16.04.2004

Zwei Drittel der US-Unternehmen über den Analystenerwartungen

  • Berichtssaison startet im Schatten von Irak-Krieg und Zinsängsten
  • Intel und Nokia enttäuschen im laufenden bzw. im ersten Quartal
  • Defensive Werte wie Telekom und Energie bevorzugt

Mitte letzter Woche hat in den USA die Berichtssaison zum ersten Quartal 2004 begonnen. Obwohl allgemein erwartet wird, dass das durchschnittliche Gewinnwachstum mit 19 bis 20 Prozent sehr gut ausfällt, herrscht an den Börsen keine ausgelassene Stimmung. Die Gründe dafür sind, dass das Gewinnwachstum von 28 Prozent im vierten Quartal 2003 nur schwer übertroffen werden kann und der Konflikt im Irak sowie Ängste vor einer Zinserhöhung die Kurse drücken. Trotz dieser angespannten Stimmung fielen die Quartalsergebnisse der Unternehmen bislang sehr gut aus. Mehr als 70 Prozent der veröffentlichten Ergebnisse lagen über den Erwartungen der Analysten.

Obwohl also die große Mehrheit aller Ergebnisse über den Erwartungen der Analysten lag, hat das dem Markt nicht weiter geholfen. Zu stark beachtete man die schwachen Ergebnisse bzw. Prognosen von Intel oder Nokia, die für die Aktienmärkte eine Leitfunktion haben. Intel beispielsweise konnte zwar sowohl Umsatz als auch Gewinn stark verbessern, verfehlte allerdings die Erwartungen der Analysten und enttäuschte vor allem mit seiner Prognose des Umsatzwachstums für das laufende Quartal. Nokia hatte bereits Anfang April die Anlegerschaft schwer enttäuscht, als sie von geringeren Umsätzen im ersten Quartal berichteten und die Aktie damit auf Talfahrt schickten, die erst 15 Prozent tiefer gestoppt werden konnte.

Belastend wirkt sich momentan auch die Angst vor einer Erhöhung des Leitzinssatzes in den USA aus. Nach dem unerwartet starken Anziehen der US-Verbraucherpreise im März um 0,5 Prozent gab es an den Aktienbörsen erst einmal leichte Kursrückgänge. Diese steigende Inflation war nämlich nicht in dem Ausmaß erwartet worden und könnte dafür sorgen, dass die Fed die Zinsen noch in diesem Jahr anhebt. Für die Aktienmärkte wären das natürlich schlechte Nachrichten, da dadurch die Investitionstätigkeit abnehmen könnte.
Ebenfalls nicht vergessen sollte man die Entwicklung im Irak. Nachdem dort in den letzten Wochen keine Verbesserung der Lage eingetreten ist, fürchten Marktteilnehmer, dass das amerikanische Engagement vielleicht sogar verstärkt werden muss und so das Budget zusätzlich belastet wird.

Aufgrund all dieser Faktoren sehen wir zwar weiterhin Potenzial für die Aktienmärkte nach oben, würden aber im Moment eher defensive Sektoren bevorzugen, die vielleicht in den vergangenen Monaten nicht so stark profitieren konnten wie zyklische Branchen. Insbesondere der defensive Konsum zeigt sich im Moment von seiner besten Seite, so konnten die gestrigen Zahlen von unserer Empfehlung Danone positiv überraschen, als das Unternehmen die besten Quartalszahlen seit fünf Jahren bekannt gab. Gespannt darf man auch auf die Ergebnisse von Nestle nächste Woche sein, die ebenfalls gut ausfallen könnten.

Darüber hinaus empfehlen wir weiterhin den Ölsektor, der derzeit sowohl vom hohen Ölpreis als auch von der allgemeinen Konjunkturerholung profitiert und so gute Ergebnisse der Unternehmen ermöglichen sollte. Hier konzentrieren wir uns auf Total oder BP.
Zu guter letzt wollen wir auch noch die Telekombranche und insbesondere die Deutsche Telekom hervor streichen, die von der bevorstehenden Einigung auf einen gemeinsamen Standard in den USA und dem starken Zuwachs am dortigen Markt (+36%) profitieren sollte. 

Fazit:
Für die Börsen stellt sich die Situation also als sehr schwierig dar. Einerseits müssen die Quartalsergebnisse die bereits hohen Erwartungen übertreffen, andererseits blicken die Investoren weiterhin mit einem Auge auf die Geschehnisse im Irak, die die Unsicherheit jederzeit erhöhen können. Und nicht zuletzt haben die ansteigenden Verbraucherpreise Zinsängste hervor beschworen, die vor allem zyklischen Aktien schaden könnten. In diesem Sinn bevorzugen wir im Moment eher defensive Sektoren wie Telekom, Energie oder den defensiver Konsum. Trotzdem gehen wir mittelfristig von steigenden Märkten in den nächsten Monaten aus.


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