07.04.2004

Zins- und Währungsanalyse:
Konjunkturrisiken im Westen, Budgetsorgen im Osten

  • Unsicherheit, ob EZB den Zinssenkungsspielraum ausnützt.
  • Die „fetten“ Anleihenjahre sind endgültig vorbei, Attraktivität bleibt jedoch aufrecht.
  • Die EU-Erweiterung ist auf Finanzmärkten abgehakt.
  • Budgetpolitische Versäumnisse lassen EWU-Beitritt der CEE-3 nach hinten rücken.

Auch wenn der Wirtschaftsaufschwung in der Eurozone anhält, nehmen Dynamik und Inflationsrisiken ab. Die daraus resultierende Rücknahme der Erwartungen für Zinserhöhungen von Seiten der EZB sowie das anhaltend tiefe Leitzinsniveau in den USA konnten das generell hohe Kursniveau von Anleihen bis dato halten. Nach Ansicht der Zins- und Währungsanalyse der Bank Austria Creditanstalt bleiben Euro-Anleihen für die kommenden Quartale attraktiv, allerdings sind die „fetten“ Zeiten endgültig vorbei.

Zinserhöhung durch die Fed erwartet, Zinssenkungsphantasien im Euro-Raum

Mit den zuletzt veröffentlichten guten Arbeitsmarktdaten in den USA ist die Nachhaltigkeit der derzeit kräftigen BIP-Wachstumszahlen weniger in Frage gestellt als noch vor wenigen Wochen. In der Eurozone hinkt der Arbeitsmarkt weiterhin der wirtschaftlichen Erholung hinterher. Die notwendigen Impulse für den privaten Konsum bleiben daher aus. Als Konsequenz wird die amerikanische Zentralbank Fed mit dem Zinsanhebungszyklus voraussichtlich im 2. Halbjahr 2004 beginnen. „Wir erwarten, dass der Leitzins im ersten Quartal 2005 bei 2% stehen wird“, meint Gerhard Winzer, Leiter Zins- und Wechselkursanalyse Major Markets, „Im Gegensatz dazu geben die niedrigen Inflationsdaten im Euro-Raum der EZB Spielraum, den Leitzinssatz zu senken, um die Wirtschaft zu unterstützen“. In den kommenden Monaten könnte somit der Leitzins in zwei Schritten um jeweils 0,25 Prozentpunkte auf insgesamt 1,5% gesenkt werden.

Gefangen zwischen erwarteten Zinserhöhungen seitens der Fed und Zinssenkungsphantasien im Euro-Raum, sollten die Euro-Renditen in geringerem Ausmaß ansteigen als die USD-Renditen. Für die 10jährige deutsche Bundesanleihe wird für das erste Quartal 2005 ein etwas höheres Renditeniveau von 4,75% (derzeit 4,07%) angesetzt. 


US-Dollar und Yen kurzfristig fester gegenüber Euro

Der Abschwächungsdruck, den der US-Dollar auf Euro und Yen ausübt, verringert sich aufgrund der guten Wachstumsdaten aus den USA. Zudem kann wegen der momentan guten Konjunkturdaten aus Japan der Yen nun einen größeren Teil der USD-Abwertung verkraften. Beim Kursverhältnis zwischen Euro und Yen ist daher mit hoher Volatilität zu rechnen.
Bei der EUR/USD-Relation sind USD-Zwischenspurts auf 1,10 gegenüber EUR durchaus vorstellbar. Das Langfristziel von 1,30 bis 1,40 für das Jahr 2005 bleibt jedoch aufrecht. Der EUR/CHF-Wechselkurs sollte seine vergleichsweise stabile Schwankungsbreite zwischen 1,52 und 1,60 behalten.


Nach EU-Beitritt rücken EWS II und EWU in den Vordergrund

In Zentral- und Osteuropa stehen die Finanzmärkte nicht mehr im Zeichen der historischen EU-Erweiterung, sondern sie fokussieren sich bereits auf den Eintritt in das Europäische Wechselkurssystem (EWS II) und die Europäische Währungsunion (EWU).
Die weitere Konvergenz erfordert Reformen sowie eine solide Finanzpolitik in den neuen Beitrittsländern selbst. „Einen Wohlstandsautomatismus für die Region durch den EU-Beitritt gibt es nicht“, meint Peter Szopo, Leiter des Markets Research der Bank Austria Creditanstalt.

„Insbesondere die Budgetpolitik in den drei großen Beitrittsländern Polen, Ungarn und der Tschechischen Republik war zuletzt säumig, wodurch sich der Beitritt dieser Länder in das europäische Währungssystem bzw. die Währungsunion nach hinten verschieben wird“, so Szopo.


Empfehlungen

Wegen des langfristigen Abschwächungsrisikos im US-Dollar sollte eine USD-Wechselkursabsicherung für Unternehmen bei einem EUR/USD-Wechselkurs von 1,15 in Betracht gezogen werden. Bei Finanzierungen ist der US-Dollar am risikoreichsten und der Yen ist nach wie vor viel riskanter als der Schweizer Franken.
Auf der Veranlagungsseite sollten Euro-denominierte Anleihen bevorzugt werden, wobei Papiere mit einer Laufzeit von bis zu sieben Jahren empfohlen werden.

In den lokalen Währungen Zentral- und Osteuropas eröffnen sich auf Grund des später als ursprünglich erwarteten Eintritts in die EWU wieder Investitionschancen.
Angesichts der hohen Renditen und der erwarteten Zinssenkung stellen vor allem ungarische Forint-Anleihen mit mittleren und längeren Laufzeiten eine attraktive Veranlagungsmöglichkeit dar. Der polnische Zloty ist deutlich unterbewertet, kann aber dennoch angesichts der aktuellen politischen Unsicherheit unter Druck bleiben. Das gegenwärtige Zinsniveau in Polen und die erwartete Leitzinsanhebung ergeben eine Renditeerwartung von 4,5% am kurzen und 3,5% am langen Ende. Die Anleihen-Renditen in Tschechien sind unattraktiv, weil das aktuelle Zinsniveau niedrig ist, eine Zinsanhebung wahrscheinlich scheint und die Tschechische Krone kurzfristig unter Druck kommen könnte.


Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt  International Markets
Veronika Fischer-Rief, Tel.: 050505 DW 82833; E-Mail: veronika.fischer-rief@ba-ca.com