.

Völlig neuer Weg der Kommunikation



„Ich gratuliere Wolfgang Melchior zu seinem großartigen Erfolg“, so BA-CA Vorstandsdirektor Willi Cernko. Auch das Online-Tagebuch war ein Erfolg: Unter www.antarctica2005.com/weblog konnten Interessierte vom Wohnzimmer und Büro aus via Podcast und Weblog mitfiebern. „Wir haben 32.000 Besucher auf der Internetseite registriert. Insgesamt wurde die Seite seit dem Start 300.000mal abgerufen. Das ist ein schöner Erfolg“, freut sich Cernko.

Wolfgang Melchior (50) ist promovierter Sportwissenschafter, Germanist und Pädagoge im Schuldienst. Er ist verheiratet und Vater einer dreizehnjährigen Tochter. Melchior war Mitglied der legendären russischen Nordpol-Expedition, die mit selbst gezogenen Schlitten auf Schiern in Rekordzeit den Pol überschritt. Vor zwei Jahren hat er mit einer Expedition Grönland durchquert. 2004 war Melchior Teilnehmer der polnischen Expedition, die den 7.546 Meter hohen Mustagh Ata, den höchsten Berg des Kun Lun Gebirges in China, mit Schiern bestieg.

Skurillitäten und interessante Informationen:

  • Wolfgang Melchior hat 2 Schlitten mit ca. 80 kg gezogen. Ein Schlitten war mit ca. 15 bis 20 Benzinkanister bepackt, auf dem anderen Schlitten war alles Notwendige für die Expedition z.B. Seil, Steigeisen, Schlafsack, Zelt, Kleidung, Essen.
  • Die Expeditionsteilnehmer sind jeden Tag bis 8-10 Stunden gegangen und haben dabei um die 25 km zurückgelegt.
  • Sie haben dabei zwischen 6.000 bis 10.000 kcal verbraucht, konnten aber nur 3.500 bis 6.000 kcal in Form von dehydrierter Nahrung zu sich nehmen.
  • Obwohl es in der Antarktis bis zu minus 50° Grad Celsius haben kann, trägt Melchior nur 2 Schichten Bekleidung - Funktionsunterwäsche und darüber Hose und Jacke.
  • In dieser Jacke ist beim Kragen ein Pelzeinsatz eingearbeitet. Die feinen Haare des Pelzes streifen ins Gesicht und verhindern somit Erfrierungen.
  • Für die vergangenen drei Monate hatte Melchior nur 4 Paar Socken dabei, 2 zum Schlafen, 2 zum Gehen.
  • Seine Schuhe sind eine Spezialanfertigung. Normalerweise trägt er Schuhgröße 8 diese Spezialschuhe sind Größe 11!
    Von innen nach außen sind es folgende 5 Schichten: dünne Laufsocken, ein Plastiksackerl darüber als Dampfsperre, ein Filzschuh gegen den hohen Abrieb, darüber ein Überschuh der nach innen sehr offen ist und mit dem Filzschuh eine Einheit bildet, darüber ein Außenschuh
  • Damit seine Zähne bei den kalten Temperaturen nicht zerspringen können, hat er einen Zahnschutz getragen. Das behinderte ihn natürlich beim Essen, aber auch bei der Atmung.
  • Die Expeditionsteilnehmer haben im Zelt auf einer Iso-Matte geschlafen. Der Schlafsack war aus Kunststoff gefertigt, denn Daunen würden zuviel Wasser speichern.


Weitere Informationen über die Expedition unter www.antarctica2005.com

Rückfragen:  Bank Austria Creditanstalt Pressestelle
Peter N. Thier, Tel. +43 (0)5 05 05 DW 52371;
E-Mail: peter.thier@ba-ca.com