10.11.2004

Globale Ungleichgewichte drücken auf den US-Dollar

  • Solides, aber weniger schwungvolles Wirtschaftswachstum weltweit.
  • Leitzinsen werden steigen.
  • Ansteigende Renditen in Sicht, aber das Niveau bleibt niedrig.

Der Konjunkturzyklus der Weltwirtschaft hat den Höhepunkt überschritten. Die Erholung in der Eurozone bleibt damit verhalten. Trotzdem wird der globale Anstieg der Leitzinsen weiter anhalten. Vor allem die starken Rohstoffpreisanstiege haben Inflationsrisiken mit sich gebracht. „Es geht nicht darum, ob es weitere Zinsschritte gibt, sondern nur um den Zeitpunkt und das Tempo“, stellt Peter Szopo, Leiter des Markets Research der Bank Austria Creditanstalt, fest.

Damit sollten auch die Renditen, die sich auf sehr tiefem Niveau befinden, etwas ansteigen. Bei den Wechselkursen ist das Hauptthema die Dollar-Schwäche gegenüber vielen anderen Währungen, die im nächsten Jahr zu einem Wechselkurs des Euro gegenüber dem US-Dollar von 1,35 führen sollte.

Vorsichtige EZB-Zinsanhebungen im kommenden Jahr
Die Eurozone bekommt mit dem festeren Euro und der schwächeren externen Nachfrage Gegenwind, da die Inlandsnachfrage und der Arbeitsmarkt stagnieren. „Dennoch könnte die EZB bis Jahresende 2005 den Leitzinssatz vorsichtig auf bis zu 2,75% anheben, da die Inflationsrisiken nach oben gerichtet sind“, meint Gerhard Winzer, Leiter des Fixed Income Research Major Markets.

Das aktuelle Investmentthema im Markt lautet „Carry Trades“, also das Finanzieren zu tiefen Geldmarktzinsen für den Ankauf von Anleihen mit lang laufenden Renditen. Die reichlich vorhandene Liquidität und die tiefen Leitzinsen haben zu einem übertriebenen Kaufinteresse von Renditen jedweder Art (Emerging Markets, High Yields, kreditsichere Staatsanleihen) geführt, wodurch sie auf ein sehr tiefes Niveau gefallen sind. Die US-Renditen sollten jedoch im nächsten Jahr wieder einen ansteigenden Trend in Richtung 5% im 10jährigen Bereich einschlagen. Gründe dafür sind die Leitzinsanhebungen der Fed in Richtung neutrales Niveau (3% bis 3,5% bis Ende 2005), die nur moderate Abschwächung der US-Wirtschaft auf Potenzialwachstum, der nicht zu vernachlässigende Inflationsdruck in den USA sowie die Dollar-Schwäche. Damit sollten auch die Euro-Renditen etwas zulegen, wegen der gedämpften Wirtschaftsindikatoren jedoch nur in geringerem Ausmaß (auf 4,4%). Zusätzlich wirkt die Euro-Festigung gegen deutliche Renditeanstiege.

Neue Höchststände des EUR gegenüber USD
Der US-Dollar hat die Konsolidierungsphase verlassen und den langfristigen Abschwächungstrend gegenüber vielen Währungen wieder aufgenommen. Der Hauptgrund ist das sich ständig ausweitende US-Leistungsbilanzdefizit (2004: 5,4%) bei einer gleichzeitigen Verlangsamung des Produktivitätswachstums. Solange viele asiatische Staaten eine Dollar-Abschwächung gegenüber ihren Währungen verhindern bzw. dämpfen, wird die Euro-Festigung gegenüber dem US-Dollar anhalten (auf 1,35 Ende 2005), obwohl der faire Wert zwischen 1,10 bis 1,20 liegt.

Zu einer deutlichen Festigung des Yen gegenüber US-Dollar und Euro wird es erst dann kommen, wenn die japanische Wirtschaft zu einem nachhaltigen Wachstum gelangt und/oder China den Yuan gegenüber dem US-Dollar signifikant aufwertet. Beides wird für 2005 allerdings nicht erwartet. Somit sollte der Euro gegenüber dem Yen auf kurze Sicht auch im nächsten Jahr seitwärts gehen, zwischen 125 und 140. Auch der Wechselkurs des Euro gegenüber dem Schweizer Franken sollte sich relativ stabil zwischen 1,50 und 1,55 bewegen. Werte über 1,55 bzw. unter 1,50 sind zwar möglich, wären jedoch nur temporär.

Empfehlungen
Wegen des mittelfristigen Abschwächungsrisikos im US-Dollar sollten Unternehmen eine Dollar-Wechselkursabsicherung in Betracht ziehen. Bei Finanzierungen ist der Yen nach wie vor riskanter als der Schweizer Franken. Zudem sind mit den deutlich gefallenen langfristigen Euro-Renditen fixe Finanzierungen attraktiver geworden.

Auf der Veranlagungsseite sollten Euro-denominierte Anleihen bevorzugt werden, wobei Papiere mit einer Laufzeit von bis zu sieben Jahren empfohlen werden.

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt  International Markets
Veronika Fischer-Rief, Tel.: 050505 DW 82833;
E-Mail: veronika.fischer-rief@ba-ca.com