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30.03.2004

BA-CA Kommentar zu Polen:
Wirtschaftserholung trotz politischer Turbulenzen

  • BA-CA hebt Konjunkturprognose von 4,2 auf 4,4 Prozent an
  • Starkes BIP-Wachstum vor allem im ersten Quartal 2004 erwartet

Nach Ansicht der volkswirtschaftlichen Abteilung der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) wird sich die Wachstumserholung in Polen auch im Falle möglicher anhaltender politischer Turbulenzen fortsetzen. Die BA-CA-Experten gehen davon aus, dass das polnische BIP heuer um deutlich mehr als 4 Prozent wachsen wird. Für die Fiskalpolitik bestehen nach Meinung der BA-CA-Ökonomen durchaus Chancen, dass an den Reformzielen des Hausnerplans festgehalten wird. Es sei allerdings nicht auszuschließen, dass es vorübergehend zu einem Stillstand bei den Reformen kommen könnte. Der Wechselkurs des polnischen Zloty dürfte gegenüber der politischen Entwicklung sensibel bleiben. Bislang hat der Zloty auf die jüngsten politischen Ereignisse jedoch nur unwesentlich reagiert.

Nach der Abspaltung einer Gruppe von 20 Abgeordneten unter Führung von Parlamentssprecher Marek Borowski von der Regierungspartei SLD und der Gründung der „Sozialdemokratie Polens“ (SDPL) gab Premierminister Leszek Miller am vergangenen Wochenende seinen Rücktritt per 2. Mai 2004 bekannt. Präsident Alexander Kwasniewski beauftragte daraufhin Ex-Finanzminister Marek Belka mit der Bildung einer neuen Regierung, die sich innerhalb von 14 Tagen einem Vertrauensvotum im Parlament stellen muss. Belka war bereits vor Wirtschaftsminister Hausner und Finanzminister Kolodko für die Wirtschaftspolitik Polens verantwortlich. Er gilt als Verfechter eines relativ strikten fiskalpolitischen Kurses und formulierte die sogenannte Belka-Formel, wonach die Staatsausgaben nicht um mehr als 1 Prozent (inflationsbereinigt) jährlich wachsen dürfen.

Fiskalpolitik als Schlüsselfaktor
Die Fiskalpolitik ist ein Schlüsselfaktor für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Polens. Nur eine drastische Reduktion des Budgetdefizits kann sicherstellen, dass die Staatsschuld unter der in der Verfassung festgelegten Höchstgrenze von 60 Prozent des BIP bleibt. Angesichts Polens Bestrebungen, nach dem EU-Beitritt auch zügig den Euro einzuführen, ist die Einhaltung dieses Kriteriums von hoher Wichtigkeit. Eine Arbeitslosenrate von beinahe 20 Prozent macht allerdings eine restriktive Fiskalpolitik zu einem sozial und politisch brisanten Thema.

Nach Ansicht der BA-CA-Ökonomen könnte im Hinblick auf mögliche Neuwahlen auch mit verschärften Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Privatisierung verschiedener Staatsunternehmen – beispielsweise Polens größter Bank PKO BP oder dem Versicherer PZU – zu rechnen sein. In Abhängigkeit von der weiteren politischen Entwicklung sind nach Meinung der BA-CA-Experten auch Wechselkursschwankungen nicht auszuschließen. Unterstützend dürfte jedenfalls die wirtschaftliche Erholung wirken, für die ein schwacher Wechselkurs sogar förderlich ist.

Aufschwung mit zunehmendem Tempo
Die jüngsten Veröffentlichungen des polnischen Statistikamtes weisen auf ein zunehmendes Tempo des Aufschwungs in Polen hin. Die Industrieproduktion wuchs im Februar um eindrucksvolle 18,4 Prozent im Jahresabstand, die Einzelhandelsumsätze um inflationsbereinigte 10,3 Prozent. Allerdings sind diese Zuwächse zum Teil auf vorgezogene Käufe zurückzuführen, die die Konsumenten angesichts des bevorstehenden EU-Beitritts und möglicher Preiserhöhungen durch Steueranpassungen getätigt haben. Beispielsweise lagen die Autoverkäufe im Februar nominell um 22,8 Prozent höher als im Februar 2003.

„Man darf die politischen Turbulenzen nicht unter- und den Aufschwung nicht überschätzen, es handelt sich zum Teil um ein vorgezogenes Wachstum. Das erste Quartal wird aber stark werden und wir revidieren unsere Vorhersage für das BIP-Wachstum im 1. Quartal 2004 von 4,8 Prozent auf 5,1 Prozent im Jahresabstand“, sagt Marianne Kager, Chefökonomin der Bank Austria Creditanstalt. „Da das Wachstum über ein breites Spektrum von Branchen anzieht, heben wir die Prognose auch für das Gesamtjahr 2004 von 4,2 Prozent auf 4,4 Prozent“, so Kager weiter. Das beschleunigte Wachstum sollte auch die Budgetsanierung erleichtern.

Auswählte Indikatoren zu Polen:

   2000  2001  2002  2003  2004*  2005*
Veränderung zum Vorjahr in %
 BIP (real)  4,0  1,0  1,4  3,7  4,4  4,0
 Industrieproduktion (real)  7,1  -0,1  1,4  8,7  12,8  8,6
 Bruttoanlageinvestitionen (real)  2,7  -8,8  -6,8  -0,9  5,1  9,1
 Verbraucherpreise (Jahresdurchschnitt)  10,1  5,5  1,9  0,8  2,3  3,6
 Arbeitslosenquote (Jahresdurchschnitt)  13,9  16,1  19,7  19,9  19,7  19,4
 Budgetsaldo (in % des BIP)  -2,6  -5,1  -5,7  -6,0  -7,0  -5,8
 Leistungsbilanzsaldo (in % des BIP)  -6,1  -3,9  -3,6  -1,9  -2,5  -2,6
 PLN/EUR (Jahresdurchschnitt)  4,01  3,67  3,85  4,40  4,70  4,68

*Prognose
Quelle: Bank Austria Creditanstalt, Polnische Nationalbank, Polnisches Statistikamt


Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt 
Group Marketing & Communications
Edith Holzer, Tel. +43 (0)5 05 05 DW 57126
E-Mail: edith.holzer@ba-ca.com