08.03.2004

Branchenbericht der Bank Austria Creditanstalt Konzernvolkswirtschaft: Keine Entspannung im Einzelhandel

  • Umsatzwachstum von 1,5 Prozent 2003 war zu gering, um die angespannte wirtschaftliche Lage der Branche zu lockern.
  • Preisdruck bleibt hoch: seit 1996 sind die Einzelhandelspreise nur mehr um geringe 0,6 Prozent im Jahr gestiegen.
  • Ab 2005 kann die Branche wieder stärkere Nachfrageimpulse erwarten, die Perspektiven im Einzelhandel werden sich aber nur wenig verbessern.

Österreichs Einzelhandel konnte 2003 nach zwei sehr schwachen Jahren wieder einen Zuwachs verbuchen. Allerdings war das Umsatzplus von 1,5 Prozent nominell zu gering, um weitere Anteilsverluste der Branche an der Gesamtwirtschaft zu verhindern. Zu diesem Schluss kommt Günter Wolf im neuesten Branchenbericht der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) Konzernvolkswirtschaft.

Auf Grund der schwachen Einzelhandelskonjunktur ist die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel 2003 das zweite Jahr in Folge gesunken, seit 2001 um knapp 1 Prozent auf rund 234.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Günter Wolf: "Der Beschäftigungs-rückgang im Einzelhandel 2002 und 2003 war zwar im Vergleich zur Sachgütererzeugung, wo im selben Zeitraum 4 Prozent der Arbeitsplätze verloren gingen, minimal. Die Beschäftigungseinbußen der letzten zwei Jahre markieren aber das Ende jahrelanger Arbeitsplatzzuwächse im Einzelhandel." Im Vergleich zu 1995 arbeiten noch immer um 5 Prozent mehr Menschen im Einzelhandel, gut ein Drittel davon allerdings in Teilzeit.

Der Einzelhandel leidet unter der Kaufunlust der Konsumenten. Das Wachstum der Konsumausgaben ist von durchschnittlich 6 Prozent zwischen 1980 und 1995 auf unter 3 Prozent in den letzten Jahren gesunken. Zugleich schrumpfte der Anteil einzelhandels-relevanter Ausgaben an den Konsumausgaben: 1980 verwendeten private Haushalte noch 50 Prozent ihrer Ausgaben für den Kauf von Nahrungsmittel, Bekleidung oder Möbel, 2002 waren es weniger als 39 Prozent. Hintergrund dieser Entwicklung sind einerseits Veränderungen der Konsumpräferenzen und andererseits die Tatsache, dass viele Dienstleistungen relativ teuer geworden sind. "Durch relativ hohe Preissteigerungen in anderen Bereichen wie bei Dienstleistungen wird dem Einzelhandel Kaufkraft entzogen", so Günter Wolf von der BA-CA Konzernvolkswirtschaft.

Der Handel leidet zudem darunter, dass die Konsumenten verstärkt billigere Produkte kaufen. Die Marktanteilsgewinne der Diskonter sind dafür ein deutlicher Hinweis. Im Lebensmittelhandel ist der Anteil der Diskonter am Spartenumsatz von 20 Prozent Ende der 90er Jahre auf zuletzt 26 Prozent gestiegen. Parallel zu dieser Entwicklung wachsen der Konkurrenzdruck und der Preisdruck im Einzelhandel. Die Einzelhandelspreise sind zwischen 1996 und 2003 nur mehr um geringe 0,6 Prozent im Jahr gestiegen. Im Vergleich dazu wurde die gesamte Palette der Produkte und Dienste, die private Haushalte konsumieren, um durchschnittlich 1,6 Prozent im Jahr teurer.

Ab 2005 kann der Einzelhandel zwar wieder stärkere Nachfrageimpulse erwarten, angeregt durch das kräftigere Wirtschaftswachstum und höherer Zuwächse der verfügbaren Einkommen, die das Vertrauen der Konsumenten stärken. Die Perspektiven im Einzelhandel werden sich aber nur wenig verbessern. Günter Wolf von der BA-CA Konzernvolkswirtschaft: "Fast zwei Drittel der Nachfrage nach Einzelhandelsgütern haben ein sehr beschränktes Wachstumspotenzial, da sie mehr oder weniger vom Bevölkerungswachstum abhängig sind". Die Konsumenten werden auch in Zukunft mehr für Waren und Dienstleistungen jenseits des klassischen Einzelhandelssortiments ausgeben, zum Beispiel für Gesundheits-dienstleistungen oder Reisen. Größere Einzelhandelsunternehmen werden deshalb noch stärker ins Dienstleistungsgeschäft diversifizieren. Kleinere, inhabergeführte Händler, denen dafür personelle wie finanzielle Ressourcen fehlen, geraten zunehmend ins Hintertreffen.


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